Zinkwand

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Zinkwand (Bildmitte) vom Weißpriachtal aus
Lungauer Stolleneingang mit verfallener Knappenschmiede
Die Knappenstube in der Zinkwand

Die Zinkwand ist eine Felswand im nördlichen Znachtal in den Schladminger Tauern. Sie befindet sich auf der Grenze Steiermark - Bundesland Salzburg, jedoch bereits im steirischen Bezirk Liezen[1].

Bergbau

Bereits im 7. und 8. Jahrhundert suchten die Römer und Kelten im nordöstlich des Weißpriachtals gelegenen Znachtal am Fuße der Zinkwand nach Edelmetallen. Der erste urkundliche Nachweis stammt aus dem Jahre 1287. Das Bergwerk wurde ca. 1790 aufgelöst. Heute können noch verschiedene Überreste, wie ein steingemauerter Gang und die Ruine einer Brunnenstube sowie die der ehemaligen Knappenunterkünfte, besichtigt werden.

Salzburger Grenzfälle

Warum der erste Tauerntunnel keine 300 Meter lang ist, mit der Himmelsköniginstollen[2] zu tun hat und nicht nach Kärnten führt, bringt eine Geschichte aus der Reihe Grenzfälle ans Licht.

Wahrscheinlich waren es bereits Kelten und Römer, mit Sicherheit aber seit 1287 mittelalterliche Bergleute, die Stollen in die Zinkwand in den Schladminger Tauern im Gebiet der Lungauer Gemeinde Weißpriach trieben und Berg und Umgebung wie einen Schweizer Emmentaler durchlöcherten. Dabei wurden auch Stollen quer durch den Berg von der Lungauer zur steirischen Seite getrieben und somit die erste unterirdische Verbindung durch den Tauernkamm geschaffen.

Dieser erste, knapp 300 Meter lange "Tauerntunnel", der Himmelsköniginstollen, kann noch heute benutzt werden, wenn auch nur mit leichtem Gepäck.

Warum der Aufwand, in rund 2 300 Metern Seehöhe mühsam Löcher in den Fels zu graben? Mehr als 70 Minerale, darunter Silber, Kupfer und Blei sowie das begehrte Kobalt und Nickel, die bis nach dem Ersten Weltkrieg ausgebeutet wurden, machten aus der Zinkwand und ihren Bergnachbarn begehrte Rohstofflagerstätten, deren Abbau sich trotz der unwegsamen Abgeschiedenheit lohnte. Zink gibt es in der Zinkwand nicht, wohl aber die charakteristische Form des Gipfels, von der der Berg – früher auch Zinkenkogel genannt – seinen Namen hat.

Exotischster Gewerke, also Teilhaber am Bergbau, war der aus Afrika nach Wien als "Hochfürstlicher Mohr" verschleppte Angelo Soliman[3], der durch Glücksspiel reich geworden, 1767 und 1775 in den Schladminger Bergbau[4] für Kobalt und Schwefel investierte, aber keine Gewinne erzielte.

Hochalpine Bergbaureste

In jüngster Zeit wurden die Überreste des Bergbaus wieder zugänglich gemacht. Bergsteiger finden nach einem anspruchsvollen Aufstieg, teilweise auf einem Steig an einer senkrechten Wand entlang, Schneekrägen vor, also Steinmauern, die den Knappen einen lawinensicheren Zugang zu den Stollen ermöglichten. Nach dem Einstieg auf Salzburger Seite führen zwei steile Leitern zur Knappenstube [5]mit Guckloch aus der Felswand und dann den Himmelsköniginnenstollen entlang in wenigen Minuten bis auf die steirische Seite.

Die Alpen lassen sich heutzutage weitaus bequemer unterirdisch durchqueren, für Abenteuerlustige und Geschichtsinteressierte mit ausreichendem Zeitbudget ist die Zinkwand eine außergewöhnliche Alternative.

Mehr Information

Da der Bergbau in der Zinkwand überwiegend vom Ennstal aus betrieben wurde, hat das EnnstalWiki diese Felswand und deren Stollen ausführlich dokumentiert:

  • Zinkwand[6]
  • Himmelsköniginstollen[7]
  • Knappenstube[8]

Quelle

Fußnoten

  1. siehe Ennstalwiki → enns:Bezirk Liezen
  2. siehe Ennstalwiki → enns:Himmelsköniginstollen
  3. siehe Ennstalwiki → enns:Angelo Soliman
  4. siehe Ennstalwiki → enns:Schladminger Bergbau
  5. siehe Ennstalwiki → enns:Knappenstube
  6. siehe Ennstalwiki → enns:Zinkwand
  7. siehe Ennstalwiki → enns:Himmelsköniginstollen
  8. siehe Ennstalwiki → enns:Knappenstube