Gaisbergrennen (historisch)

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Begriffsklärung
Dieser Artikel behandelt das historische Bergrennen am Gaisberg bei Salzburg. Einen Salzburgwiki-Beitrag über die Oldtimer-Veranstaltung mit Wertungen am Gaisberg, in der Stadt Salzburg und am Salzburgring findest du unter Gaisbergrennen (modern)
während einem Gaisbergrennen in um 1930 auf der Zistelalm, gefunden in der Gastwirtschaft Schihütte auf der Gaisbergspitze
Karte
1933: Start bei der heutigen Obus-Kehre in Obergnigl: Josef Illichmann (16) auf Rudge 250 cm³
Fritz-Huschke von Hanstein (21) auf Porsche 1500 RS
Training: Ernst Vogel (10) auf Porsche Spyder; sehr gut zu sehen der Holzklotz unter dem Hinterrad, der dazu diente, dass die Fahrer am Start nur auf der Kupplung, nicht aber auf der Bremse stehen konnten

Als Gaisbergrennen bezeichnete man das Automobil- und Motorradrennen, das am Hausberg der Stadt Salzburg, dem Gaisberg, zwischen 1929 und 1969 auf einer Streckenlänge von 11 900 m mit 800 m Höhenunterschied (Rennen von 1929 bis 1933)[1] und von 8,652 km mit 672 m Höhenunterschied ab 1957, stattfand.

Geschichte

1929 bis 1933

1929

Hauptartikel Erstes Gaisbergrennen 1929

Am Sonntag, den 8. September 1929, fand am Gaisberg das erste internationale Gaisbergrennen statt. Baron Franz Preuschen, der in der Gemeinde Aigen wohnte, war damals Präsident des Salzburger Automobil-Clubs (S.A.C.), der dieses Rennen, zusammen mit dem Bayerischen Automobil-Club veranstaltete. Der Start war damals noch in Gemeinde Gnigl bei der heutigen Obuskehre in Obergnigl.

Bei den Sport- und Rennwagen gingen von den elf genannten in der Sportwagenklasse dann aber nur fünf und in der Rennwagenklasse nur zwei von sieben genannten in die mit Spannung erwarteten Rennen. Hintergrund, so wurde damals vermutet, war, dass die Handelsverträge zwischen Österreich und Deutschland noch nicht unterzeichnet waren. Daher würden die Mercedes-Benz-Fahrer nicht starten. Es hätte es keinen Zweck gehabt, am Rennen teilzunehmen und einen Sieg zu erringen. Dies hätte dann die Einfuhrbewilligung der deutschen Automobile nur erschwert. Es wurde auch gemunkelt, dass die Mercedes-Rennfahrer wohl gestartet wären, hätten sie den Sieg sicher auf ihrer Seite gewusst. Aber sie fürchteten die kaum zu schlagende Konkurrenz des Austro-Daimler-Fahrers Hans von Stuck. Caracciola wäre mit einem 260-PS-Kompressor-Mercedes gestartet, jener von Stuck hatte nur 170 PS.[2]

Peppi (Josef) Walla auf Sunbeam fuhr dann bei den Motorrädern mit 8:15,9 min. (85 km/h Schnitt) die Tagesbestzeit. Bei den Tourenwagen kam der Deutsche Manfred von Brauchitsch auf Mercedes mit einem Schnitt von 72 km/h zum Sieg. Schnellster Salzburger war Max Reheis auf A.J.S. (englische Motorradmarke) mit 8:41,88 min. (82 km/h). In der Rennwagenklasse siegte Jiri Prinz Lobkowitz auf Bugatti mit einem Schnitt von 79 km/h; der schnellste Automobilist war Max Graf Arco-Zinneberg, ebenfalls auf Mercedes, mit einer Zeit von 8:50,96 min (80 km/h); schnellster Salzburger im Automobil war Bergrat Dr. Ing. Karl Imhof mit 10:58,87 min. (65 km/h). Ausgeschieden war der Salzburger Philipp Graf Boos-Waldeck. Ihm brach schon einen Kilometer nach Start das Ölrohr. Und der Salzburger Hans Schmirl auf Puch stürzte knapp vor dem Ziel.

