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Biber in den USA
Biber in der Stadt Salzburg
Biberburg in Haid, Saalfelden
Biberdamm in Haid, Saalfelden
Biberwerk an der Saalach in Maishofen
Bibernagespuren, Saalach, Maishofen
"Biberarbeit" am Altbach im Wenger Moor

Der Europäische Biber (Castor fiber), ein einst auch in Salzburg und im Nationalpark Hohe Tauern heimisches Nagetier, macht – heute wieder eingebürgert und streng geschützt – wieder von sich reden.

Inhaltsverzeichnis

Zuordnung

Der Europäische Biber zählte einst auch zu den Tieren im Nationalpark Hohe Tauern. Er gehört zur Gattung Biber aus der Ordnung der Nagetiere. Er ist ein naher Verwandter des Kanadischen Bibers und wurde daher früher wie der Kanadische Biber auch als Unterart nur einer biologischen Art angesehen. Dagegen spricht, dass der Europäische Biber 48 Chromosomen hat, der Kanadische jedoch nur 40. Der Europäische Biber ist mit einer Körperlänge von 60 bis 80 cm etwas kleiner als sein nordamerikanischer Verwandter und weist auch noch weitere morphologische Unterschiede auf.

Lebensraum

Biber gestalten ihren Lebensraum aktiv. Neben Erdbauten legen sie Zweig-Uferburgen und Wasserburgen an. Sie regulieren den Wasserstand ihrer Wohngewässer mittels Dammbauten.

Der europäische Biber war bereits bis auf Restpopulationen ausgerottet. Heute findet er sich durch erfolgreiche Wiedereinbürgerungsversuche und strenge Schutzmaßnahmen vor allem in Süddeutschland an vielen Stellen wieder und zeigt sich auch im angrenzenden Oberösterreich und Salzburg, wo er durch seine unleugbaren Lebenszeichen an der Salzach Stadtpolitikern und Salzachkraftwerksbauern im Jahr 2010 die Sorgenfalten auf die Stirn trieb, bis er aus ungeklärten Gründen nach unbekannt "verzog".

Spuren

Biber hinterlassen nicht nur Tritt- und Fraßspuren, ihre Lebensart manifestiert sich am sichtbarsten durch die von ihnen errichteten Dämme.

Trittspur

Spuren von Vorderpfoten der Biber sind ca. fünf Zentimeter lang und vier Zentimeter breit. Biber haben an den Vorderpfoten fünf Zehen und lange spitze Krallen, die sich am Untergrund abdrücken. Der Hinterfuß ist mit zehn bis 15 cm Länge wesentlich größer als die Vorderpfote und weist ebenfalls fünf Zehen auf, die mit kurzen Krallen besetzt sind. Die Zehen sind an der Spitze mit einer festen Schwimmhaut miteinander verbunden. Die Hinterpfote drückt sich mit allen fünf Zehen und den darauf befindlichen Krallen im Boden ab.

Fraßspur

Noch stehende oder schon umgestürzte Bäume weisen in ca. 0,5 m Stammhöhe Zahnspuren von etwa acht Millimeter Breite auf. Dicke Stämme werden rundum benagt. Bei diesen von Bibern benagten Bäumen befinden sich rund um den Stammfuß zahlreiche Holzspäne mit ca. vier Zentimeter Breite und zehn Zentimeter Länge.

Damm

Biber errichten ihre Dämme in Form fester Querverbauungen in Fließgewässern. Das Baumaterial besteht aus miteinander verflochtenen Ästen, die Nagespuren aufweisen, aus anderem Pflanzenmaterial und aus Schlamm. Solche Dämme sind bis zu einem Meter hoch und 0,8 m breit. Biber sind keine nomadisierenden Tiere, denen Flüsse wie die Salzach oder die Donau zu groß sind. Sie sind in Flussauen mit Altwässern, in kleineren Fließgewässern, in Auwäldern oder Ufergehölzen auch großer Flüsse und zum Teil auch in fließgewässernahen Baggerseen zu finden.

Tendenz

Was von Journalisten halbernst „Verschwörung der Biber“ genannt wurde, ist der Umstand, dass sich die wenigen in dicht verbauten Gegenden wieder heimisch gewordenen Biber mit der ihnen eigenen Vorliebe für Reviere an Bach- und Flussläufen u. a. auch dort niederlassen, wo der Mensch gerne seine eigenen Werke errichten würde, als da sind: Kraftwerke, Brücken, u.a.m.

