Zistelradrennen 1949

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Das Zistelradrennen 1949 fand am 12. September 1949 auf dem Gaisberg zur Zistel statt.

Über die Veranstaltung

Die Salzburger Nachrichten schrieben in ihrer Samstagausgabe, 11. September 1949:

„Bergkönig" Menapace und der 60jährige Weltrekordmann Nettelbeck „klettern" auf den Gaisberg

Das Gaisbergrennen war früher die große Attraktion im Salzburger Sportgeschehen. Stuck, Morgan, Caracciola und andere kannte jedes Kind, und eine unübersehbare Menschenmenge bevölkerte die Hänge des Gaisbergs, um das große motorsportliche Ereignis des Jahres zu sehen. So weit sind wir noch nicht. Das Gaisbergrennen, so wie es früher war, existiert vorerst nur in der Illusion der Motorsportfreunde.

Anders die Radfahrer.

Nachdem die Motorsportler vom Salzburger Hausberg fernbleiben, haben sich die Radsportler seiner bemächtigt und tragen jedes Jahr ihre Bergmeisterschaften von Gnigl bis zur Zistel (9,5 km) aus. Am 12. September um 9 Uhr wird die Meute der Salzburger Spitzenklasse in Gnigl abgelassen. Bergkönig Richard Menapace, der erste Bezwinger der Großglockner Hochalpenstraße, wird nichts unversucht lassen, auch den bestehenden Gaisbergrekord von Toni Gersteindl (26 : 47) in seinen Besitz zu bekommen.

Wastl Kukowetz, Hans Eckl, Schnellinger, Ablinger, Jäckl, Christler und Schmidt werden sich einen erbitterten Kampf um die Plätze liefern. Einem Teilnehmer des diesjährigen traditionellen Zistelrennens der Radfahrer wird es allerdings nicht um die Zeit, sondern nur um die sportliche Leistung gehen. Der Weltrekordmann im Stundenfahren Paul Nettelbeck, ein Pionier des Salzburger Radsports, wird auf seinem gewöhnlichen Tourenrad die Leistungsprüfung mitmachen. Der nun 61jährige, früher in ganz Europa bekannte Radrennfahrer wird das Rennen außer Konkurrenz zehn Minuten vor dem Felde zur Zistel fahren. Im Training erreichte er Zeiten um 39 Minuten. Es wird wahrscheinlich nicht allen Jungen gelingen, diesen Pionier der Pedale auf der schweren Gaisberg strecke einzuholen. Mit dieser Leistung wird Paul Nettelbeck der Sportjugend ein leuchtendes Vorbild abgeben.

"Richards Spazierfahrt zur Zistel"

Und über den Rennverlauf berichteten dann die "Salzburger Nachrichten" in ihrer Montagausgabe:

Menapace fährt überlegen neuen Streckenrekord in 24 : 06,2 ★ Nachwuchsfahrer Ablinger und Minatti auf den Plätzen ★ Nettelbeck zwingt die Zistel unter 40 Minuten

Die Landesmeisterschaften im Bergfahren auf der traditionellen Strecke Gnigl—Zistel (9.5 km) hatten eine stattliche Zuschauermenge auf die Gaisbergstraße gelockt, die mit großem Interesse die spannenden Positionskämpfe verfolgten. Einer allerdings stand über allen und ließ von Anfang an keinen Zweifel darüber offen, wer als Erster oben sein wird. Schon wenige 100 m nach dem Start hatte Richard Menapace, der sich wieder in ausgezeichneter Form befindet, gut 50 m Vorsprung. In Guggental trennten ihn schon 35 Sekunden vom Verfolgerfelde, in dem sich sieben Mann, darunter der Titelverteidiger Bauer, weiters Jäckl, Minatti, Ablinger und Eckl befanden. Richard fuhr auf den steilen Kehren einen Durchschnitt von 25 Stkm., auf dem flachen Stück unter dem Gersberg nahezu 35. Unwiderstehlich holte er gegen die Zeit und gegen den mit 10 Minuten Vorsprung außer Konkurrenz gestarteten 60-jährigen Weltrekordmann Paul Nettelbeck, der auf einem Damenfahrrad mit gewöhnlichem Torpedofreilauf ganz allein zur Zistel hinaufpedalte, auf. Bis zum Gersberg benötigte er knapp 11 Minuten.