1930

Im Organisationskomitee befanden sich Salzburger von Rang und Namen (Auszug): Neben dem S.A.C.-Präsidenten seine Vizepräsidenten Kommerzialrat Josef Klein, Ing. Edwin Schurich, Philipp Graf Boos-Waldeck und Rudolf Zrost, vom S.A.C. selbst waren u.a. vertreten Hans Gessele, Ludwig Hau, Paul Koppenwallner, Baron Friedrich Mayr-Melnhof, Dir. Prof. Dr. Bernhard Paumgartner, Kommerzialrat Richard Tomaselli, im Empfangskomitee u.a. Kommerzialrat Heinrich Kiener, im Streckenkomitee u.a. Franz Stengl, Leiter der Rettungsgesellschaft war Obermedizinalrat Dr. Christian Varnschein, einzelne Rettungsstationen wurden u. a. von Primarius Dr. Rudolf von Rauchenbichler (aus der Familie Rauchenbichler9 und Primarius Dr. Eduard von Hueber geleitet, der Sicherheitsdienst unterstand Alfons Graf Mels-Coloredo und Sprecher am Radio waren Dir. Prof. Dr. Bernhard Paumgartner und Wolfgang von Karajan.

1930, am 31. August, wurde das Rennen erstmals im Radio übertragen. Der Sprecher war der spätere Mozarteumsdirektor Prof. Dr. Bernhard Paumgartner und Wolfgang von Karajan, der selbst Motorradrennen fuhr[3]. Tom Bullus, der Engländer auf der schnellen NSU, setzte mit 7:59,52 min. (89,436 km/h) eine neue Rekordmarke, der Berliner Joachim von Morgen auf Bugatti blieb mit einer Zeit von 7:58,19 (89,623 km/h) min. nur knapp darunter.

1931

Auch am 9. August 1931 trumpfte der Engländer Tom Bullus mit einer neuerlichen Rekordzeit auf: 7:46,61 min. - das entspricht einer Schnittgeschwindigkeit von 91,9 km/h. Aber von Brauchitsch brauste mit seinem schweren Mercedes SSK in nur 7:45,36 min. (92,1 km/h) den Gaisberg hinauf. Nur Joachim von Morgen in seinem leichteren Bugatti schaffte es noch schneller: 7:44,05. Ein späterer Salzburger und auch aktiver Teilnehmer an diesem Bergrennen war bereits als Neunjähriger bei diesem dritten Gaisbergrennen als Zuschauer dabei: Helmut Krackowizer.

1932

Das Rennen 1932 versank in Nebel und Regen und nur der große Rudolf Caraciola (Deutschland) auf Alfa Romeo war der einzige Rennfahrer, der bei diesem Rennen eine Zeit unter acht Minuten schaffte (7:57,081 min.). Bei den Sportwagen hatte die Scuderia Ferrari mit einem Maserati mit Fahrer Berone Ippolito und einem Alfa Romeo mit Fahrer Trossi Conte teilgenommen, noch produzierte Enzo Ferrari nicht unter eigenem Namen. Trossi war auch der Schnellste in seiner Klasse mit einer Zeit von 8:32,7 min. (92,62 km/h). Bei den Motorrädern fuhr der deutsche Toni Bauhofer auf DKW eine Zeit von 8:50,13 min.

1933

Am 2. Juli 1933 fand dann vor dem Zweiten Weltkrieg das letzte Mal am Gaisberg ein Rennen statt. Und es brachte schließlich eine neue absolute Bestzeit, gefahren vom Italiener Conte Trossi auf Alfa Romeo in 7:42,57 min. (92,62 km/h). Philipp Graf Boos-Waldeck fuhr mit 8:04,08 min. eine ganz passable Zeit. Der spätere Sportwagenhersteller Carlo Abarth, fuhr - noch als - Karl Abarth in der Motorradbeiwagen-Klasse mit.

