Theodor Konrad Hartleben

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Theodor Konrad Hartleben (* 24. Juni 1770 in Mainz; † 15. Juni 1827 in Mannheim) war Professor für Staatsrecht sowie Polizeidirektor von Salzburg.

Leben

Der Sohn des kurmainzischen Regierungsrates Franz Joseph Hartleben promovierte 1790 in seiner Geburtsstadt zum Doctor Juris und wurde Assessor der dortigen Juristenfakultät. Zwischen 1793 und 1795 wirkte er als Oberamtmann zu Deidesheim für den Fürstbischof von Speyer. Anschließend folgte Hartleben einem Ruf nach Salzburg und war von 1795 bis 1803 als ordentlicher Professor für Staatsrecht tätig.[1] Diese Zeit wurde, vor allem unter maßgeblichem Anteil von Johann Philipp Stainhauser von Treuberg und Judas Thaddäus Zauner, von Streitereien und Disputen geprägt. Zauner beneidete Hartleben um dessen bevorzugte Wahl zur Ernennung eines Professors, was in einer Vielzahl an Schmähschriften, Verleumdungen und, nach erfolglosem Eingreifen des Rektors und Fürsterzbischofs Hieronymus Graf Colloredo, in einer entsprechenden gerichtlichen Auseinandersetzung mündete. Selbst mit seinen Studenten befand sich Hartleben in einer Konfliktsituation, da diese einige entfallene Lehrveranstaltungen kritisierten und sich um ihr "Studiengeld und ihren Lerneifer betrogen" sahen.[2]

Nachdem Hieronymus Graf Colloredo am 10. Dezember 1800 angesichts der anrückenden Franzosen fluchtartig die Stadt verlassen hatte wurde von eben jenem noch eine Statthalterschaft eingesetzt. Diese scheiterte jedoch an der Implementierung einer bis dahin komplett vernachlässigten Polizeiarbeit. Der französische Stadtkommandant Jean-Victor Moreau setzte nun Hartleben als Polizeidirektor der Stadt ein, welchem es ohne erfahrenes Personal gelang de novo eine Basis zu schaffen, welche die öffentliche Sicherheit gewährleisten, Lebensmittelbedürfnisse stillen und dem Wucher Einhalt gebieten konnte. Hartleben machte seinem Ruf als strebsamen und fleißigem Menschen alle Ehre und erhielt eine Vielzahl an Belobigungen. Folglich ernannte ihn die Statthalterschaft zum neuen Polizeidirektor und versah ihn mit einer Vielzahl an Vollmachten. General Moreau stellte ihm sogar seine Gendarmerie zur Disposition und pflegte fortan eine freundschaftliche Beziehung zu ihm. Binnen kürzester Zeit erließ er "ueber halb ein hundert Polizeiverordnungen"[3] und stellte die Polizei auf eine solide Basis. Sein strebsames Wesen und seine Freundschaft zu Moreau brachten diesen sogar dazu, Hartleben eine beachtenswerte Position innerhalb der Pariser Polizei – welche damals die vollkommenste aller Polizeiinstitutionen darstellte – anzubieten.[2]

Damals hatte die Polizei in Salzburg im Vergleich zu heute wesentlich weitreichendere Agenden. So war sie für die "Verproviantierung" (Lebensmittelversorgung) der Bevölkerung zuständig. Polizeidirektor Hartleben engagierte sich für eine kostengünstige Fleischversorgung der Salzburger Bevölkerung, insbesonders der einkommensschwächeren Schichten. Da er für die Zulassung eines Fleischangebotes durch Metzger aus der Umgebung von Salzburg für die Versorgung der Stadt eintrat, kam er mit den etablierten Stadtmetzgern in Konflikt. Nach Abzug der Franzosen im Mai 1801 hatte er nebst den Metzgern auch mit aufständischen Bäckergesellen zu kämpfen.[2]

