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Roma ist die Sammelbezeichnung für vermutlich aus dem indischen Raum stammende Bevölkerungsgruppen, die etwa ab dem 12. Jahrhundert über Vorderasien nach Europa migriert sind. Die Präsenz von Roma in Mitteleuropa kann seit dem Ende des 14. Jahrhunderts nachgewiesen werden.

Inhaltsverzeichnis

Bezeichnungen

Bekannt sind die Bezeichnungen Roma und Sinti, wobei Sinti für eine Untergruppe steht, die in Mittel- und Westeuropa und im nördlichen Italien zu Hause ist[1]. Darüber hinaus haben sie die Namen fahrendes Volk und Zigeuner, letzteres eine seit dem 15. Jahrhundert im deutschen Sprachraum belegte Bezeichnung für Roma.

Hauptsiedlungsgebiete

In Europa leben rund zehn Millionen Roma, die über den gesamten Kontinent verteilt sind. Die größten Gemeinschaften der Roma leben in Südosteuropa, Ostmitteleuropa, Südwesteuropa und Russland. Außerhalb Europas weisen Brasilien, die USA und die Türkei nennenswerte Roma-Minderheiten auf. Heutzutage pflegt der Großteil der Roma einen sesshaften Lebensstil, nur mehr ein geringer Anteil der Roma lebt nomadenhaft oder saisonal wandernd.

2010: Massenausweisungen von Roma aus europäischen Staaten

2010 kam es in einigen europäischen Staaten zu rein rechtlich gesehen legalen, jedoch moralisch fragwürdigen Massenausweisungen von Roma-Familien. Dazu gibt es EU-Richtlinien, die besagen, dass, wer sich länger als drei Monate im EU-Ausland aufhält[2], Arbeit oder Einkommen zum Unterhalt sowie eine Krankenversicherung nachweisen können muss. Ansonsten kann er oder sie aus Gründen des öffentlichen Interesses sowie der öffentlichen Sicherheit abgeschoben werden. Dabei muss jeder Einzelfall geprüft und begründet werden. Pauschale Abschiebungen ganzer Gruppen sind nicht möglich.

Diese kann-Bestimmung machte sich der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy zu Nutze und wies bis September 2010 rund 8 000 Roma aus. Dann setzte im September eine Welle der Empörung in Europa ein. EU-Justizkommissarin Vivianne Reding fand völlig ungewohnte harte Worte für dieses Vorgehen.

Auch Italien unter Ministerpräsident Berlusconi hatte schon 2008 Dutzende illegale Siedlungen an der Peripherie der Städte Mailand, Rom und Neapel schleifen lassen. Für den Herbst 2010 überlegte der Bürgermeister von Rom, Gianni Alemanno, die Zerstörung weiterer 200 illegaler Siedlungen.

In den als eher tolerant geltenden skandinavischen Ländern ließ Dänemark in der Hauptstadt Kopenhagen 40 aus Rumänien und Bulgarien stammende EU-Bürger ausweisen. Slowenien, das gemeinsam mit Österreich oder Spanien zu den europäischen Vorzeigeländern bei der Roma-Integration zählt, verfrachtete 2006 eine 30-köpfige Roma-Familie aus Ambrus (Unterkrain) in ein Ausländerheim. Eine 500 Meter lange Mauer trennt im Vorort der ostslowakischen Stadt Michalovce die Bürger von einer Roma-Siedlung.

Die Geschichte der Roma in Österreich

Ab 1417 durchzogen Roma Europa, geführt von einem Zigeuneradel und die religiöse Stimmung der Zeit als wandernde Büßer und Pilgerschaft ausnützend. Ein angeblich von König Sigismund im Jahr 1423 ausgestellter Geleitbrief schützte die Roma, bis 1498 beim Reichstag von Freiburg dieser endgültig als Fälschung für ungültig erklärt und die Vogelfreiheit über diese Gruppe ausgesprochen wurde.

