Joseph Wibmperger

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Joseph Wibmperger war ein Salzburger Luftfahrt-Pionier.

Leben

Ab 1821 experimentierte er in Salzburg mit Ballons. Er selbst fuhr erstmals am 17. Oktober 1823 in einem Ballon mit. Er war von dieser Fahrt so begeistert, dass er daraufhin eine Luftfahrtgesellschaft gründete. Zunächst unternahm er nur in Salzburg Fahrten, später dann auch in München und auch eine in Linz, am 24. Oktober 1824. Für jene in Linz musste er allerdings ziemlich die Werbetrommeln rühren. Auszüge aus seinem Plakat:

Mit hoher Bewilligung habe ich heute (wenn die Witterung günstig und windstille ist) die Ehre, meine 5te persönliche Luftreise mittels einer großen Montgolfiere zu unternehmen. Dieser Ballon hat in seiner Höhe 60 V. Fuß, und im Zustande seiner Ausdehnung 36 Fuß zum horizontalen Durchmesser, seine Oberfläche beträgt 4 450 Fuß, faßt ferner 24 400 Kubikschuh Luft in sich und für die Steigekraft darf nach Abzug einer zu hebenden Luft von 600 Pfund eine ? [unleserlich] von wenigstens 300 Pfund als übrig bleibend angenommen werden; So daß ich die schwindelnde Höhe von 18 000 Pariser Fuß[1] zu erreichen hoffe, also um 8 000 Schuh mehr, als ich in Salzburg voriges Jahr im Oktober bey meiner zweyten Wolkenparthie, zufolge der vorgenommenen Bemessung, und dem darüber ausgestelltem Attestate des k.k. Professors der Mathematik, Hrn. Simon Stampfer über das Niveau der Salza, erreichte. Und mein gegebenes Versprechen in Hinsicht des obenangezeigten Höhepunktes zu bekräftigen, wird der k.k. Professor der Physik, Ade(a?)m Ehmel, die Gnade für mich haben, den erreichten höchsten Punkt trigonometrisch zu bemessen.

Ich bleibe 1½ Stunden in der Luft, und werde während dieser Fahrt genaue Beobachtungen mit dem Barometer, Thermometer und Hygrometer machen, so wie ich auch eine vorzügliche Aufmerksamkeit der Magnetnadel, dem Elektrometer, dann den Untersuchungen über den Schall, dem Siedepunkt des Wassers in dieser Höhe, dem Glühvermögen der Davischen Zündlampe, und der Flugkraft mehrerer mitzunehmenden Vögelgattungen, zu widmen gesonnen bin. - Eine Viertelstunde vor meiner Auffahrt wird (da es das Terrain dieser Gegend unumgänglich nothwendig macht) ein großer Vorläufer Ball als Vorbothe den Weg des Windstriches auskundschaften.

Ich geben dem hohen und verehrungswürdigen Publikum als ehrlichen Mann die Versicherung, daß Jedermann sein Eintrittsgeld zurückerhalten wird, wenn ich in meinem Unternehmen, durch das geringste mir zur Last fallende Versehen, nicht die vollste Zufriedenheit der mich beehrenden Zuseher erringen sollte. − Ich schmeichle mir daher von dem hohen und verehrungswürdigen Publikum eines zahlreichen gütigen Besuchs bey meinem kostspieligen Unternehmen, dann wird ein leises, nicht gehörtes, aber desto herzlicher gemeintes Lebehoch! aus jenen ätherischen Höhen, den edlen Bewohnern dieser Stadt gebracht, die Gefühle meiner innigsten Hochachtung und meines Dankes ausdrücken.

Gehorsamster Joseph Wibmperger, Luftschiffer

Preise der Plätze: Erster Cirkus 1 fl 30 kr, Zweyter Circus 1 fl, Dritter zum Stehen 30 kr Einl. Sch., Kinder zahlen die Hälfte

Der Schauplatz ist auf dem Exerzierplatz in der Harrach.

Am 16. April 1902 stiegen Erzherzog Leopold Salvator und Hauptmann Franz Hinterstoißer in einem Ballon der vom ihm gegründeten Luftfahrtgesellschaft beim städtischen Gaswerk in die Luft.

Fußnoten

  1. 1 Pariser Fuß = 30,48 cm --> 5 486 Meter

Quelle

  • Österreichs Luftfahrzeuge, Geschichte der Luftfahrt von den Anfängen bis Ende 1918, von Reinhard Keimel, Herbert Weishaupt Verlag Graz, 1981, ISBN 3-900310-03-3, Seite 11 und 13