Da Hartleben ob seines Planes zur Strukturierung und Organisation des Polizeiwesens in Salzburg viel Sympathie bei einflussreichen Männern eingebüßt hatte, erhielt nicht er, sondern Hieronymus von Kleimayrn nach Abzug der Franzosen die Anstellung als Polizeidirektor. Dieser hatte zuvor eine Stelle als Stadtsyndikus bekleidet. Aufgrund der frei gewordenen Ressourcen, seiner neuen Erfahrung und seiner literarischen Begabung erschuf Hartleben 1802 das erste Stück seiner "Deutsche Justiz- und Polizey-Fama". Die Säkularisierung Salzburgs, die Einsetzung von Ferdinand III. von Toskana als Regent sowie dessen Grundsatz, dass "kein Staatsdiener zwei Stellen bekleiden dürfe"[3], bewogen Hartleben sogleich zu einer Abkehr von Salzburg. Er lehrte nach wie vor an der Juridischen Fakultät, von welcher er am 21. Dezember 1803 von FEb. Colloredo "auf sein gestelltes [Ansuchen] von seinem bisher bekleideten Lehramte gnädigst entlaßen" wurde.[2]

Hartleben ging nach Würzburg um dort als kurpfalzbayerischer Landesdirektionsrat und Professor des Staatsrechts sowie der Polizeiwissenschaft zu lehren. Später verlegte er seinen Wirkungskreis in das Großherzogtum Baden und trat 1819 als badischer Kommissar bei der Rheinschiffahrtskommission in Mainz, wo er seit 1812 tätig war, in den Ruhestand. Außer zahlreichen anderen wissenschaftlichen Arbeiten begann er 1802 in Salzburg mit der Herausgabe der zeitgenössisch viel beachteten Zeitschrift "Deutsche Justiz- und Polizey-Fama". [1] [2]

Straßenbenennung

Nach ihm ist im Salzburger Stadteil Itzling die Hartlebengasse benannt.[1]

Weiterführend

  • Literaturangaben auf Wikisource, Eintrag Theodor Konrad Hartleben:
    • Eintrag "Theodor Konrad Hartleben", in: Neuer Nekrolog der Deutschen, 5. Jg. 1827, 2. Teil, Ilmenau 1829, S. 609-610. (books.google.at/ www.archive.org).
    • Schulte, Johann Friedrich von: Theodor Konrad Hartleben In: Die Geschichte der Quellen und Literatur des canonischen Rechts von Gratian bis auf die Gegenwart, Stuttgart 1875, S. 314-315 (Kurzbiographie)
    • Stamm, Rudolf: Theodor Konrad Hartleben (1770-1827) und seine "Allgemeine deutsche Justiz- und Polizey-Fama. Eine Untersuchung über Aufgabe und Wirksamkeit einer Zeitschrift im Kampf gegen das Jauner(!)- und Bettelwesen. Diss. Zürich 1964 [Auch in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins; 113.]
    • Krenn, Martin: Salzburg im Fokus der Justiz- und Polizeyfama. Analyse einer von Theodor Hartleben im frühen 19. Jahrhundert herausgegebenen Zeitschrift. Diplomarbeit, Salzburg 2017

PDF

  • → pdf "Die rote Hütte oder rote Bank im erzbischöflichen Salzburg", in dem es um die Städtische Fleischbank vor Errichtung des Schlachthof Salzburg in Froschheim geht, u. a. mit einigen Informationen über die Tätigkeit von Theodor Konrad Hartleben als Polizeidirektor, 21. Juli 1801 auf Seite 489.

Quellen und Anmerkungen

  1. 1,0 1,1 1,2 Info zu 'Hartlebengasse' auf gis.stadt-salzburg.at
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Martin Krenn: Salzburg im Fokus der Justiz- und Polizeyfama. Analyse einer von Theodor Hartleben im frühen 19. Jahrhundert herausgegebenen Zeitschrift. Salzburg 2017
  3. 3,0 3,1 Friedrich August Koethe/Friedrich Christian August Hasse: Zeitgenossen. Biographien und Charakteristiken, Neue Reihe, Bd. 4/3, Leipzig 1824, S. 158–160