Unterhalb des Rosenhofes kam Nettelbeck in Sicht und gleich darauf, genau nach 16 : 45 Min. hatte Menapace den Vorgabemann eingeholt und zog unwiderstehlich nach oben. Schon nach dem Gersberg betrug der Abstand von Menapace zum Feld 2 Minuten. Mit maschinenmäßiger Präzision kurbelte Richard nach oben und als er den Heustadel, gewissermaßen den Eingang der Zielgeraden beim Zistelrennen, in genau 23 Minuten erreichte, stand fest, daß der Streckenrekord, den Toni Gersteindl mit 26 : 47 hielt, beträchtlich unterboten wird. Richard zog nun ganz frisch an und durchriß in der hervorragenden Zeit von 24 : 06,2 also beinahe 3 Minuten besser als Gersteindl. das Zielband. Eine hervorragende Leistung des Bergkönigs, der damit auch den Streckenrekord des Hausberges der Salzburger in seinen Besitz nahm.

Inzwischen hatte das Siebener-Feld unterhalb der Haarnadelkurve Nettelbeck überholt. Minatti legte einen Zwischenspurt ein und erreichte als Erster des nun nahezu auf 50 m auseinander gezogenen Feldes den Heustadel, dicht gefolgt von dem bärenstarken Ablinger. Mit Abstand folgte Bauer und dahinter Jäckl. Eine Überraschung lag in der Luft, denn weder Minatti noch Ablinger hatte man eine Kronprinzleistung hinter Menapace zugetraut (Kukowetz war nicht am Start). Nun zeigte Ablinger, was er noch in den Beinen hatte, riß beim Heustadel unwiderstehlich aus und langte mit gutem Vorsprung vor Minatti und Bauer als Zweiter im Ziel ein. Eine ausgezeichnete Leistung des talentierten Nachwuchsfahrers.

Hatten die bisherigen Fahrer alle von der zahlreich erschienenen Radsportgemeinde lebhaften Beifall erhalten, so schwoll dieser ungemein an, als Paul Nettelbeck auf seinem Damenrad als Elfter, also ungefähr sechs Fahrer hinter sich lassend, auf der Zistel eintraf. Er war keineswegs abgekämpft und versuchte, im Zielspurt sogar noch einige Sekunden gutzumachen. Der Pionier des Salzburger Radsportes hat damit der Jugend ein leuchtendes Beispiel seiner sportlichen Gesinnung und seiner ungebrochenen Leistungsfähigkeit gegeben.

Aber auch die Altersfahrer Winkler, Oberaigner und Matzler die auch schon nahezu einen Vierziger auf dem Buckel haben, fuhren ein ausgezeichnetes Rennen.

Die Ergebnisse

1. Menapace 24 : 06,2
2. Ablinger 26 : 51;
3. Minatti 27 : 46 (obwohl nur 15 m hinter Ablinger)
4. Bauer 27 : 56
5. Jäckl
6. Schmidt 30 : 30;
weiterer Einlauf ohne Zeit: Murhammer, Eckl, Christler. Ramer, Manitsch, Brugger, Fölnar, Oberaigner; Paul Nettelbeck erreichte die ausgezeichnete Zeit von 39 : 13!

Schade, daß der offizielle Zeitnehmer Plainer einen schwarzen Tag hatte, so daß alle Zeiten mehr oder minder geschätzt wurden (die Siegerzeit ausgenommen). Die ausgezeichneten Leistungen der Fahrer wären einer besseren Aufmerksamkeit der Zeitnehmer würdig gewesen. Minatti wurde klar um die Früchte seiner prächtigen Zeit gebracht.

Quellen

  • ANNO, Salzburger Nachrichten, Ausgabe vom 10. September 1949, Seite 6
  • ANNO, Salzburger Nachrichten, Ausgabe vom 12. September 1949, Seite 24