Roland Kerschbaum

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MMMag. Dr. Roland Peter Kerschbaum (* 9. Jänner 1968 in Salzburg) ist ein Salzburger Geistlicher und Kunsthistoriker. Er ist Pfarrer von Elsbethen, Mitglied des Salzburger Domkapitels und Diözesankonservator der Erzdiözese Salzburg.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kerschbaum besuchte die Volksschule St. Andrä und maturierte im Juni 1986 am naturwissenschaftlichen Bundesrealgymnasium in Salzburg. Nach zweijährigem Studium der Fächer Geschichte, Alte Geschichte und Fachtheologie trat Kerschbaum im Herbst 1988 in das Salzburger Priesterseminar ein. Nach dem Studium von Fachtheologie und Selbständiger Religionspädagogik an den Universitäten Salzburg und Innsbruck wurde er am 26. Februar 1995 in der heimatlichen Stadtpfarrkirche St. Andrä zum Diakon geweiht. Das darauffolgende Praktikum absolvierte er in der Pfarre Kuchl. Am 29. Juni des genannten Jahres empfing er durch Erzbischof Dr. Georg Eder im Salzburger Dom die Priesterweihe.

In der Folge leistete er Seelsorgedienst

2004 erhielt der Dreifach-Magister im Rahmen der Förderpreise des Erzbischof-Rohracher-Fonds den 3. Preis.

Am 1. September 2011 übernahm Roland Kerschbaum das Amt des Diözesankonservators von Prälat Johannes Neuhardt, der damals als längstdienender Diözesankonservator Österreichs im Alter von 81 Jahren in Pension ging.

Am 27. März 2013[1] wurde Kerschbaum in der Nachfolge des emeritierten Prälaten Sebastian Manzl in das Salzburger Domkapitel gewählt.

Portrait

Als Diözesankonservator ist Kerschbaum für die kirchlichen Bauten in der Erzdiözese Salzburg verantwortlich. Insgesamt gehören der Erzdiözese Salzburg rund 800 Gebäude, für die Roland Kerschbaum in denkmalpflegerischer Hinsicht gemeinsam mit dem Bauamt der Erzdiözese zuständig ist. Sein Büro befindet sich am Salzburger Kapitelplatz, wo auch Amtsvorgänger Johannes Neuhardt, der für mehr als fünfzig Jahre der Diözesankonservator war, seinen Sitz hatte. Rund 5 Millionen Euro investiert die Erzdiözese jährlich in Pflege und Erhalt ihrer Denkmäler.

Die Realisierung größerer Vorhaben wird aber erst durch Beteiligung von Bund, Land und Gemeinden und das Engagement vieler Freiwilliger möglich. Gemeinsam mit Landeskonservatorin Eva Hody, dem Tiroler Vertreter des Bundesdenkmalamtes, dem Bauamt und weiteren Fachleuten bildet Roland Kerschbaum die diözesane „Kommission für Kunst und Denkmalpflege“. Eine wichtige Vorarbeit für Renovierungsprojekte ist für ihn das Erkunden der manchmal widersprüchlichen Interessen. „Denkmalschutz und Erfordernisse des Gemeindelebens, persönliche Vorstellungen der Beteiligten und natürlich die entstehenden Kosten – das sind Faktoren, die den notwendigen Interessensausgleich nicht immer leicht machen.“ Dabei helfen ihm die Erfahrungen aus seinem zweiten Beruf, er ist Pfarrer der Gemeinde Elsbethen. Diese beiden Aufgaben sieht er als Einheit. Auch die religiöse Kunst dient der Seelsorge, sie ist „nonverbale Verkündigung“, sagt Kerschbaum. In theologischer Sicht fühlt er sich weder konservativen noch progressiven Strömungen zugehörig. „Lagerdenken“ ist nicht seines, und er stellt fest: „Manchmal sind auch „liberale“ Geister in ihren Anschauungen sehr konservativ und festgefahren.

