Gropper

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Gropper war "derjenige, welcher die Aufsicht über die Packer der Fuhrwägen hat"

Einleitung

... erklärt Lorenz Hübner (* 1751; † 1807), Historiker und erster ausgewiesener Chefredakteur einer Salzburger Zeitung, in seinem Buch "Beschreibung des Erzstiftes und Reichsfürstenthums Salzburg in Hinsicht auf Topographie und Statistik.", dritter Band in einer Liste "Salzburgisches Idiotikon".

Rudi Palla wiederum schreibt in seinem Buch "Verschwundene Arbeit", Seite 62, unter

"Faßzieher" (auch Gropper) [...] in den Orten entlang der Donau und ihren Nebenflüssen zu finden. Sie hatten die angelieferten Weinfässer, aber auch solche, in denen andere Waren verpackt waren, aus den Schiffen herauszuziehen oder auf sie zu verladen.

Die Brüder Grimm schreiben hingegen in ihrem Wörterbuch[1]

gropper, m., für verschiedene vögel: der grosze gropper trynga subarquata, ein strandvogel, auch lerchenschnepfe Oken allg. naturgesch. 7, 1, 499; tringa alpina Naumann naturgesch. d. vögel 7, 426; für diese abart hat Oken 7, 1, 498 die bezeichnung gropperlein, auch bei Naumann a. a. o. gropperle; gropper bei Oken 7, 1, 448 auch für eine entenart, den braunkopf, anas glaucion; hier deutlich zu 2groppen.

Gropper in Salzburg

Im Salzburger Volksblatt in der Ausgabe vom 30. September 1876[2] inseriert die General-Direktion der Wolfsegg-Traunthaler-Kohlenwerks- und Eisenbahn-Gesellschaft für ihre Schwefelfreie Wolfsegg-Traunthaler-Kohle, sie sei stets vorräthig in dem Kohlenmagazine auf dem Bahnhofe Salzburg und kann bestellt werden in dem Magazine der Faßzieher-Innung in der Sigmund Haffnergasse (Langenhof), sowie bei deren Zahlmeister Herrn Schmidhuber in dem k. k. Hauptzollamts-Magazine auf dem Mirabellplatz.

Bereits früher scheinen Gropper (Fasszieher) auch als Torwachen in Salzburg auf. Dass die Besorgung der Torwachen bereits schon im 15. Jahrhundert den Bürgern selbst anvertraut war, dazu liefert ein altes Taidingsbuch aus dem 15. Jahrhundert Belege. So wurden 1419 die Turm- und Torwache am Stein dem Faßzieher Hanns Frischmann und dessen Frau Elisabeth, jene am Lederertor in demſelben Jahre Ortolf dem Maurer und Diemut seiner Hausfrau, und das Tränktor dem Wagenknecht des damaligen Dompropstes, dem Konrad, seiner Frau und ihren Erben brieflich verliehen.[3]

Dass Gropper und Fasszieher in Salzburg ein und dieselben sein konnten, belegt ein Auszug aus einem Salzburger Gemeinderats Protokoll aus dem Jahr 1857. Darin heißt es des Simon Baumgartner, Groppermeister, um Verleihung des - von Balthasar Kameringer zurückgelegten Faßzieher-Befugnisses.[4]

Weitere Groppermeister in Salzburg waren (Auswahl) Josef Kurz und Johann Bachinger (1884)[5] Noch 1930 findet sich ein Eintrag im Zusammenhang mit dem Tod eines Groppermeisters: der Herr Franz Schöndorfer, Groppermeister der Hauptzollamtl. Weißen Gropper-Innung Dinnebier, Leitner & Cie., im 69. Lebensjahre;[6] und 1926 ...Im St. Johannsspital starb Herr J. Kirchsteiger, Groppermeister, 70 Jahre alt.[7]

Zu jenem genannten J. Kirchsteiger gibt es noch eine Notiz aus dem Jahr 1907. Daraus geht hervor, dass Kirchsteiger den "Tag der Arbeit" - den 1. Mai - nicht so feiern wollte, wie es die Sozialdemokraten gerne gesehen hätten:[8]

