Erik Schnaitl

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Erik Schnaitl

Erik Schnaitl (* 26. März 1977) ist "Lobbyist für Mensch und Natur".

Vorgestellt

Vorgestellt ist eine Beitragsreihe in den Salzburger Nachrichten. Das Salzburgwiki hat hier den Originaltext übernommen. Dieser kann wiederholende Teile zu obigem Lebenslauf enthalten, sollte aber im Sinne eines Zeitdokuments nicht korrigiert werden.


"Treib es nicht, als wenn du zehntausend Jahre zu leben hättest!" Diesen schönen Aphorismus hat uns der römische Kaiser Marc Aurel hinterlassen. Die Worte könnten auch von Erik Schnaitl stammen. Der gebürtige Innviertler scheint alles daranzusetzen, bloß keine Stunde Lebenszeit unsinnig verstreichen zu lassen. Doch wie geht das in der Praxis? Schnaitl hat schon alle möglichen Berufe und Beschäftigungen probiert, um eine Antwort zu finden.

Am Anfang verlief alles noch in herkömmlichen Bahnen. Aufgewachsen in Tarsdorf, als erster von vier Söhnen eines Schlossers und einer Alten- und Krankenpflegerin, ging er in Braunau am Inn an die HTL für Elektrotechnik, die er als "Klassenschlechtester" abschloss, wie er sagt. Nach der Matura arbeitete er in einem Planungsbüro, nach zweieinhalb Jahren wechselte er als Kundenberater in eine Raiffeisenbank. "Ich hätte damals einen Grund kaufen und ein Haus bauen können", sagt Schnaitl.

Doch es kam anders. Nach einem Jahr in der Bank begann er, Sportwissenschaften zu studieren. Doch nach drei Jahren hatte er auch davon genug, wollte nicht bis zum Studienende zwei weitere Semester studieren. Denn, so Schnaitl: "Zwei Semester sind auch Lebenszeit." Mit seiner damaligen Freundin versuchte er sich daraufhin sieben Monate lang als Entwicklungshelfer in Ghana, half in einem Waisen- und einem Krankenhaus. Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Verkäufer in einer Linzer Biobäckerei und als "Knecht" bei Biobauern, bis ihm klar wurde: "Ich will nicht mehr Knecht sein."

Stattdessen begann er, sich gesellschaftspolitisch zu engagieren, schrieb Leserbriefe, organisierte Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit und gründete mit dem "Weltenwanderer" Gregor Sieböck die Initiative "fairkehr - Verein für verkehrspolitische Bewusstseinsbildung", die neue Wege und Ideen in der Verkehrspolitik aufzeigen will.

Heute wohnt er in einer Wohngemeinschaft in Liefering und lebt von diversen "Projekten". Als Beruf gibt er "Lobbyist für Mensch und Natur" an. Auto besitzt er keines mehr, dafür etliche "Gehzeuge" – Holzgerüste, mit denen er und seine Mitstreiter immer wieder öffentlich aufzeigen, wie viel Platz Autos im Vergleich zu Fußgängern brauchen.

Mitunter zweifelte Schnaitl in den vergangenen Jahren an seinem "low-budget-Leben" und fragte sich, "ob ich nicht doch in der Bank hätte bleiben sollen". Doch wenn er und seine Mitstreiter von fairkehr wie am 19. und 20. Mai 2012 einen Teil der Ignaz-Harrer-Straße in der Stadt Salzburg so begrünen, "dass man sich dort wohlfühlt", dass also aus der Straße für Autos eine Straße für Menschen wird, ist er wieder in seinem Element. Und wie weit ist es noch bis zum Zielpunkt der Sinnsuche? "Ich bin dort, wo ich hingehöre. Die Reise wird aber immer weitergehen."

Quelle