Flüchtlinge zwischen Gerüchten und Wahrheit

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Flüchtlinge zwischen Gerüchten und Wahrheit, was ist dran an Geschichten, dass Salzburger wegen Flüchtlingen angeblich aus ihren Wohnungen geworfen werden? Oder dass Asylbewerber bewaffnet sind? Die Salzburger Nachrichten (SN) sind Anfang November 2015 diesen Gerüchten nachgegangen.

"Hast schon gehört?"

Damit beginnen derzeit viele Gespräche im Land über Flüchtlinge. Die aktuelle Zuwanderungsbewegung macht betroffen, aber auch sehr besorgt. In sozialen Netzwerken oder aber auch durch Mundpropaganda kommen viele Geschichten zutage. Geschichten, die die Polizei unter den Tisch kehre und die Presse nicht schreiben dürfe oder wolle. Die SN haben versucht, einigen Salzburg-spezifischen Geschichten über Flüchtlinge auf den Grund zu gehen. Folgendes ist dabei herausgekommen:

Wohnung

Eine Frau schreibt auf Facebook: "Eine mir bekannte Person wird nach 31 Jahren aus ihrer Gemeindewohnung geworfen. Der Grund: Man braucht nun Wohnungen für Flüchtlinge."

Der Beitrag wird allein auf der Stadt-Salzburg-Seite 863 Mal geteilt und weiterverbreitet. Die Stadt Salzburg schickt umgehend ein Dementi aus und nimmt mit der Frau, die das veröffentlicht hat, Kontakt auf. Es wurde ein Gespräch mit der Vizebürgermeisterin vereinbart. Die Frau, die die Meldung verbreitet hat, sagt daraufhin, sie hätte noch einmal nachgefragt bei ihrer Bekannten. Es sei keine Gemeindewohnung, sondern eine Privatwohnung. Der Vermieter wolle sie - wohl wegen der Flüchtlinge - rauswerfen. Die Frau löscht das Facebook-Profil wenige Tage später.

Auf der Liste des Wohnungsamts finden sich rund 4 000 Menschen. Allerdings kommen für eine städtische Wohnung nur jene infrage, die mindestens seit drei Jahren ihren Hauptwohnsitz in der Stadt Salzburg haben oder die seit drei Jahren hier beruflich arbeiten (mit Nachweis). Starterwohnungen für Flüchtlinge gibt es auch - die verwaltet der Diakonie-Flüchtlingsdienst. Das sind Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge. Der Großteil hat einen Mietvertrag befristet auf drei Jahre. Allerdings seien in der Vergangenheit auch unbefristete Mietverträge ausgestellt worden.

Waffen

Nachdem die SN in der Vorwoche über das Zeltlager in Wals und die Notlager in Großgmain berichtet haben, erreicht uns folgendes E-Mail: "Laut einer hohen Beamtin der Landesregierung sind die Flüchtlinge schwer bewaffnet. Die Gewehre sollen jetzt in der Salzach liegen."

Die SN haben die E-Mail-Schreiberin kontaktiert. Diese sagt, sie hätte die Info von einem Bekannten. Dieser will beim Anruf aber den Namen der "leitenden Beamtin" nicht nennen und beruft sich auf "Vertraulichkeit". Ein Lokalaugenschein an der Saalach beim Grenzübergang in Liefering ergibt: Es sind keine Waffen im Niedrigwasser führenden Fluss erkennbar, welche Menschen nach über 3 000 Kilometern auf der Flucht in Salzburg zurückgelassen hätten. Was immer auch in der Saalach oder der Salzach landet, findet sich irgendwann angespült in den Rechen der Kraftwerksbetreiber wieder. Auf Nachfrage bei der Salzburg AG findet sich dort aber bei den wöchentlichen Reinigungsarbeiten - außer Müll, Fußbällen, Laub und Holz - nichts.

Traditionen

"Die Flüchtlinge können nichts mit Traditionen anfangen. Jetzt werden sogar unsere Bräuche infrage gestellt. Krampusläufe mussten bereits abgesagt werden, damit sich die Flüchtlinge nicht erschrecken."

So lautet die Geschichte. Der beliebte Maxglaner Krampuslauf wurde heuer tatsächlich abgesagt. Obmann Adolf Sedetka erklärt, dass der Perchtenlauf keinesfalls deshalb abgesagt wurde, weil er Flüchtlingen nicht zumutbar sei. Vielmehr ortet der Verein ein "Sicherheitsproblem" - dessen Ursache aber einheimische Krawallmacher sind, die den Perchtenlauf seit Jahren für ihre Zwecke missbrauchen.

Überfall

Am Mittwoch, den 4. November 2015, kursierte folgende Geschichte: "20 Asylanten haben in der Münchner Bundesstraße eine Tankstelle überfallen. Die Polizei veröffentlicht dazu nichts."

Eine Anrainerin in der Stauffeneggstraße sagt, dass sie kurz vor 22 Uhr sehr viel Blaulicht wahrgenommen habe. Laut Polizeisprecherin Eva Wenzl hat es in der betreffenden Nacht in dem Bereich überhaupt keine Anzeigen gegeben.

Auch an Gerüchten von sexuellen Übergriffen von Flüchtlingen sei nichts dran. Sehr wohl gegeben habe es polizeiliche Interventionen in den Notquartieren in der Bahnhofsgarage und der Autobahnmeisterei. "Dort kochte manchmal die Stimmung hoch, die Kollegen mussten eingreifen. Zu strafrechtlich relevanten Handlungen ist es aber nie gekommen", sagt Wenzl.

Zurück zur Geschichte in der Münchner Bundesstraße. Dort gibt es vier große Tankstellen. Bei allen vier rufen die SN an. Alle vier verneinen, dass es zu einem Raubüberfall, zu Randalen, zu Sachbeschädigungen, räuberischen Diebstählen oder Sonstigem gekommen sei. Ein Angestellter erzählt, dass die Flüchtlinge manchmal kompliziert seien, sie würden SIM-Karten für die Handys und Chips kaufen. Gestohlen worden sei seines Wissens noch nie etwas. Ein Mitarbeiter erzählt, dass Flüchtlinge einkauften, und auch "zwei Packungen Zigaretten mit einem 500-Euro-Schein bezahlen". Das finde er nicht normal.

Quelle