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Archehof Unterhausreit

Maria Hauser, Archehofbäuerin in Bruck an der Großglocknerstraße
Der Archehof Unterhausreit in der Bildmitte

Der Archehof Unterhausreit in Bruck an der Großglocknerstraße ist – was Tiere und sonstige Produkte angeht – ein Bauernhof mit etwas eigenwilligem Profil.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Ein Archehof ist ein landwirtschaftlicher Betrieb, in dem alte und in ihrem Bestand gefährdete Nutztierrassen gezüchtet und präsentiert werden.

Es habe mehrere Ursachen gehabt, warum das ursprünglich traditionell bewirtschaftete Unterhausreitgut in Bruck an der Großglocknerstraße nach und nach in einen Archehof umgewandelt wurde, berichtet Maria Hauser, deren Mann Hans Hauser - ein regionaler Solaranlagenpionier - seit vielen Jahren Solarenergieanlagen und Pelletsheizungen plant und installiert.

Schwarze Pinzgauer Rinder

Das Unterhausreitgut liegt auf 900 m ü. A. an der orografisch rechten Talseite des Salzachtals und ist seit 2001 ein Archehof. Das genaue Alter des Hofes selbst ist nicht bekannt – die erste Erwähnung stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Als Maria Hauser im Jahr 1984 in das Unterhausreitgut eingeheiratet hat, wurden dort als landwirtschaftlicher Erwerb Ochsen des Pinzgauer Rindes gemästet. Wie die Ennstaler Bergschecken|Ennstaler Bergschecken]] im Ennstal ist das Pinzgauer Rind im Pinzgau eine autochthone Nutztierrasse, die wegen des Bestandsrückganges gefährdet ist. Mit der später erfolgten Umrüstung des Stalles zu einem Laufstall wurde die Ochsenmast auf dem Unterhausreithof eingestellt.

In der hofeigenen Herde des Unterhausreithofes befand sich auch eine schwarze Kuh. Bei schwarz gefärbten Tieren handelt es sich um reinrassige Pinzgauer Rinder mit einer genetischen Abweichung in der Farbgebung. Solche Tiere kommen regulär immer wieder vor und werden auch von manchen Züchtern gern gesehen, während andere nur die für das Pinzgauer Rind typische braune Färbung schätzen. Da die schwarze Färbung eher selten ist und Maria Hauser möchte, dass diese Eigenheit der Natur erhalten bleibt, züchtet sie gezielt schwarze Pinzgauer Rinder. Dass ihre Rinder Hörner tragen, ist ohnehin nicht erwähnenswert, denn das Enthornen der Tiere wäre für sie nicht vorstellbar.

Mangalitza-Wollschweine

Eine andere Hofeigenheit ist, dass der alte Stall für die Haltung hochgezüchteter Schweinerassen zu kalt ist.

Als Maria Hauser bei einem Besuch des „Agrarrebellen“ Sepp Holzer im Lungau die Wollschweine der Rasse Mangalitza sah, wurde - wie sie selbst sagt - in ihr „die Schweinezüchterin geboren“. Die Mangalitza-Wollschweine, eine hochgefährdete Nutztierrasse, halten Kälte aus und können sogar den Winter über in einem überdachten Holzverschlag mit freiem Auslauf gehalten werden. Außerdem sind sie aufgrund ihrer Urtümlichkeit für die Massentierhaltung nicht tauglich. Maria Hauser beschaffte sich die ersten Mangalitzas und begann mit ihnen eine eigene Zucht.

Von Berg- zu Waldschafen

Auch die hofeigene Alm in der Hundsteingruppe hat ihre Tücken. Sie besteht praktisch ausschließlich aus steilen Hängen. Die hofeigenen Schafe, eine Herde von Bergschafmischungen, hatte den Nachteil, dass die Tiere wegen der Lämmermast zugekauft wurden und nicht immer gesund waren. Es traten typische Schafkrankheiten wie Moderhinke und Räude auf. Auch blieb die Herde wegen ihrer Heterogenität nicht immer beisammen, einzelne Tiere verliefen sich, was mühselige Suchexpeditionen zur Folge hatte.

Maria Hauser machte sich daher auf die Suche nach einer geeigneten Rasse mit Zusammenhalt und Standorttreue. Es sollte eine selten gewordene und bedrohte Rasse werden: das (Böhmer-) Waldschaf. Wie der Name anklingen lässt, stammt die Rasse aus dem Böhmerwald, wo die Tiere früher auch den Winter über im Wald weideten. Es gelang Maria Hauser im Jahr 2000 von einem Bauern in Telfs in Tirol, der seinen landwirtschaftlichen Betrieb einstellte, dessen Waldschafherde mit zwölf Tieren zu erwerben. Seither ist sie Waldschafzüchterin und Mitglied des Schafzuchtverbandes in Oberösterreich, der mit der österreichweiten Betreuung der Züchter dieser Schafrasse betraut ist.

