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Als Krebse werden verschiedene Gruppen aus dem Unterstamm der Krebstiere bezeichnet, die ihrerseits zum Stamm der Gliederfüßer gehören und, mit anderen Gliederfüßern oberflächlich verglichen, mehr Beine als Insekten (sechs Beine) und Spinnentiere (acht Beine) haben, aber wesentlich weniger als die Tausendfüßer.

Edelkrebs
Galizischer Sumpfkrebs
Italienischer Dohlenkrebs
Steinkrebs
Signalkrebs (weiblich)
Kamberkrebs (männlich)
Roter Amerikanischer Sumpfkrebs

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

  • Am geläufigsten sind unter den Krebstieren etliche Angehörige der Klasse der Höheren Krebse (Malacostraca), die in drei Unterklassen mit insgesamt 16 Ordnungen unterteilt wird, darunter insbesondere
  • die Ordnung der Zehnfußkrebse (Decapoda) mit unter anderem den Infra- bzw. Teilordnungen der
    • Mittelkrebse (Anomura; Einsiedlerkrebse und Porzellankrebse)
    • Großkrebse (Astacidea; Flusskrebse und Hummerartige) und
    • Krabben (Brachyura), aber z. B. auch
  • die Ordnung der Asseln (Isopoda).

Die hier interessierenden Flusskrebse unterteilen sich in folgende Familien:

  • Europäische Flusskrebse (Astacidae) mit den Arten
    • Edelkrebs (Astacus astacus),
    • Galizischer Sumpfkrebs (Astacus leptodactylus),
    • Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes)
      mit der Unterart? Italienischer Dohlenkrebs (Austropotamobius italicus)
    • Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) und
    • Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus);
  • Neuweltliche Flusskrebse (Cambaridae) mit den Arten
    • Gestreifter Zwergflusskrebs (Cambarellus patzcuarensis),
    • Kamberkrebs (Orconectes limosus),
    • Kalikokrebs (Orconectes immunis),
    • Roter Amerikanischer Sumpfkrebs (Procambarus clarkii),
    • Marmorkrebs (Procambarus spp.) und
    • Blauer Floridakrebs (Procambarus alleni).

Für Ernährungszwecke verwendete Krebstiere werden als „Krustentiere“ bezeichnet.

Krebse in Salzburger Gewässern

Überblick

Im Bundesland Salzburg gibt es

  • zwei Arten heimischer (autochthoner) Flusskrebse: Edelkrebs und Steinkrebs;
  • drei Arten landesfremder (allochthoner) Krebse: (Galizischer) Sumpfkrebs, Signalkrebs und Kamberkrebs.

Berichte über Vorkommen und wirtschaftliche Nutzung des Edelkrebses in Salzburg reichen bis in das 15. Jahrhundert zurück. Am Salzburger Fürstenhof waren die Krebse als Speise hoch geschätzt.

Nachdem um 1900 in Mitteleuropa mit nordamerikanischen Krebsen die Krebspest eingeschleppt worden war, fiel der äußerst ansteckenden Krankheit bis in die 1950er-Jahre der Großteil der einheimischen Krebsbestände zum Opfer; zu deren Rückgang trugen aber insbesondere auch Gewässerverbauung und -verschmutzung bei. Die entstandene ökologische Lücke wurde durch die Einbürgerung fremder Krebsarten gefüllt. Insbesondere wurde in Salzburg erstmals in den Jahren 1970/71 der amerikanische Signalkrebs aus der Sierra Nevada eingeführt und unter anderem in Teiche in Hinterthal (Pinzgau) und in den Fuschlsee eingesetzt. Außerdem wurden der Kamberkrebs und der aus Osteuropa stammende Sumpfkrebs in einige Salzburger Gewässer eingesetzt.

In den Jahren 2002 und 2003 wurden im Auftrag des Amtes der Salzburger Landesregierung die Flusskrebsbestände des ganzen Landes kartiert, wobei die Fundorte punktgenau und datenbankmäßig erfasst wurden.

Überlebenskampf im Teich

Heimisch in unseren Gewässern: der Flusskrebs. 30 Millionen Jahre war dieser Satz gültig. Auf alten Bildern war der „Ritter der Gewässer“ ein unverzichtbares Detail. Nicht nur aufgrund seiner attraktiven, im buchstäblichen Sinne krebsroten Farbe.

Tatsächlich hatte der Krebs in vergangenen Jahrhunderten in unserer Gewässerfauna eine heute kaum mehr vorstellbare Bedeutung – auch als willkommene Bereicherung des mittelalterlichen Speisezettels: Als Fastenspeise lieferte er wertvolles Eiweiß. Deshalb waren auch die Klöster die ersten, die diese Krustentiere gezielt züchteten.

Flusskrebse wurden zu einem Volksnahrungsmittel. Noch im 19. Jahrhundert verspeisten die Bewohner von Paris jährlich bis zu zehn Millionen dieser Tiere. Auch aus dem Salzburger Raum ist eine historische Zahl überliefert: Um 1760 wurden jährlich 14.000 Stück aus dem Zeller See an den Erzbischof von Salzburg geliefert.

Es war nämlich sehr einfach, die Krebse zu erwischen. Zum einen gab es so viele Tiere, dass es kein Problem war, sie mit der bloßen Hand zu fangen. Zum anderen war auch der Besatz ein Kinderspiel. Einfach aus einem Teich ein paar Tiere holen und in einen anderen Teich werfen – den Rest erledigte die Natur selbst.

In seiner Haltung ist der Krebs absolut anspruchslos. Er frisst praktisch alles – im Zweifelsfall sogar Artgenossen –, aber in erster Linie pflanzliche und tierische Bestandteile des Wassers in jeder Form, auch totes Gewebe. Somit kommt ihm in ökologischer Hinsicht eine wichtige Funktion als Gewässerpolizist zu.

