Wettskandal im Fußball

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Ein Wettskandal im Fußball erschütterte Salzburg im November 2013, fast genau ein Jahr nach dem Bekanntwerden des Finanzskandals in der Finanz- und Vermögensverwaltung des Landes.

Der Beginn

Zunächst erklärte Dominique Taboga des SV Grödig, er sei von Ex-Teamspieler Sanel Kuljic erpresst worden. Bei einer Geldübergabe schlug die Cobra zu und es kam zu mehreren Festnahmen. Tage später wendete sich das Blatt jedoch. Es wurde bekannt, dass Taboga Teamspieler gefragt hatte, ob sie bei Spielmanipulationen mitmachen würden. Gegen Ende November verdichteten sich die Fakten, dass auch Taboga eine oder mehrere Straftaten begangen haben könnte, und er wurde festgenommen.

Neue Facette in der Affäre um Dominique Taboga

... und mögliche Spielmanipulationen im österreichischen Fußball

Auf einer Pressekonferenz erklärte am Donnerstag, den 28. November 2013, die Staatsanwaltschaft Salzburg, dass inzwischen bereits 30 Spieler involviert seien. "20 von ihnen wurden bereits befragt und werden nun auch als Beschuldigte geführt", erläuterte Andreas Holzer vom Bundeskriminalamt. Unter den Befragten sollen auch drei Spieler des SV Grödig sein. Bei einer Hausdurchsuchung im Rahmen der Operation "Rinas" wurde eine Liste mit 26 Namen gefunden, die die Fahnder auf die Spur der Spieler brachte. Insgesamt wurden bislang sechs Personen im Zusammenhang mit dem Wettskandal festgenommen.

17 bis 19 Spiele könnten zwischen 2004 und 2013 manipuliert worden sein. Hauptsächlich seien Kapfenberg-Matches betroffen, ergänzt Holzer. Manipulation heißt aber nicht automatisch, dass das Ergebnis beeinflusst wurde. In erster Linie gab es Ereigniswetten (Wetten auf Einwürfe, Elfmeter usw). Unter den Spielen sind auch zwei Partien von Red Bull Salzburg, etwa auch das Derby gegen Grödig im Oktober 2013.

Marcus Neher von der Staatsanwaltschaft Salzburg bestätigte, dass es in vier Bundesländern, unter anderem in Salzburg, Hausdurchsuchungen gegeben hat. Parallel erklärte Neher, dass es keinen Hinweis darauf gibt, dass Vereine von den Manipulationen gewusst hatten.

Dominique Taboga verhaftet

Am 28. November 2013 wurde bekannt, dass Dominique Taboga verhaftet wurde. Gegen den Ex-Grödig-Spieler werde wegen Betruges in Zusammenhang von Spielmanipulation und Wettbetrug ermittelt, weiters wegen Veruntreuung. Taboga soll von einer Person massiv belastet worden sein, die in der Vorwoche festgenommen worden war. Taboga war offenbar an bundesweiten Spielmanipulationen beteiligt gewesen. Der 31-Jährige soll zudem 5.000 Euro aus der Mannschaftskasse des SV Grödig genommen und in die eigene Tasche gesteckt haben. Taboga, der seit 14. November 2013 nicht mehr Spieler des SV Grödig ist, wurde bereits in die Justizanstalt Salzburg überstellt. Dort saßen seit 15. November Ex-Teamspieler Sanel Kuljic (36) sowie der tschetschenische Konventionsflüchtling Sulim D. (32) in Untersuchungshaft. Sie sollen Taboga erpresst haben. Kuljic und Sulim D. müssen wegen Verdunkelungsgefahr weiterhin in U-Haft bleiben.

Am 22. November 2013 waren bereits drei weitere Personen in Zusammenhang mit der Wett-Affäre festgenommen worden. Dabei handelte es sich SN-Recherchen zufolge um den ehemaligen Fußballspieler Johannes L. sowie um die beiden albanischen Verdächtigen Ilia N. und Arben T.. Auch hier ging es um den Verdacht des Wettbetrugs bzw. der Manipulation von Bundesliga-Fußballspielen. Alle drei wurden in Untersuchungshaft genommen.

Taboga hatte am 11. November gegenüber der Polizei in einer Anzeige angegeben, dass er erpresst werde. Tags darauf wurden Kuljic und dessen mutmaßlicher Komplize Sulim D. in Anif von der Eliteeinheit Cobra festgenommen. Über die beiden wurde am 15. November 2013 in Salzburg die Untersuchungshaft verhängt. Sie bestritten aber vehement, Taboga erpresst und bedroht zu haben.

