Hangendenstein-Pass

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Karte
Eisenbahn-Tunnel bei Hangendenstein vor 1914
Felsen Hangender Stein (Mitte), Rest des Felsens Hangender Stein (Mitte). Blick in Richtung Salzburg.
Ehemals k.k österreichisches Zollgebäude Hangendenstein
Hermann Reindel, 1807-1888, österr. Zollhaus am Hangendenstein vor 1851, Aquarell 14 x 10, Foto privat Zielonkowski

Der Hangendenstein-Pass stellt die Grenze zwischen dem Flachgau in St. Leonhard in Grödig und dem Berchtesgadener Land (Bayern), in Marktschellenberg dar.

Allgemeines

Er ist nicht als Pass im Sinne einer Erhöhung erkennbar. Jedoch liegt er zwischen dem Gutratberg und Kienberg (998 m ü. A.), einem kleineren Gipfel, der zum Untersbergstock gehört. Im Bereich des Hangendenstein-Passes befindet sich auch die Ableitung des Almkanals von der Königsseeache. Der Passturm stellte die dazugehörige Verteidigungsanlage dar. Bei dessen Errichtung wurde die dortige Talenge genutzt.

Geschichte

Der „Hangende Stein“ war ein Felsvorsprung an der Ostseite des Untersbergstocks, der im Tal der Königsseeache (auf bayerischem Gebiet Berchtesgadener Ache genannt) bis an den Fluss ragte und einen Talpass (Engstelle) bildete. Dieser Pass galt seit dem späten 13. Jahrhundert als Grenze zwischen dem Erzstift und der Propstei Berchtesgaden. Heute ist der Felsvorsprung bis auf einen kleinen Rest abgetragen. Dort treffen die deutsche Bundesstraße 305 ("Deutsche Alpenstraße") und die österreichische Landesstraße, die Berchtesgadener Straße (B 160), aufeinander.

Historische Grenzzeichen

Bereits 1306 wurde Berchtesgaden erstmals als „Land“ bezeichnet. Die älteste noch erhaltene Grenzmarke am Hangendenstein ist eine Marmortafel, die der Berchtesgadener Stiftspropst Gregor Rainer 1517 anbringen ließ. Die Tafel zeigt eine Kreuzigungsgruppe, das Berchtesgadener Stiftswappen (links) und das Wappen von Propst Gregor Rainer (rechts). Die Inschrift lautet: „Pax intrantibus et inhabitantibus 1517“ („Friede den Eintretenden und den Bewohnern 1517“).

Die bis zur Säkularisation 1803 selbständigen Länder Salzburg und Berchtesgaden gehörten ab 1806 zu Österreich, ab 1810 zu Bayern. Während Berchtesgaden bei Bayern blieb, kam Salzburg 1816 zum zweiten Mal an Österreich. Aus dieser Zeit stammt eine zweite Steintafel, die den heiligen Leopold zeigt. Er ist der Landespatron von Niederösterreich, früher auch von ganz Österreich, daher auch rechts der Doppeladler im Wappenschild und links ein gespaltener Schild mit halbem Bindenschild („rot-weiß-rot“) und halbem Wappenschild von Niederösterreich. Inschrift: „Opes regum corda suditorum“ („Die Schätze/Reichtümer der Könige/Regierenden sind die Herzen der Untertanen“)

Die beiden Tafeln waren ursprünglich flussseitig am Hangendenstein nebeneinander angebracht. Bei einer Grenzregulierung 1851 wurden sie vermutlich in Richtung Berchtesgaden versetzt. Heute befindet sich die Tafel mit dem hl. Leopold auf der Westseite des Hangenden-Stein-Felsens. Genau gegenüber, auf der anderen Straßenseite, ist die Tafel mit der Kreuzigung angebracht.

Salzausfuhr über den „vorderen Ausgang“

Wegen des geringen Eigenbedarfs der Fürstpropstei Berchtesgaden exportierte man etwa 90 Prozent des Berchtesgadener Salzes vorwiegend nach Salzburg und Bayern. Die vom frühen 13. Jahrhundert bis Mitte des 16. Jahrhunderts wichtigste Strecke der Salzausfuhr war der Weg durch den „vorderen Ausgang“ am Hangendenstein in Richtung Salzburg. An der Salzach in Niederalm baute man nach 1252 einen Berchtesgadener Salzstadel. Das Salz wurde dort mit Fuhrwerken aus Schellenberg angeliefert und auf Halleiner Salzschiffe geladen. Als Gegenfracht brachten die Schiffer Getreide, Wein und weitere Lebensmittel mit, die ebenfalls im Salzstadel zwischengelagert wurden.

