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Putsch von Lamprechtshausen

Der Putsch von Lamprechtshausen fand am 27. Juli 1934 beim Juliputsch statt, einem Putschversuch der Nationalsozialisten, der am 25. Juli 1934 begonnen hatte, wobei die Machtübernahme der Aufständischen scheiterte. Lamprechtshausen stand im Bundesland Salzburg im Brennpunkt. Ein Beitrag von Franz Taferner in den Salzburger Nachrichten[1].

Inhaltsverzeichnis

Es gab acht Tote bei der Befreiungsaktion durch Bundesheer und Gendarmerie

In Seekirchen am Wallersee wurde der Putschversuch ebenfalls vereitelt. Drei nationalsozialistische Aufständische kamen ums Leben, ein Sturmschärler wurde von den SA-Leuten erschossen. Sechs Gendarmen und Heimwehrmänner wurden bei dieser Aktion schwer verletzt. Nachdem der Putsch in Kärnten und der Steiermark praktisch gescheitert war, erging an alle Ortsgruppen der SA der Befehl, die Umsturzpläne fallen zu lassen und sich zurückzuziehen. Diese Nachricht aber drang nicht bis nach Lamprechtshausen vor, wo die örtliche SA unter Führung von Gregor Gruber am frühen Abend des 27. Juli zuschlug: Bahnhof und Postamt wurden besetzt, der Gendarmerieposten ausgehoben. Im Postamt wurde die Telefonverbindung gekappt – eine verhängnisvolle Tat, weil die Lamprechtshausener Putschisten nun auch von der eigenen Organisation abgeschnitten waren.

Die festgenommenen Gendarmen und Heimwehr-Angehörigen leisteten keinen Widerstand. Sie wurden im ersten Stock des Gasthauses Stadler festgesetzt. Auf der Straße setzte die SA Posten zur Sicherung aus. Schutzkorps und außerörtliche Gendarmerie versuchten eine Stunde nach dem Überfall, Lamprechtshausen zu befreien. Sie wurden von SA-Männern beschossen. Es gab erste Verwundete.

Nun wurde das Bundesheer zu Hilfe gerufen. Hauptmann Franz Rosenkranz vom Erzherzog-Rainer-Regiment bekam von Oberst Josef Stochmal den Befehl, mit seiner Kompanie in Lamprechtshausen einzurücken. Als Verstärkung wurde ihm eine Maschinengewehrkompanie unterstellt. Um 05:15 Uhr erreichte Rosenkranz mit seinen Soldaten den Ortsrand. Was dort geschah, darüber gehen die Aussagen bis heute auseinander. Die offizielle Version lautet, dass der Hauptmann des Bundesheers zwei Mal Unterhändler entsandt habe, die aber umgehend von den SA-Leuten beschossen worden seien. Beteiligte SA-Männer bestritten das später heftig.

Jedenfalls gab Franz Rosenkranz nun den Befehl zum Angriff. Die Soldaten umstellten das Gebäude, der Gasthof wurde gestürmt. Im regelrechten Nahkampf starben acht Menschen – sechs aufseiten der SA-Leute sowie mit dem Bad Hofgasteiner Josef Gassner und Viktor Mayr aus Reifnitz auch zwei Soldaten. Beide starben nach Bauchschüssen.

Um 9 Uhr meldete Hauptmann Rosenkranz die Aktion von Bundesheer, Gendarmerie und Schutzkorps als erfolgreich beendet. Nun wurde der Ort durchkämmt, wobei mehrere Nationalsozialisten aufgegriffen, teils auch angeschossen wurden. Mit rund 30 Gefangenen rückten Bundesheer und Gendarmerie wieder nach Salzburg ab.

28 Putschisten wurden später zu fünf bis 18 Jahren Haft verurteilt. Bei der sogenannten Juliamnestie 1936 wurden sie aber alle wieder freigelassen. Die Machtübernahme Hitlers 1938 hatte später für die Spitzen der Aktion gegen den SA-Putsch in Lamprechtshausen schwere Folgen: Hauptmann Franz Rosenkranz und General Josef Stochmal wurden angeklagt. Der Staatsanwalt forderte für beide die Todesstrafe. Das Gericht verurteilte sie zu sechs und acht Jahren Kerker. Das Urteil war nicht rechtskräftig, trotzdem wurde Rosenkranz als „Ehrenhäftling“ in das Konzentrationslager Sachsenhausen/Oranienburg gebracht, wo er 1945 – nur zwei Tage vor der Befreiung durch die Alliierten – offenbar im Rahmen eines „Todesmarsches“ durch Genickschuss außerhalb des Lagers ermordet wurde.

Der nach dem Anschluss ins KZ Dachau deportierte Richter des Prozesses gegen die Lamprechtshausener Putschisten, Johann Langer, beging dort am 12. Oktober 1938 Selbstmord.

Literatur

Andreas Maislinger, Der Putsch von Lamprechtshausen - Zeugen des Juli 1934 berichten. Eigenverlag, Innsbruck 1992.

Quelle

Einzelnachweis

  1. Ausgabe 21. Juli 2014: ... vor 80 Jahren