Roland Kerschbaum wuchs in einer religiös interessierten Familie in der Stadt Salzburg auf. Sein Bruder hat, so wie der Vater, einen technischen Beruf ergriffen. Er selbst war schon als Kind von der Kunst, Geschichte und Architektur, die ihn in der Altstadt umgaben, fasziniert. Sein Arbeitgeber, die Diözese, hat ihm ermöglicht, neben dem Beruf als Pfarrer noch das Geschichte- und Kunstgeschichtestudium abzuschließen. Im Mai 2017 promovierte er bei Univ.-Prof. Dr. Andrea Gottdang mit einer Dissertation über „Kirchenkunst des 19. Jahrhunderts in der Erzdiözese Salzburg - Erhaltenes, Verschwundenes, Wiedererstandenes“. Anhand mehrerer ausgewählter Kirchenbauten des Salzburger Landes stellt er die verschiedenen Stilrichtungen des Historismus wie Neoromanik, Neogotik, Neorenaissance dar. Besonders geht er dabei auf theologische und geistesgeschichtliche Faktoren ein, die in der kirchlichen Kunst dieser Zeit ihren Niederschlag gefunden haben, zum Beispiel Herz-Jesu-Verehrung oder Marienfrömmigkeit. „Das bessere Verständnis der Zeit und der gesellschaftlichen sowie religiösen Zusammenhänge kann auch die Kunst des 19. Jahrhunderts besser verstehbar machen.“ So möchte er vor einer gewissen Kurzsichtigkeit im Umgang mit vergangenen Epochen bewahren, die schon zu vielen Ausräumungen von Kirchen des Historismus geführt hat. Um der Gegenwartskunst in den Salzburger Kirchen den gebührenden Raum zu geben, kann sich der Diözesankonservator neben bereits bestehenden Initiativen die Durchführung künstlerischer Wettbewerben zur Behandlung bestimmten religiösen Themen auseinanderzusetzen.

Viel Zeit nimmt sich Roland Kerschbaum auch für Kirchenführungen. „Kürzlich war ich wieder mit Salzburger Fremdenführern unterwegs. Sie erzählen mir, dass besonders Gäste aus anderen Kulturen sich für unsere alten Symbole und Rituale interessieren. Es bedeutet mir viel, diesen Aspekt unserer Kultur zu vermitteln und weiterzugeben. Kirchen sind ja die ältesten Religionsbücher unseres Landes mit einer wichtigen spirituellen Botschaft.

Werke

  • Die Verhandlungen zur Gründung eines Salzburger Priesterseminars und seine Entstehung. Ideal und Wirklichkeit eines katholischen Reforminstituts am Ende des 16. Jahrhunderts. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 138, 1998, S. 11-98
  • Leonhard von Noblac: Wundersames über den Patron für Tier und Mensch. (Band 4 von Heilige und Selige - Verehrung, Brauchtum und Kunst in Österreich. Verlag St. Peter, Salzburg 2002. ISBN 9783900173708.
  • Die Kanzellandschaft in den Salzburger Kirchen. Künstlerische Entwicklungslinien des liturgischen Verkündigungsortes vom 16. bis 18. Jahrhundert. Magisterarbeit Universität Salzburg 2003.
  • Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und hl. Michael. Gnigl Salzburg. Fotos von Reinhard Weidl, Kirchenführer, Verlag St. Peter, Salzburg 2009.
  • Pfarrkirche zum hl. Leonhard in Leogang. Kirchenführer, Verlag St. Peter, Salzburg 2009.
  • Stiftspfarrkirche St. Michael in Mattsee. Kirchenführer, Stiftspfarre Mattsee, Verlag St. Peter, Salzburg 2010.
  • St. Pankraz am Haunsberg. Geschichte, Kunst, Spiritualität. Fotos von Reinhard Weidl, Kirchenführer, Pfarre Nußdorf am Haunsberg, Verlag St. Peter, Salzburg 2011.
  • Die Kirchen von Kuchl. Fotos von Reinhard Weidl, Kath. Pfarramt Kuchl, Kirchenführer, Verlag St. Peter, Salzburg 2012.
  • Pfarrkirche Kuchl. Verlag St. Peter, Salzburg 2012.
  • Lichterketten. Der spirituelle Adventsbegleiter. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-460-27155-5.
  • Kirchenkunst des 19. Jahrhunderts in der Erzdiözese Salzburg: Erhaltenes, Verschwundenes und Wiedererstandenes. Dissertation Universität Salzburg 2016.

Quellen

Zeitfolge
Vorgänger

Johannes Neuhardt

Diözesankonservator der Erzdiözese Salzburg
seit 2011
Nachfolger


Zeitfolge
Vorgänger

Josef Klaushofer

Pfarrer von Elsbethen
seit 2001
Nachfolger


Zeitfolge
Vorgänger

August Fuchsberger

Pfarrprovisor von Dürrnberg
1998–2001
Nachfolger

Johann Schreilechner