Beginn des Almkanals

1286 wurde auf Salzburger Seite mit dem Bau eines fünf Kilometer langen Kanals bis zur Königsseeache begonnen, dem Beginn des Almkanals. Damit gelang eine für die weitere Entwicklung der Stadt Salzburg entscheidende Verbesserung der Wasserversorgung. Die dazu notwendigen Wehranlagen führten jedoch immer wieder zu Überschwemmungen, weshalb die Abzweigung um 1292 flussaufwärts zum Hangendenstein verlegt wurde, wo sie sich noch heute befindet.

Zollstellen

Am 1. Juni 1816 nahm die „k.k. Mauthstation Hangendenstein“ ihren Dienst auf. Das ehemalige österreichische Zollhaus steht 120 Meter nordöstlich des Grenzübergangs (Wehrstraße 2). Die bayerischen Zöllner waren ab 1816 im 1,3 km südlich gelegenen Marktschellenberger Passturm mit Torhaus stationiert, bis sie 1823 in das neu erbaute k.b. Zollamt unterhalb des Turms übersiedelten, welches heute noch steht. 1937 bezog der deutsche Zoll einen Neubau und 1953 wurde das neue „Inselzollamt“ Schellenberg eröffnet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war im neuen österreichischen Zollgebäude (Wehrstraße 4) das Zollamt Hangendenstein untergebracht. Mit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union 1995 fielen die Grenzkontrollen weg.

Grenzberichtigung

Im Jahr 1851 wurden an der Grenze zwischen Österreich und Bayern mehrere Korrekturen durchgeführt. Österreich erhielt dabei unter anderem „den Gebiethsteil nächst der Almwehr beim hangenden Stein, dergestalt, dass diese Almwehr nebst einem Rayon für einen Werk- und Material-Lagerplatz oberhalb derselben zum österreichischen Gebiete gehören soll.“ Die Grenze wurde etwas in Richtung Berchtesgaden zurückgenommen, die Wehranlage des Almkanals lag nun gänzlich auf österreichischem Territorium.

Eisenbahntunnel und Bahnhof

Die Bahnstrecke Berchtesgaden–Hangender Stein, auch Lokalbahn oder „Grüne Elektrische“ genannt, war eine 12,6 Kilometer lange grenzüberschreitende Nebenbahn. Die normalspurige und elektrifizierte Strecke führte von Berchtesgaden in Bayern nach Grödig in Österreich. Dort bestand im Bahnhof Hangender Stein Anschluss zur Bahnstrecke Salzburg–Hangender Stein, der sogenannten „Roten Elektrischen“. Die Bahnstrecke durchquerte den Felsvorsprung Hangender Stein mit einem 35 Meter langen Tunnel, der von 1905 bis 1907 errichtet wurde. Beim nördlichen Tunnelportal befand sich der Bahnhof Hangender Stein. 1938 stellte man den Bahnbetrieb ein. An der Stelle des Tunnels wurde ein Jahr später der Berg durchbrochen und die heutige Straßentrasse gebaut.

Die alte Straße verlief flussseitig am Felsen entlang zum alten österreichischen Zollgebäude und ist heute teilweise noch erhalten (Wehrstraße).

Bildergalerie

Weblinks

Quellen

  • Walter Brugger, Heinz Dopsch, Peter F. Kramml: Geschichte von Berchtesgaden, Band I, S. 314-328, 737-842, 1093-1097, Band III/2, S. 712
  • Albin Kühnel: Das Zollamt Schellenberg (1816 - 1994), in: Marktgemeinde Marktschellenberg (Hg.): Marktschellenberg. Aus der Geschichte der Marktgemeinde, 1998
  • Johannes Schöbinger, Übersetzung der Inschrift auf der Tafel des hl. Leopold
  • Ulrich Ziegltrum: Die elektrische Bahn Berchtesgaden – Schellenberg – Salzburg 1907 - 1938, in: Marktgemeinde Marktschellenberg (Hg.): Marktschellenberg. Aus der Geschichte der Marktgemeinde, 1998
  • Andreas Hirsch, Bad Reichenhall, Textgestaltung

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