Die über Jahrhunderte bestehende zoologisch-ökonomisch-kulinarische Idylle wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts empfindlich gestört. Von Italien ausgehend breitete sich unter den Tieren eine geheimnisvolle Krankheit über ganz Europa aus, die bald die zu Recht dramatische Bezeichnung „Krebspest“ bekam. Die Ursache war ein kleiner Spulenpilz. Er setzte sich auf den Tieren fest und führte innerhalb weniger Tage ihren Tod herbei. Aber woher kam dieser Pilz so plötzlich? Es stellte sich heraus, dass er mit Krebsarten eingeschleppt worden war, die ihren Ursprung auf dem amerikanischen Kontinent hatten und offenbar vom Menschen nach Europa gebracht worden waren.

Das Teuflische an dem Pilz und seinen Trägertieren ist freilich, dass die Eindringlinge selbst gegen die Krankheit immun sind. Weshalb es in unseren Gewässern zu einem höchst dramatischen Verdrängungswettbewerb mit ungleichen Waffen kommt: Wann immer irgendwo in einem Gewässer ein „Alien“ sitzt, haben aufgrund seiner „biologischen Kriegsführung“ einheimische Arten keine Chance mehr, ein qualvoller Tod ereilt sie innerhalb von. wenigen Tagen.

Damit wird deutlich, dass es nicht den Flusskrebs in unseren Gewässern gibt, sondern verschiedene Arten – die sich eben in (ursprünglich) einheimische und ausländische unterteilen lassen. Die einheimischen Arten sind etwa Steinkrebs, Edelkrebs, (in Kärnten heimisch:) Dohlenkrebs und in einem erweiterten europäischen Sinne der Galizier, der, worauf sein Name verweist, ursprünglich aus Osteuropa und der Türkei kommt. Die „Amerikaner“, die mittlerweile in Europa in den verschiedensten Regionen vorkommen, sind der Signalkrebs, der Kamberkrebs und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs.

In freier Natur begegnet man am ehesten der kleinsten heimischen Krebsart, dem Steinkrebs, der bis zu zehn Zentimeter groß werden kann. Er kommt in klaren, kalten Gebirgsbächen. vor, wo er sich unter Steinen gut verstecken kann.

Der größte heimische Krebs – und der wirtschaftlich wichtigste – ist der Edelkrebs (Astacus astacus), der bis zu 20 Zentimeter groß und 20 Jahre alt werden kann. Dieses Alter erreichte er aber nur selten, denn er war eben über Jahrhunderte beliebt, bei unseren Köchen. Da der Krebs ein Außenskelett besitzt und nicht leicht getötet werden kann, ist das Einwerfen kopfüber in sprudelnd kochendes Wasser die schnellste (und auch einzige) Tötungsmethode – damit wird schlagartig das gesamte Nervensystem ausgeschaltet.

Aus unseren Küchen ist der Edelkrebs mittlerweile weitgehend verschwunden. Wenn sich heute Krebse auf der Speisekarte finden (wie zum Beispiel in einem schwedischen Möbelhaus, das alljährlich das skandinavische Krebsfest feiert), sind es wahrscheinlich Signalkrebse. Diese meistverbreitete Art der „Aliens“ wurde – trotz geringerer kulinarischer Qualität – zwangsläufig zum am meisten genutzten Speisekrebs. Oder es handelt sich überhaupt um Billigimporte aus China, die als bereits ausgelöste Krebsschwänze in den Handel kommen.

Seit Jahren kämpft eine kleine Gruppe von Züchtern und Naturschützern einen harten – und möglicherweise schon verlorenen – Kampf darum, den ursprünglich hier beheimateten Arten ein Überleben zu sichern. Der wahre Feind ist eben mikroskopisch klein, und er kann überall sein: Die Krebspest wird nicht nur über die Tiere selbst übertragen, sondern kann auch durch Fische, Vögel, Biber und Fischotter verbreitet werden – oder durch den Menschen, etwa durch Gummistiefel oder Angelschnüre.

In jüngster Zeit droht den einheimischen Krebsarten neue Gefahr: In den Hobbyaquarien tauchen zunehmend exotische Krebse auf, die von den Aquaristikern wegen ihrer schillernden Farben begeistert eingesetzt und unkontrolliert und hemmungslos importiert werden. Die Freude an den exotischen Tieren hält freilich oft nur kurze Zeit an: Krebse haben die Eigenart, ihr neues Heim nach ihren eigenen Vorstellungen umzugestalten, wodurch vor allem meist die liebevoll eingesetzten Wasserpflanzen daran glauben müssen.

Dies führt häufig dazu, dass die Exoten in heimischen Gewässern ausgesetzt werden – wie etwa in der Geschichte, die eine Funktionärin des Salzburger Fischereiverbands erzählt hat, ein Krebs aus dem Iran: Eine Hausfrau, die ihn erworben hatte, um ihn zu kochen, aber nicht töten konnte, fuhr bis ins idyllische Bluntautal bei Golling, um ihn freizulassen. Das fatale Resultat der guten Tat ist ein Beitrag zum neuerlichen ökologischen Desaster – da der Einwanderer natürlich auch Träger des Pesterregers ist.

Sonstiges

Krebse unterliegen dem Salzburger Fischereirecht; den heimischen Krebsen kommen dessen Schonungsbestimmungen zugute.

Quellen

Weiterführend

Für Informationen zu Krebse, die über den Bezug zu Salzburg hinausgehen, siehe zum Beispiel den Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum selben Thema