Die (Böhmer-)Waldschafe sind eine für die extensive Haltung bestens geeignete urtümliche Schafrasse, die überaus genügsam, sehr widerstandsfähig und nicht krankheitsanfällig ist. Bei einem der sommerlichen Wintereinbrüche vor einigen Jahren führten vier Muttertiere Lämmer. Sie waren über eine Woche im tiefen Schnee eingeschlossen, aber alle Tiere der Herde überstanden diese für die Pinzgauer Hochlagen nicht unübliche, für auf der Alm befindliche Weidetiere aber nicht ungefährliche Wetterkapriole.

Zum Zeitpunkt des Erwerbs ihrer Herde war Maria Hauser im Bundesland Salzburg die einzige Waldschafhalterin. Mittlerweile züchtet auch je ein Betrieb in Werfen, in Leogang und in Rauris (Böhmer-)Waldschafe.

Dauergäste aus den Karpaten

Da die hofeigene Alm auf etwa 50 ha Weidefläche neben den Schafen noch andere Tiere „verträgt“, sind neben Schafen anderer Bauern auch die Pferde des Unterhausreithofes im Sommer auf der Alm. Es handelt sich aber nicht um das im Pinzgau heimische Noriker Pferd, das für die steilen Almhänge der zum Unterhausreitgut gehörenden Alm zu schwer ist, sondern um zwei trittsichere Huzulenpferde, eine urtümliche und ebenfalls hoch gefährdete Pferderasse aus den Karpaten. Es ist – wenn man die Pinzgauer Rinder außer Acht lässt - die dritte von Maria Hauser gezüchtete bedrohte Nutztierrasse.

Dem Huzulenpferd sind aber noch einige gescheiterte Experimente voraus gegangen, die nicht unerwähnt bleiben sollen. Maria Hauser versuchte es mit Hühnern, mit Enten und mit Gänsen, die aber aufgrund der exponierten Hoflage freilaufend über kurz oder lang allesamt dem Appetit des Rotfuchses zum Opfer fielen.

Die Huzulenpferde überwintern in einem nach einer Seite offenen Stall mit freiem Auslauf, der allerdings – wie es im Pinzgau außer bei den „Talbauern“ üblich ist - eine Hanglage aufweist und bei Tiefschnee nicht wirklich „frei“ ist. Die beiden Huzulen-Stuten sind etwa so groß wie das Haflinger Pferd, jedoch leichter zu handhaben und eignen sich daher gut als Therapiepferde. Gegenwärtig werden in Österreich 84 Huzulen-Stuten gehalten.

Einkommen

Für die Haltung von Gefährdeten Nutztierrassen erhält auch der Archehof Unterhausreit ÖPUL-Mittel (Österreichisches Programm für umweltgerechte Landwirtschaft). Diese Fördermittel sind gerechtfertigt, da es sich bei den Tieren um sog. Gen-Erhaltungsrassen handelt. Die Erhaltung einer größeren Gen-Bandbreite, die unter Umständen überlebenswichtig sein wird, ist für die Allgemeinheit von großer Bedeutung. Solche Nutztierrassen bringen aber gegenüber der Massentierhaltung weniger Ertrag und sind in der Zucht aufwendiger und kostenintensiver, u.a. da aufgrund der wenigen Tiere für die Zulassung und den Verkauf Recherchen und weite Wege in Kauf genommen werden müssen.

Erwähnenswertes

Maria Hauser ist Mitglied der Tauernlamm-Genossenschaft, durch die das schmackhafte Fleisch der feingliedrigen Waldschafe vermarktet wird. Der Räucherspeck, der aus Fleischteilen der Mangalitza-Wollschweine am Hof hergestellt wird und im Vergleich zum Fleisch von Tieren aus Massentierhaltung unvergleichlich gut schmeckt, dient hingegen nur dem Hausgebrauch.

Neben ihrer Tätigkeit als Archehofbäuerin baut Maria Hauser seit vielen Jahren etwa 50 verschiedene Kräuter wie Frauenmantel, Schafgarbe, Johanniskraut, Goldmelisse, Spitzwegerich und Eibisch an, aus denen sie Tinkturen und Tees zubereitet, die u.a. im Saalachtaler Bauernladen, im Bioladen in Zell am See und im TEH-Laden in Unken angeboten werden. Ihr Kräuterwissen hat sie sich aus der Literatur, in Kursen, in einem Lehrgang und durch jahrzehntelange Praxis angeeignet.

Resümee

Maria Hauser ist – wie sie selbst sagt – als Bäuerin eigentlich eine nicht selten belächelte „Aussteigerin“ und dennoch seit fünfzehn Jahren Ortsbäuerin. Eine recht traditionelle Funktion, die auf den ersten Blick so gar nicht zu einer Archehofbäuerin passt..

Quellen

  • Ausführliches Gespräch mit Maria Hauser am 12. Jänner 2012

Bildergalerie