Vorerst blieb Taboga noch auf freiem Fuß. Anfangs wurde er von der Polizei in einer Pressekonferenz noch als Opfer bezeichnet. Doch sehr bald stellte sich heraus, dass der 31-Jährige in die Spielmanipulationsaffäre offenbar tief involviert ist. In einer polizeilichen Einvernahme gestand er schließlich, dass er insgesamt sieben Fußballspieler unterschiedlicher Bundesliga-Vereine für eine Spielmanipulation gewinnen wollte. Diese hätten aber alle abgelehnt, erklärte Taboga.

Der Ex-Grödig-Spieler hatte der Polizei am 11. November geschildert, dass er wegen des entgangenen Wettgewinns unter Androhung von Gewalt gegen sich und seine Familie erpresst worden sei. Er habe schließlich "etwas unter 30.000 Euro" an seine Erpresser bezahlt, erklärte Taboga. Kuljic wies jedoch jede Schuld von sich. Taboga habe bei ihm private Schulden, und zwar rund 65.000 Euro für Einrichtungsgegenstände, rechtfertigte sich der Ex-Teamspieler.

Den Vernehmungsprotokollen zufolge wollte Taboga die Schulden in Raten abzahlen. Zur Schuldenbegleichung leaste er auch einen BMW Mini Cooper für Kuljic. Sulim D. schlüpfte offenbar für Kuljic in die Rolle des Geldeintreibers.

Der Verteidiger von Kuljic, der Salzburger Rechtsanwalt Franz Essl, erklärte: "Laut Aussage des in U-Haft befindlichen Teambetreuers sollen mehrere, von diesem konkret bezeichnete Spiele manipuliert worden sein. Mein Mandant hat mit Wettbetrug nichts zu tun. Die Vorwürfe sind auch leicht zu entkräften: Vorwiegend geht es um Spiele des SV Kapfenberg. Zum Zeitpunkt dieser Spiele spielte mein Mandant großteils gar nicht beim SV Kapfenberg, sondern beim FCS Xamax Neuchâtel (in der Schweiz, Anm.). Bei einem Spiel - SV Kapfenberg gegen Red Bull Salzburg am 17. März 2012 (Endstand 0:1, Anm.) - hat mein Mandant nur die 1. Halbzeit gespielt und es stand damals 0:0."

Als Folge der Ereignisse suspendierte der SV Grödig Dominique Taboga sowie seinen Mannschaftskollegen Thomas Zündel, der zu einem der heimlichen Treffen Tabogas mit mutmaßlichen Wettbetrügern mitgekommen war, dies aber dem Verein zuerst verschwiegen hatte.

Der Prozess

Knapp ein Jahr nach dem Auffliegen des Skandals kam es zum Prozess am Straflandesgericht in Graz (Steiermark), der insgesamt 22 Verhandlungstage in Anspruch nahm. Angeklagt waren zehn Personen, darunter fünf Fußballspieler. Sanel Kuljic, der vom Gericht als zentrale Figur in der Causa ausgemacht wurde, fasste mit fünf Jahren unbedingter Haft die höchste Strafe aus. Dominique Taboga wurde seine kooperative Rolle bei der Aufarbeitung des Falles zugutegehalten. Er wurde zu drei Jahren Freiheitsstrafe, davon ein Jahr unbedingt, verurteilt. Die Fußball-Bundesliga verhängte eine lebenslange Sperre gegen ihn. Dagegen klagte Taboga im Juni 2015 wegen "Unverhältnismäßigkeit des Strafmaßes". Thomas Zündel wurde freigesprochen, er setzte seine fußballerische Laufbahn 2014 beim SC Kalsdorf fort und kehrte 2015 als Spieler des Wolfsberger AC in die Bundesliga zurück.

Taboga schrieb im Buch "Schweres Foul - im Labyrinth des schönsten Spiels der Welt" (egoth-Verlag), das im Herbst 2016 erschien, über die Ereignisse. Im Jänner 2016 nahm der Fußballer von dem Plan Abstand, beim USV Ebenau vorerst als Trainingsgast seine aktive Karriere fortzusetzen. Im Herbst 2016 wurde die von der Bundesliga gegen ihn verhängte lebenslange Spiel- und Funktionssperre vom OLG Wien für nichtig erklärt. Die Bundesliga änderte daraufhin die Dauer der Sperre auf fünf (Spieler) bzw. zehn Jahre (Funktionär). Taboga könnte demnach ab Dezember 2018 wieder spielen.

Sanel Kuljic wurde 2017 nach rund drei Jahren Haft vorzeitig entlassen.

Quelle