Wo Dollfuß baden ging

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Titelbild Buch Wo Dollfuß baden ging

Buchtipp Wo Dollfuß baden ging. Mattsee erinnert sich: Schönberg - Seyß-Inquart - Stephanskrone

Autoren: Therese Muxeneder, Roland Peter Kerschbaum, Siegfried Hetz
Herausgeber: Siegfried Hetz
Verlag: Verlag Anton Pustet
Erscheinungsjahr: 2018
ISBN 978-3-7025-0890-6

Verlagstext

Mattsee – Sommerfrische mit bewegter Geschichte

„Judenrein“ sollte Mattsee schon 1921 werden, und so wurde Arnold Schönberg im Juli dieses Jahres aus seiner Sommerfrische vertrieben. Er wich nach Traunkirchen im Salzkammergut aus, dort erprobte er zum ersten Mal die Zwölftonmethode.

1927 verlegte wiederum das Ehepaar Seyß-Inquart seine Sommerfrische vom Salzkammergut nach Mattsee. 1934 kam Bundeskanzler Engelbert Dollfuß inkognito, um Geheimgespräche mit Seyß-Inquart über die Einbindung der Nationalsozialisten in die Regierung des Austrofaschismus zu führen. Außerdem wollte er schwimmen lernen, um in Riccione, wohin ihn Mussolini zum Strandurlaub eingeladen hatte, eine gute Figur zu machen.

In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 flüchtete der ungarische Faschistenführer Ferenc Szálasi an den Mattsee, in seinem Gepäck war die ungarische Stephanskrone. Am 28. April 1945 heiratete er in der Stiftskirche seine langjährige Gefährtin Gizella Lucz, zuvor wurde die Stephanskrone in einem Fass vergraben.

Der von Siegfried Hetz, Initiator der Bildungswoche Mattsee 2016 zum Thema „Erinnern“, herausgegebene Band vereint die zeithistorische Aufarbeitung mit einer Dokumentation der Bildungswoche.

Inhaltsverzeichnis

  • Danksagung
  • Vorwort
  • Siegfried Hetz: Wo Dollfuß baden ging
Aufbruch nach dem Umbruch: Das Land Salzburg ordnet sich neu
Auf dem Weg zur judenfreien Schönheit: Von der Idylle zur Sommerfrische
Ein deutschnationaler Salon: Anton Breitner, der Scheffelstürmer von Mattsee
"Judenrein" lässt die Kassen klingeln: Fremdenverkehr und Antisemitismus
Mattsee zieht die katholisch-nationale Elite an: "Vaterländische" Hochburg
Wo Dollfuß baden ging: Der Kanzler lernt schwimmen
Im Zentrum steht das Kruckenkreuz: Mattsee wird zum Markt erhoben
"Heim ins Reich": Anschluss und Zweiter Weltkrieg
Stephanskrone auf der Flucht: Der ungarische Kronschatz in Mattsee
Burghard Breitner: So verkannt wie umstritten
  • Therese Muxenender:
"Ein nettes Erlebnis im Salzkammergut"
Arnold Schönberg, Mattsee und die Folgen
  • Roland Peter Kerschbaum:
Die biblische Botschaft als Kultur der Erinnerung
Erinnern: Menschliche Fähigkeit -
Historische Notwendigkeit - Herzsache des Glaubens
  • Berta Altendorfer, Siegfried Hetz:
Nur wer sich erinnert, lebt
Bildungswoche Mattsee 2016
  • Lawrence Schoenberg:
Grußworte
Die Pflicht zur Erinnerung, das Recht auf Vergessen und die Scham des Verdrängens
Podiumsdiskussion am 25. Oktober 2016
  • Anhang
Namensregister
Bildnachweis
Literaturverzeichnis
Autoren

Rezension 1

Sommerfrische mit deutschnationaler Gesinnung und österreichische Geschichte der 1930er-Jahre

Das Buch entstand anlässlich einer Bildungswoche 2016 in Mattsee im Salzburger Land. 2016 erinnerte sich das Land Salzburg an seine 200jährige Zugehörigkeit zu Österreich. 125 der 180 Seiten beschäftigen sich mit der Sommerfrische an den drei Trumer Seen mit Zentrum in Mattsee ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Zeit den Nationalsozialismus.

Dr. Heinrich Wallmann (* 1827 in Mattsee; † 1898 in Wien), Militärarzt, Fremdenverkehrspionier und Ehrenbürger von Mattsee, brachte die Sommerfrische in Mattsee zu einer ersten Blüte. Gleichzeitig erkannte er auch die aufkommende deutschnationale Gesinnung mit antisemtischer Haltung. Als deutliches Zeichen gegen diese Entwicklung in Mattsee ernannte der „Saison-Verein in Mattsee“ den langjährigen Sommerfrischlergast in Mattsee, den Wiener jüdischen Schriftstellers Balduin Groller, alias Adalbert Goldschneider, zum Ehrenmitglied. Anfang der 1920er-Jahre erklärte sich dann Mattsee für „Judenrein“ und vertrieb im Sommer den jüdischen Komponisten Arnold Schönberg. Bei der Bildungswoche 2016 war sein Sohn Lawrence in Mattsee zu Gast.

Ein besonders spannender Teil ist der Abschnitt „Wo Dollfuß baden ging“. Darin wird die Entstehung des Austrofaschismus und des Ständestaats sehr verständlich geschildert. Es kommt auch zur Erklärung, weshalb Bundeskanzler Dollfuß wenige Tage vor seiner Ermordung beim Juliputsch 1934 in Mattsee war, um schwimmen zu lernen. Dabei kam es auch zu einem Geheimtreffen mit Arthur Seyß-Inquart, der nach Hitlers Einmarsch in Österreich zum Reichsminister avancierte.

Zwei weitere, interessante Themen folgen: Wie die ungarischen Krönungsinsignien über Mattsee in die USA kamen und die Familiengeschichte Breitner. Dr. Burghard Breitner, der „ Engel von Sibirien“ des Ersten Weltkriegs, war Vierteljude. Sein Vater Anton, ein uneheliches Kind, einer Jüdin und des Anton Eugen Dreher, Besitzer der Klein-Schwechater Brauerei, stattete Burghard Breitner finanziell gut aus. Das Buch beleuchtet auch die nicht ganz klare Rolle von Burghard Breitner im Nationalsozialismus („so verkannt wie umstritten“).

In den letzten Kapiteln des Buches setzt sich Therese Muxender mit Arnold Schönberg, Mattsee und die Folgen auseinander und Roland Peter Kerschbaum geht dem Thema „Erinnern: Menschliche Fähigkeit. Historische Notwendigkeit – Herzsache des Glaubens“ nach sowie noch Auszüge von Gesprächen im Rahmen der Bildungswoche 2016. Es gibt bei jedem Kapitel zahlreiche Einzelnachweiseverweise auf Quellen sowie am Ende des Buches ein Namensregister.

Für mich waren die Seiten über die Geschichte von Mattsee ausgesprochen informativ. Darin habe ich nicht nur Lokalgeschichte erfahren, sondern, wie oben bereits erwähnt, die österreichische Geschichte der 1930er-Jahre besser verstanden. Das Buch mag vielleicht in den letzten Kapiteln etwas schwieriger zu lesen sein, das tut dem sehr guten Gesamteindruck dieses Buches aber keinen Abbruch. Ein lesenswertes Buch über lokale – deutschnationale – Geschichte.

Rezension 2

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Quelle