Ergebnisse
  • Motorräder bis 250 cm³:
1. Josef Illichmann, Wien, auf Rudge (8:34,32 min. = 83,29 km/h)
2. Karl Bohmann, Wien, BMW-Special 175 cm³ (9:35,99 min.)
3. Hugo Roigh, Wien, Rudge-Special (9:39,66 min.)
  • Motorräder bis 350 cm³:
1. Franz Falk, Graz, Velocette (8:10,44 min. = 87,35 km/h)
2. Helmut Loicht, Wien, AJS (8:41,03 min.)
3. Alfred Koch, Wien, AJS (9:20,37 min.)
  • Motorräder bis 500 cm³:
1. Friedrich Cerny, ?, AJS (7:50,38 min. = 91,07 km/h
2. Michael Gayer, Wien, Indian (8:01,10 min.)
3. Philipp Graf Boos-Waldeck, Rif, AJS (8:04,08 min.)
4. Josef Walla, Wien, Rudge (8:13,08 min.)
5. Martin Schneeweiß, Wien, Rudge (8:28,11 min.)
  • Motorräder bis 1 000 cm³:
1. Josef Hofmann, Salzburg, Rudge (8:14,49 min. = 86,63 km/h)
2. Karl Zach, Liezen, AJS (8:31,15 min.)
  • Motorräder mit Beiwagen bis 600 cm³:
1. Leo Benesch, Wien, Sarolea (9:19,88 min. = 76,52 km/h)
2. Karl Abarth, Wien, Sunbeam (9:32,10 min.)
3. Hans Schuhmann, Nürnberg, Deutschland, NSU (9:56,27 min.)

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Krieg gab es erstmals wieder am 8. August 1948 eine Gaisberg-Wertungsfahrt. Bei den Motorrädern gewann Helmut Krackowizer auf BSA 350 mit 6:55,8 min. seine Klasse vor Helmut Volzwinkler auf Puch SGS in 6:56,6 min.; Krackowizer war in späteren Jahren als Platzsprecher und Pressechef für die Gaisbergrennen tätig. Auch Willi Koch, Fahrschulbesitzer, fuhr bei dieser Wertungsfahrt mit.

Großer Bergpreis von Österreich

Nach einer Pause von fast 20 Jahren begann am 15. August 1957 schließlich wieder internationaler Motorsport am Gaisberg mit dem ersten "Großen Bergpreis von Österreich". Vor 25 000 Zuschauern gewann der Schweizer Peter Daetwyler aus Zürich auf einem 2-Liter-Maserati vor den Borgward-Werksfahrer Hans Herrmann und Richard von Frankenberg auf Porsche RS. Dieser Bewerb zählte zur Europa-Bergmeisterschaft.

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es zwar nicht die Bezeichnung "Großer Bergpreis von Österreich", aber das erste Großglockner Rennen 1935 könnte man durchaus als einen solchen bezeichnen.

Beim Gaisbergrennen 1962 wurde vom Grazer Alfa-Romeo-Händler Ossi Vogl ein junger Sportler für das Rennen gemeldet: Jochen Rindt, der mit Startnummer 87 auf seiner Giulia TI in seiner Klasse mit einer Zeit von 5:40,3 min. (Schnitt 91,24 km/h) mit fünf Sekunden Vorsprung auf den Deutschen H. Bergmann gewann. Man beachte, dass die Schnittgeschwindigkeit von 1962 noch unter jenem der Vorkriegszeit lag!

Europabergmeister

Diese Rennen zählten auch zur Europabergmeisterschaft. Im Zeitraum des Gaisbergrennens waren folgende Rennfahrer Europobergmeister:

  • 1957: Willy Peter Daetwyler, Schweiz, Maserati
  • 1958: Wolfgang Graf Berghe von Trips, Horrem, Porsche
  • 1959: Edgar Barth, Kornwestheim, Porsche
  • 1960: Heinrich Walter, Schweiz, Porsche
  • 1961: Heinrich Walter, Schweiz, Porsche
  • 1962: Lodovico Scarfiotti, Italien, Ferrari
  • 1963: Edgar Barth, Kornwestheim, Porsche
  • 1964: Edgar Barth, Kornwestheim, Porsche
  • 1965: Lodovico Scarfiotti, Italien, Ferrari
  • 1966: Gerhard Mitter, Böblingen, Porsche
  • 1967: Gerhard Mitter, Böblingen, Porsche
  • 1968: Gerhard Mitter, Böblingen, Porsche
  • 1969: Paul Schetty, Schweiz, Ferrari

Rennleiter

Rennleiter zahlreicher Nachkriegsrennen am Gaisberg war Regierungsrat Fritz Stengl, dessen Vater (Franz Stengl) schon vor dem Zweiten Weltkrieg Rennleiter bei zahlreichen Veranstaltungen im Land Salzburg gewesen war und dessen Sohn Manfred ein erfolgreichen Motorradrennfahrer und Rennrodler war.