Biber sind aber streng geschützt. Ihre Baue und deren Umfeld müssen daher respektiert werden und zwingen uns dadurch zu differenzierten Interessensabwägungen und Auseinandersetzungen über die von uns gewollte Beschaffenheit unserer Welt.

1869 wurde der letzte Biber Österreichs in der Antheringer Au abgeschossen. Über 100 Jahre war das Bundesland Salzburg "biberfrei". 1983 wurde ein Biberpaar vom Naturschutzbund in der Weitwörther Au angesiedelt und seit 1994 wird die Entwicklung der Biber-Population systematisch beobachtet. 2009 und 2010 waren Biber im Raum Salzburg-Lehen, in der Antheringer Au an der Salzach und im Gebiet des Urstein-Stausees/Königsseeache immer wieder zu bemerken. Erfreulicherweise gab es im Jahr 2012 wieder rund 80 Tiere. Im Frühjahr 2013 schätzt die Biberexpertin Karin Widerin den Bestand bereits auf 110 bis 130 Tiere, alles Abkömmlinge zweier Paare, von denen eines im Jahr 1977 und das zweite im Jahr 1983 an der Grenze zu Oberösterreich bzw. in der Antheringer Au angesiedelt wurde. Als kleine Sensation wird gewertet, dass im Sommer 2012 ein Biber in Uttendorf gesichtet wurde. Ober er den Winter 2012/2013 überlebt hat, wird sich weisen. Im Pinzgau gibt es abgesehen davon bereits eine kleine ortsansässige Biber-Population (siehe Biber im Pinzgau).

Im Juli 2013, als ein Biber unübersehbar einen Karottenacker in Wals als Nahrungsquelle benutzte, wurde der Bestand von Hannes Augustin auf rund 150 Tiere geschätzt.

Anfang des Jahres 2015 bestanden sieben bis acht Biberreviere im Pinzgau. Sie befanden sich mit einer Ausnahme an der Saalach zwischen Unken und Maishofen. Im Juni des Jahres 2016 schätzte man die Anzahl der Pinzgauer Biberreviere bereits auf zwölf bis 15. Man glaubt, dass ein Biber über den Zeller See in den Oberpinzgau vorgedrungen ist. Er hinterließ bei Uttendorf seine Spuren. Auch die 2015 wegen Renovierungsarbeiten notwendige Entleerung des Saalachstausees in Bad Reichenhall könnte für einige Biber Anlass zur Zuwanderung in den Pinzgau gewesen sein.

Biber und die Fischtreppe beim Kraftwerk Sohlstufe Lehen

Einst war die Anwesenheit eines Bibers beinahe zum Stolperstein für den Kraftwerksbau an der Sohlstufe Lehen geworden. Jetzt staunten die Manager der Salzburg AG nicht schlecht: nicht nur 18 Fischarten nutzten bisher die neu errichtete Fischtreppe und können so erstmals seit 1960 (!) die Salzach diesseits und jenseits der Sohlstufe als Lebensraum nutzen, auch ein Biber ist in den Aufnahmen der Fotofalle zu sehen. Ein Nachfolger des einst wegen des Kraftwerkbaues abgesiedelten Bibers erkundet entweder das Terrain oberhalb und unterhalb des Kraftwerkes oder ist auf der Suche nach einem eigenen Revier.

Bilder

  Biber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Quellen

  • SN vom 18. Mai 2010, Lokalteil, S. 4 – 5, sowie v. 11. April 2012, Lokalteil, S. 17, Tanja Warter, "80 Biber nagen sich durch".
  • Klaus Richarz, „Tierspuren“, Ulmer Naturführer, Stuttgart 2006
  • Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Europäischer Biber"
  • Salzburger Nachrichten, 11. März 2013, Lokalteil, S. 6 - 7
  • Salzburger Nachrichten, 11. und 12. März 2013
  • SN, Lokalteil, S. 8, 2015-11-14, Berthold Schmid, Biber nutzt die Fischtreppe
  • Anton Kaindl, Biber verbreiten sich im Pinzgau, Salzburger Nachrichten, 8. Juni 2016, Lokalteil, S. 6-7.