Glocknerbus

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Der "Glocknerbus" 2018
Postbusse am Parkplatz der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe
selbst die schmale Edelweißstraße hinauf zur Edelweißspitze, dem höchsten Punkt der Großglockner Hochalpenstraße, scheuten damals die Busse nicht

Der Glocknerbus ging als legendärer Linienbus auf der Großglockner Hochalpenstraße in die Automobil­geschichte ein.

Geschichte

Als am 3. August 1935 die Großglockner Hochalpenstraße eröffnet wurde, glaubten viele, dass kaum jemand diese Ausflugsstraße besuchen wird. Doch die Zahlen belehrten die Zweifler eines Besseren. Schon in der ersten Saison, und diese dauerte ja nur 79 Tage, besuchten fast 22 000 Menschen die Straße. Neben 400 Motorrädern und fast 3 300 Automobilen wurden bereits 1 133 Autobusse gezählt. Anfang der 1960er Jahren erreichte die Beliebtheit der Autobusfahrten zur Pasterze am Fuße des höchsten Berges Österreich, dem Großglockner (3 798 m ü. A.), ihren Höhepunkt. 1962 beförderten 9 470 Busse mehr als ein Drittel der 1,3 Millionen Besucher in die Bergwelt der Hohen Tauern.

Noch im Jahr der Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße (1935) begann eine Linienbusverbindung zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Post ab 1949 fünfzig Steyr 380a auf der Glocknerlinie ein. In den 1950er-Jahren war der Parkplatz auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe nur den Postbussen vor­behalten. Im Buch "90 Jahre Postautobus" (Verlag Omnibus­spiegel) ist zu lesen: "Die Post­verwaltung setzte auf dieser an­spruchsvollen Bergstrecke im­mer nur ihre besten Mitarbeiter ein." Der gute Ruf der Postbusse bewirkte auch, dass nicht nur Pkw-Lenker, sondern auch viele Chauffeure von Reisebussen ih­re Fahrzeuge im Tal zurücklie­ßen und den sicheren Postbus für die Auffahrt wählten.

Der legendäre „Glocknerbus“, der Gräf & Stift 120 OGL, wurde von der Post ab 1950 im Liniendienst auf der Großglockner Hochalpenstraße eingesetzt. 25 Passagiere fanden darin Platz. Der Glocknerbus aus dem Jahr 1950 besaß neben einer Dachrandverglasung (um auch seitlich nach oben Aussicht aus dem Bus zu haben) auch ein Schiebedach. Waren die Wetterverhältnisse günstig, fuhren die Busse ohne Verdeck und die Reisenden genossen besonders eindrucksvoll das grandiose Bergpanorama entlang der Großglockner Hochalpenstraße. Heute existiert nur mehr ein einziges Fahrzeug dieser Baureihe von ehemals zwölf gebauten. Dieses wurde von Dr. Herbert Werner liebevoll restauriert und kann seit Juli 2013 im HCW Privatmuseum in Altaussee, Steiermark, bewundert werden.

Der Glocknerbus des 21. Jahrhunderts

Die ÖBB­ Postbus GmbH hatte nach 77 Jah­ren im Jahr 2012 den Busverkehr von Zell am See auf die Franz-Josefs­-Höhe eingestellt. Im Juni 2012 gab der Vorstand der Großglockner Hochalpenstraßen AG (Grohag), Dr. Johannes Hörl, bekannt, dass das Pinzgauer Busunternehmen Vorderegger Reisen ab 11. Juli 2012 jeweils am Mittwoch und Freitag von meh­reren Pinzgauer Orten aus die Großglockner Hochalpenstraße bis zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe fahren werde. "Die Li­nie wird Glocknerbus heissen. Als besondere Attraktion ist ein Nationalpark Ranger als Be­gleitperson dabei, der die Fahr­gäste informiert", sagt Hörl. "Den Ranger bezahlen die Re­gion und wir. Es wird Folder geben, die überall aufliegen."

Die bisheri­ge Konzession des Landes Salzburg für die Linie war mit Juni 2012 ausgelaufen. Im Büro von Verkehrsreferent Landeshauptmann-Stv, Dr. Wilfried Haslauer (ÖVP) hieß es, der ÖBB-Post­bus habe sich zunächst um die Wiedererteilung der Konzes­sion bemüht, das Angebot aber im Winter zurückgezogen, weil das Land keine Zuzahlung leis­te und die Linie Verlust mache. Das Land wird den Verkehr aber weiterhin nicht bestellen und damit bezahlen, weil es sich um eine rein touristische Linie handelt, die weder von Schülern noch von Pendlern benötigt wird. ÖBB-Sprecher Rene Zumto­bel sagte, das Land habe die Konzession nicht rechtzeitig verlängert. Auf die Vorschläge der GROHAG habe man reagiert und mitgeteilt, dass man zum Beispiel nicht in kleinere Busse investieren könne, wenn man keine Konzession mehr habe und nicht wisse, ob man in Zukunft wieder eine erhalte.