Motorradläufe

Es gab zwischen 1929 und 1969 insgesamt 18 Gaisbergrennen, die sogenannten Wertungsfahrten Anfang der 1950er Jahre nicht gerechnet. Dabei waren zehn mit Motorradläufen (1929 – 1933, 1960, 1966 – 1969).

Unfälle

Es gab drei tödliche Unfälle:
1960: Walter Häderle aus Deutschland (Auto)
1968: Alois Hofer aus Graz (Motorrad)
1969: Toni Pelizzoni, Meran, Italien (Auto)

sowie einige schwere Unfälle;

Das Ende der Veranstaltung

Unspektakulär verlief dann am 7. September 1969 das letzte Gaisbergrennen vor matten 10 000 Zuschauern. Es geschah noch einmal ein tödlicher Unfall (Toni Pelizzoni auf Fiat Abarth 2000 P), der dann auch einer der Gründe war, weshalb der Berg nie wieder im Renntempo erstürmt wurde.

Seit 2003 finden nun wieder Gleichmäßigkeitsbewerbe für historische Automobile am Gaisberg statt. Diese Läufe werden mit Läufen auf dem Salzburgring und einem Stadtrundkurs kombiniert.

Details von Seinerzeit

Die beiden bekannten Salzburger Journalisten Hans Heinrich Welser (links) und Helmut Krackowizer als Platzsprecher beim Gaisbergrennen 1960
  • Das Fahrerlager befand sich auf dem Parkplatz bei der alten Guggenthaler Brauerei; auch der Porschehof in der Stadt Salzburg diente als Fahrerlager;
  • Der Start: Da die Startlinie sich bereits bergwärts befand, gab es einen Keil, den ein Starthelfer hinter dem Motorrad bzw. unter das Hinterad bei Automobilen keilte. Der Starter selbst hatte noch die damals übliche große Stoppuhr in der Hand und begann die letzten fünf Sekunden mit den Fingern herunter zählenden vor den Augen der Rennfahrer; bei den geschlossenen Automobile gab es manchmal auch noch einen "Klaps" aufs Dach, damit der Fahrer ja nicht den Start verschlief!
  • Die Kommunikation wurde mit Feldtelefonen aufrecht erhalten; schon Tage vorher wurden Kilometer von Kabeln verlegt und mit der guten alten Kurbeltechnik die Gegenstelle angerufen;
  • Der Platzsprecher befand sich auf der Zistelalm und erhielt alle Informationen via vorher genannter Feldtelefone - natürlich nicht ganz zeitgleich zu den Geschehnissen, aber immerhin konnten die Zuschauer entlang der Strecke informiert werden.
  • Das Ziel befand sich knapp unterhalb des Gipfelparkplatzes, damit die Fahrzeuge noch eine Auslaufzone hatten; denn auf dem Parkplatz selbst mussten die Fahrzeuge aufgereiht bis zum Ende eines jeden Laufes warten - es wurde in zwei Läufen gefahren;

Salzburger Teilnehmer

Im Laufe der Jahre nahmen viele Salzburger an diesem Rennen teil, wie zum Beispiel:

diese Auflistung ist nicht vollständig.

Die einzelnen Rennveranstaltungs-Termine

Bilder

 Gaisbergrennen (historisch) – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Literatur

Weblinks

Quellen

Fußnoten

  1. in den Vorkriegsjahren etwas länger, da in de Gemeinde Gnigl-Itzling gestartet wurde; später war der Start in Guggenthal
  2. Quelle ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 9. September 1929, Seite 1 ff
  3. siehe Internationales Tauernrennen