Vor dem Erkenntnissenate des Landesgerichtes stand heute der Geschäftsdiener Friedrich Renner unter der Anklage der gefährlichen Drohung. Der Anklage liegt folgender Tatbestand zu Grunde. Am 1. Mai ging der Groppermeister Martin Kirchsteiger wie gewöhnlich mit den ihn unterstellten Groppern seiner Arbeit nach. Während die erwähnten Personen ihrer Beschäftigung oblagen, trat Renner an Kirchsteiger heran und forderte ihn im energischem Tone auf, die Arbeit einzustellen und den Gropperladen zu schließen, wobei er die Worte ausstieß: „Wenn die Bude nicht in einer halben Stunde gesperrt ist, schicke ich tausend Mann her, dann werden wir schon sehen, ob die Bude zugesperrt wird oder nicht!“ Dieses Benehmen Renners, der als Vertrauensmann der sozialdemokratischen Organisation die Einstellung der Arbeit in den am 1. Mai nicht feiernden Betrieben durchzuführen hatte, erweckte in Kirchsteiger die Besorgnis, daß es allenfalls zu Ruhestörungen kommen könnte, wobei weder Person noch Eigentum verschont geblieben wären, er ließ deshalb das Lokal sperren und die Arbeit einstellen. In diesem Vorgehen Renners erblickt nun die Staatsanwaltschaft das Verbrechen nach 8 98 St.-G. Renner, dem Rechtsanwalt Dr. Eisendle als Verteidiger zur Seite steht, gibt das Tatsächliche dieses Sachverhaltes zu, behauptet jedoch, Kirchsteiger mit eventuellen Ausschreitungen nicht bedroht, sondern ihn gewarnt zu haben, damit es zu keinen Ruhestörungen komme. Der Gerichtshof schenkte der Angabe des Angeklagten Glauben und sprach ihn von der Anklage frei. Das Gericht nahm zwar die Drohung als erwiesen an, jedoch sei diese nicht in einer Art erfolgt, die ein bestimmtes Uebel in Aussicht stelle, da die tausend Mann schließlich auch nur eine unschädliche Demonstration hätten durchführen können. Gegen dieses Urteil meldete Staatsanwalt von Laveran-Stiebar die Nichtigkeitsbeschwerde an.

Aus Gropper wurden Spediteure

Einer Firmenbucheintragung aus dem Jahr 1900 ist zu entnehmen:[9]

Die Firma: Hauptzollämtliche weiße Gropperinnung in Salzburg Anton Konold und Komp., Betriebsgegenstand: Speditionsgewerbe, mit dem Firmasitze in Salzburg. Eingetreten: Josef Lettner, Groppermeister in Salzburg, Franz Josefstraße 33, Franz Braumann, Groppermeister in Salzburg. Ausgetreten: Anton Konold, Groppermeister in Salzburg, Martin Kirchsteitger, Groppermeister in Salzburg. Gestorben: Johann Viertauer, Groppermeister, daher gelöscht. Vertretungsbefugt: 1. Martin Schmeißer, 2. Franz Braumann, 3. Anton Schnitzberger, 4. Josef Leitner.

Quellen

  1. „gropper, m.“, Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/21, www.woerterbuchnetz.de, abgerufen am 03.02.2021.
  2. ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 30. September 1876, Seite 8
  3. ANNO, Neue Salzburger Zeitung, Ausgabe vom 18. Jänner 1855, Seite 7
  4. ANNO, Salzburger Zeitung, Ausgabe vom 9. November 1857, Seite 3
  5. ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 21. Dezember 1884, Seite 2
  6. ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 23. April 1930, Seite 7
  7. ANNO, Salzburger Wacht, Ausgabe vom 18. Dezember 1926, Seite 2
  8. ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 27. Juni 1907, Seite 5
  9. ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 17. Jänner 1908, Seite 6