Aufgrund der großen Nachfrage verkehrte dann der Bus zwischen 21. Mai und 26. September 2014 bis zu drei Mal wöchentlich. Diese wurden den ganzen Tag von einem Ranger des Nationalparks Hohe Tauern begleitet. Startpunkt war Hinterglemm mit weiteren sieben Sammelstellen bis Ferleiten. Auf der Großglockner Hochalpenstraße wurden die Info-Stelle Hochmais, das Haus Alpine Naturschau und die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe angefahren.

Der Komfort eines doppelstöckigen Luxus-Busses, die Begleitung eines versierten Nationalpark-Rangers und die beeindruckende Naturkulisse entlang der Großglockner Hochalpenstraße – das sind die Erfolgsfaktoren des Glocknerbusses.

Ablauf einer Fahrt

Die regions- und branchenübergreifende Kooperation „Glocknerbus“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Tourismusverbände Großglockner-Zellersee, Zell am See und Saalbach-Hinterglemm, der Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern, dem Nationalpark Hohe Tauern, des Oesterreichischen Alpenvereins, Vorderegger Reisen und der GROHAG.

Um 08:30 Uhr geht es immer von Hinterglemm im Glemmtal los und nach einigen Zustiegsmöglichkeiten ist ein erster kurzer Stopp beim Hochmais. In 1 850 m ü. A. befindet sich die Informationsstelle Hochmais mit Schautafeln zum Thema "Gletscher, das Rotmoos und die Höhenstufen der Vegetation". Nach kurzer Weiterfahrt erreicht der Bus das „Dr.-Wilfried-Haslauer-Haus" im oberen Nassfeld, wo die Ausstellung "Alpine Naturschau" die hoch sensible und äußerst vielfältige Bergwelt der Hohen Tauern zeigt. Nach einem 45minütigen Aufenthalt setzt der Bus seine Fahrt über das Fuscher Törl und Hochtor (Tunnel) zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe fort.

Dort haben die Gäste zwei Stunden Zeit, den längsten Gletscher der Ostalpen, die Pasterze, zu besuchen. Im Glocknerkino beeindrucken faszinierende Impressionen des Großglockners des Universumfilmers Georg Riha. Besondere Sehenswürdigkeit ist Dauerausstellung „125 Jahre Automobilismus“, die unter anderem jenen Steyr 100 zeigt, mit der die beiden „Väter“ der Großglockner Hochalpenstraße, Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl und Hofrat Dipl.-Ing. Franz Wallack, am 22. September 1934 zum ersten Mal die halbfertige Großglockner Hochalpenstraßen von Salzburg bis Heiligenblut in Kärnten befahren hatten. Eine Sonderschau informiert über „150 Jahre Oesterreichischer Alpenverein“. Man kann den Panoramaweg „Kaiserstein“ zur Wilhelm-Swarovski-Beobachtungswarte (10 min) erklimmen oder vom alpinen Gamsgrubenweg herrliche Blicke auf das imposante Bergpanorama mit Kleinglockner (3 770 m ü. A.), Großglockner (3 798 m ü. A.), der Hoffmanns Spitze (3 722 m ü. A.), der Glocknerwand, dem Johannisberg (3 453 m ü. A.) und anderen Gipfeln genießen.

Nach diesem Aufenthalt beginnt die Rückfahrt mit Stopps beim Schöneck, Hochtor und an der Fuscher Lacke zu Ausstellungsbesichtigungen, für einen Spaziergang oder eine Kaffeepause. Gegen 17 Uhr sind die Gäste wieder in Hinterglemm zurück.

2018: Fahrt auch ab der Stadt Salzburg möglich

Neben dem bewährten Bus ab und bis Hinterglemm wird es 2018 auch einen Bus geben, der ab und bis Stadt Salzburg fährt. Mit diesem fährt der Gast von Busbahnhof Lastenstraße (Ausgang Salzburg Hauptbahnhof Richtung Schallmoos) bis Busterminal Parkplatz Hallenbad in Zell am See. Dort steigt der Gast dann in jenen Bus um, der aus Hinterglemm kommt.

Der Bus aus Salzburg kommend fährt dann weiter nach Kaprun zur Talstation der Gletscherbahnen Kaprun AG, von wo aus man das Gletscherskigebiet Kitzsteinhorn am Schmiedingerkees und den Gipfel des Kitzsteinhorns erreicht.

Der Glocknerbus fährt von 23. Mai bis 28. September 2018: Mai, Juni, September: Mittwoch und Freitag und Juli, August: Mittwoch, Freitag und Sonntag;

Bilder früherer Glocknerbusse

Weblinks

Quellen

  • Presseaussendung Großglockner Hochalpenstraßen AG Juni 2014 und Jänner 2018

Fußnoten