Im süddeutschen Raum, somit auch in Bayern, traten Roma erstmals 1417 auf, verschwanden aber Mitte des Jahrhunderts spurlos. Zu Beginn der Türkeneinfälle bei Wien 1529 brachte man die Zigeuner mit dem Auftauchen der Türken in Verbindung und erneuerte ihre Vogelfreiheit. Später, als die Türken abermals anstürmten, nahm man aber dankbar ihre Späherfähigkeiten in Dienst, diesmal gegen die Türken. Im Dreißigjährigen Krieg durften sie als bewaffnete Söldner in den Krieg ziehen. Dieser Toleranz standen aber immer wieder harte Drohungen dagegen: Es war strengstens untersagt, Zigeunern Unterkunft zu geben, jeder Handel mit ihnen war verboten und es gab eine Reihe kriminalisierender Unterstellungen. So wurde bereits das bloße Auftauchen von Zigeunern als Rechtsbruch betrachtet, der zu exemplarischen Maßnahmen führte. "Zigeunerstöcke" vor den Toren von Städten warnten diese vor dem Betreten der Stadt. "Zigeunertafeln", auch Rumortafeln genannt, hatten denselben Zweck. Mit Androhung brutaler Leibes- und Lebensstrafen wollte man die Zigeunerplage beseitigen.

Zu einem Höhepunkt der Zigeunerverfolgung kam es in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Auslöser waren das Aufeinandertreffen von zum Teil in weltlichen, zum Teil in religiösen Vorstellungen wurzelnden Vorurteilen und der inzwischen perfektionierten Maßnahmen des neuzeitlichen Polizeistaates. Gleichzeitig begannen Mitte des 18. Jahrhunderts Bestrebungen, dieses Volk sesshaft zu machen. König Maria Theresia erklärte per Hofdekret von 1762 die in Österreich vagabundierenden Zigeuner für ehrlich. Es wurde den Roma verboten, Pferde und Kutschen zu besitzen, um ihre Mobilität einzuschränken. Sie erhielten Baugrund, für den sie Abgaben zu leisten hatten. Niemand durfte die Dörfer ohne Genehmigung und genauer Angabe, wohin sie gingen, verlassen. Sie wurden gezwungen, einheimische Kleidung zu tragen. Alle Maßnahmen hatten die Dorfrichter genauestens zu kontrollieren. Auch ihre Namen mussten sie ändern. Meist bekamen sie als Nachnamen Neubauer, Neubürger, Neusiedler oder Neuungar. Heiraten zwischen Roma wurden ebenfalls verboten, die Ehen mit Nichtroma, so genannte Gadsche, wurden aber gefördert. Besonders brutal zeigte sich die König was die Kinder der Roma anbelangte: alle Kinder über fünf Jahren wurden ihnen weggenommen, um von Nichtroma-Familien erzogen zu werden.

Auch nach dem Tod von Joseph II. änderte sich nichts an der Unterdrückung der Roma. Der Gebrauch ihrer Sprache, Romanes, der schon unter Joseph II. bei 24 Stockhieben verboten war, blieb untersagt.

Roma in der Geschichte Salzburgs

Dokumenten aus früheren Zeiträumen kann man kaum etwas über die später unter der Bezeichnung Zigeuner aufscheinenden Roma finden. Mit dem Einsetzen der zigeunerfeindlichen deutschen Gesetzgebung auf mehreren Reichstagen Ende des 15. Jahrhunderts änderte sich dies. Die erste feststellbare zigeunerrechtliche Norm findet sich 1526 in der Salzburger Landesordnung. Inhaltlich kommen die bereits seit längerem bekannten Ängste zu Tage: Zigeuner seien vill speher khundschaffter und Erfarern der Cristenlichait, Rauber...; 1529, als die Türken vor den Toren Wiens standen, fand man eine Bestätigung in der Vermutung, dass Zigeuner "Späher" wären (obwohl natürlich auch dies wieder nur Vermutungen waren). Weiters liest man in der Verordnung von 1526 "...Demnach sollen sy sich aus unnserm Lanndt und Stift thuen, Sich der Eussern und darin nit mehr finden lassen..., also das Territorium des Erzstifts verlassen.

Dann fehlen aber wieder Hinweise, ob diese Verordnung auch angewendet wurde. Erst mit dem Einsetzen des Weistumrechts (Salzburger Weistum) gegen Ende des 16. Jahrhunderts wird festgehalten, dass man auch tatsächlich Maßnahmen gegen Zigeuner ergriff. Im Ehehaft- oder Landtaiding (siehe Taiding) der fünf Stäbe im Pongau, das in einer Papierschrift des 17. Jahrhunderts überliefert ist, findet sich ein Abschnitt über Ge- und Verbote über die Zigeuner. Sinngemäß: die Bevölkerung musste vagierende Zigeuner der Obrigkeit melden. Recht umfangreich dann die erhaltene Landesrügung des Pfleggerichts Glanegg, die gleich mehrmals auf Zigeuner eingeht.

