Tommaso di Garona

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Tommaso di Garona (* um 1620 Scaria (Val d’Intelvi, Lombardei) † 18. September 1667 Padua), richtiger, neben etlichen anderen überlieferten Namensformen Tommaso Garuo Allio, ist ein italienischer Bildhauer, der ebenso wie Giovanni Antonio Daria als Meister des Residenzbrunnens diskutiert wird.

Leben

Tommaso di Garona arbeitete meist mit seinem Bruder Matteo zusammen. Seit August 1667 ist er als in Padua wohnhaft nachweisbar und belegt ist auch sein Aufenthalt in Salzburg 1657/58. Dabei schuf er möglicherweise den Residenzbrunnen.

Auch werden ihm auf der Balustrade des Salzburger Doms an der Westfassade im zweiten Geschoss die Statuen der vier Evangelisten, auf dem Giebel die von Moses, Elias und Christus Salvator, Tommaso di Garona zugeschrieben, die dieser allerdings schon um 1660 angefertigt hatte.

Überlieferungsgeschichte

Als Urheber der unhistorischen Namensform ist der Salzburger Kunsthistoriker Franz Martin zu identifizieren:

Er fand in den Ehematriken der Salzburger Dompfarre am 14. Februar 1656 als Trauzeugen einen gewissen „Thomas Garono, Statuarius“ (also „Thomas Garono, Bildhauer“) genannt.[1] und versuchte, diese Entdeckung kunsthistorisch einzuordnen, indem er Bezüge zu den Bildhauern Tommaso da Carona (nachgewiesen 1399-1437) und Nicola Corona († 1724) herstellte und spekulierte, dass Carona der Herkunftsname sein könnte, demnach: Tommaso di Carona, nach dem Ort in den Bergamasker Alpen im Schweizer Kanton Tessin.

Franz Martin war ursprünglich der alleinige Verfasser des „Dehio Salzburg“.So verwundert es nicht, wenn zB in der Ausgabe von 1963 (S. 102) zum Residenzbrunnen vermerkt wurde: „Nicht von Giovanni Ant. Dario, vielleicht von Tommaso Garona“. Der „Dehio Salzburg“ führt in der Ausgabe von 1986 (S. 607) zum Residenzbrunnen an „von Tommaso di Garona (?)“.

Nun weist der italienische Kunsthistoriker Franco Cavarocchi darauf hin, dass der Familienname eigentlich die Schreibung „Garouo“ (für Garovo oder Garuo) hatte, die aber in „Garono“ verändert wurde; die Lesart „Garono“ oder „Garono“ ist demnach – so lässt sich insgesamt schlussfolgern – auf eine undeutliche Schreibung des Buchstabens “u” bzw. “v” zurückzuführen, die Franz Martin als “n” gelesen hat.

Folglich findet sich die Namensform „Tommaso di Garona“ sich bei einer Internet-Recherche (2010) praktisch ausschließlich in den zumeist deutschsprachigen Artikeln, die sich auf die oben genannten mutmaßlichen Werke des Bildhauers beziehen; dies legt den Verdacht nahe, dass sie alle auf derselben Quelle fußen, der ihrerseits Belege für die Urheberschaft eines Tommaso di Garona, mit Ausnahme des von Franz Martin (1940) aufgefundenen Hinweises auf Tommasos Anwesenheit in Salzburg, fehlen.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Ehematrik der Dompfarre, Fol. 165