Fürsterzbischof Johann Jakob Kuen von Belasy mahnte wiederholt gegen Ende des 16. Jahrhunderts die Pfleger in Mattsee, die Normen des Zigeunerrechts zu vollziehen und regelmäßig Bericht zu erstatten. Ein Bericht vom 18. August 1569 berichtet beispielsweise "...daß sich in unsern gericht, deiner verwaltung, die Zigeiner hauffenweiß soll. umbziehen...". Eine neuerliche Mahnung des Erzbischofs ist vom 13. Oktober 1577 überliefert. Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun und Hohenstein mahnte 1662 seine Generäle abermals ab, weil sie zu nachsichtig bei ...Außrott- und Vertilgung der Zigeuner sampt deren Anhängern... vorgehen. Belege über vier Patrouillengänge im Bereich des Pfleggerichts Lichtenberg (Saalfelden) aus dem Jahr 1669 belegen, dass Schützen Zigeuner und vagiernde Landsknechthaufen observierten.

Erstmals in der Geschichte des Salzburger Erzstifts wird mit einem Dokument vom 17. März 1706 die Vogelfreiheit der Zigeuner erklärt. 1716 erneuert Fürsterzbischof Franz Anton Fürst Harrach seine eigene General-Verordnung und bekräftigt gleichzeitig die (eine neuerliche) Vogelfreiheit von 1712.

Roma in der jüngeren Zeit

Das Zigeunerlager Maxglan war ein Zwangslager der Nationalsozialisten für Sinti in Salzburg. Es befand sich in Widerspruch zu seinem Namen Maxglan im Stadtteil Leopoldskroner Moos und bestand zwischen Herbst 1940 und April 1943.

Schon immer waren Roma auch im Salzburger Land unterwegs. Früher als Hausierer oder Handwerker, zu nennen seien hier die Roma als Scherenschleifer und Kesselflicker, in den letzten Jahrzehnten tauchten sie als Clan jeweils gemeinsam auf, blieben einige Wochen und zogen dann weiter. Dazu konnten sie beispielsweise am Park & Ride Salzburg Süd wohnen gegen Entrichtung von Gebühren für Wasser, Strom und Abfall.

Aufregung gab es um eine Hochzeit im Juni 2010, die in Puch-Urstein auf dem seit Jahren größtenteils brach liegenden Gewerbegrund stattfand. Anrainer beschwerten sich über die ihrer Meinung nach zu laute Musik[3] beim Bürgermeister Helmut Klose. Dieser wollte allen Ernstes, nachdem die Polizei keinen grundsätzlichen Handlungsbedarf sah,[4] die friedlich feiernde Gemeinde mit Gülle vertreiben. Letztendlich blieb es bei dieser öffentlichen Absichtsbekundung.

Anzumerken ist aber die natürlich berechtigte Forderung der Gemeinde, die Roma müssten Vereinbarungen über Dauer des Aufenthalts, Abfall- und Entsorgungskosten einhalten. Man habe bei einem ähnlichen Zusammentreffen der Roma vor rund drei Jahren insgesamt 2.800 Euro an Reinigungskosten aufbringen müssen, so Wolfgang Ortner, bei der Gewerbepark Urstein für die Immobilien verantwortlich.[5]

Bilder

Um die Bildrechte zu wahren findet sich hier lediglich der Link zu einem Bild: kroatische Sinti und Roma-Frauen mit Kindern bei Agram

Quellen

Einzelnachweise

  1. Quelle Wikipedia Deutschland Sinti
  2. gemeint ist: wer z. B. in Rumänien beheimatet ist, aber nach Frankreich zieht, befindet sich im EU-Ausland
  3. Anmerkung: die Roma feierten eine ihren Sitten und Gepflogenheiten nach mehrere Tage dauernde Hochzeit
  4. Anmerkung: das Gelände gehört dem Unternehmer Asamer und ist somit Privatgrund
  5. Quelle sosheimat.wordpress.com