Bachlehrweg Hollersbach

Aus Salzburgwiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Bachlehrweg Hollersbach ist ein Lehrpfad im Hollersbachtal in der Pinzgauer Gemeinde Hollersbach im Pinzgau.

Erreichbarkeit

Vom Parkplatz beim Gasthaus "Seestube" am Eingang zum Hollersbachtal führt der gerade für Familien sehr ansprechende Lehrweg entlang des Stausees des Kraftwerks Hollersbach ein kurzes Stück über die dortige Alsphaltstraße. Danach zweigt der Weg gut sichtbar markiert nach rechts zum Bachlauf des Hollersbaches hin ab. Er führt in de Folge entlang des Hollersbaches bis zur Senningeralm auf 1 132 m Höhe.

Inhalt des Bachlehrwegs

Vorgestellt werden am Bachlehrweg, der stets entlang des Baches vom Stausee am Talanfang bis zur Senningeralm führt, in 14 anschaulichen und didaktisch sehr gut dargestellten Lehrtafeln der Bachlauf in seiner Naturnähe und die Lebensräume im und am Bachlauf.

Weglänge und Dauer

Angeraten werden beim Besuch des Lehrweges hohe Bergschuhe und wetterfeste Bekleidung und zudem ausreichend Trinkwasser. Von drei bis vier Stunden Wegzeit ist im Rahmen von Familienwanderungen auszugehen.

Der Bachlehrweg und der Bach im Bereich der Almen

Im obersten Abschnitt ist der Bach vom Lehrweg aus allerdings nicht mehr sichtbar. Er verbirgt sich hinter einem trotz der Nationalparkkriterien errichteten und deutlich zu nahe am Bachlauf errichteten Hochwasserschutzwall. Der den naturnahen Bachlauf stets begleitende Grauerlenbestand wurde im Bereich der Almen fast zur Gänge gerodet, der unterschiedlich breite Bach wurde im Raum der kleinen Bachinseln leicht begradigt und diese entfernt, in der Bachsohle wurde die großen Steine ebenfalls entfernt und das Bachbett maschinell geglättet, die Böschungen erhielten eine weitgehend gleichbleibende Neigung, d. h. der Bach bekam ein einheitlich breites Bett, die natürlichen Verzahnungen des Baches mit seinem Umland verschwanden. In dem Abschnitt oberhalb des geschlossenen Waldes ist daher der Bach nicht mehr als natürlich und nicht mehr als naturnah anzusprechen. In der Folge der gewässerverändernden Maßnahmen konnten und können auch die bachnahen Almweideflächen in Fettwiesen umgewandelt und schrittweise intensiviert werden. Die sehr strukturreichen und blütenreichen Almweideflächen wichen und weichen strukturarmen und zunehmend auch blütenarmen Wiesen. Durch diesen Strukturwandel wird der Erholungswert und der naturschutzfachliche Wert des Baches und seiner Umgebung deutlich beeinträchtigt.

Zitat "Eines der Ziele bei der Planung des Nationalparkes Hohe Tauern war es, die letzten noch unverbauten Gletscherbäche Österreichs vom Ursprung bis in die Talniederung für die kommenden Generationen in ihrer natürlichen Dynamik zu erhalten"

Diese selbst gewählte Vorgabe ist im oberen Bachabschnitt (Almbereich) im Zuge der gewässerbaulichen Maßnahmen kaum berücksichtigt worden. Der Abschnitt im tiefer gelegenen Waldbereich bzw. dem Schluchtwald ist dagegen als weitestgehend natürlicher und eindrucksvoll vielfältiger Bachlauf erhalten. Bis nach 1970 waren übrigens noch zur Erzeugung von Spitzenstrom zwei hohe Staustufen im Hollersbach diskutiert bzw. geplant worden, eine auf der Höhe des Kratzenbergsees und eine im Bereich der Talenge nördlich der Rossgrubalm. Die oberpinzgauer Bachläufe zwischen dem Krimmler Achental und dem Stubachtal sollten dabei teilweise in die neuen Staustufen hin abgeleitet werden. Der Nationalparkgedanke setzte sich damals gegenüber der Verwirklichung großer Speicherkraftwerke im Hollersbachtal letztendlich durch.

Der Bachlehrweg in seinen 14 Tafeln

Neben zwei allgemeinen Tafeln über den Nationalpark werden in vorbildlicher Weise und sehr anschaulich vorgestellt:

  • Laub- und Lebermoose: In feuchten Wäldern bilden sie oft bodendeckend die unterste Schicht der Vegetation: Dazu gehören Stockwerkmoos, Haarmützenmoos (auch Widertonmoos genannt) und verschiedene Torfmoose sowie als Vertreter der Lebermoose das Brunnenlebermoos.
  • Flechtenarten: In weniger feuchten Bereichen am Bach gedeihen gerade auf Felsen verschiedene Flechtenarten, Symbiosen aus Pilz und Algen prägend. Auf verschiedene Wuchsformen (Krustenflechten, Bartflechten und Blattflechten) sowie typische Fechtenarten der Alpentäler wird näher eingegangen.
  • Alt- und Totholz: Besonders wichtig ist auch in den Alpentälern die vielfältige und nicht selten durch intensive Holznutzung bedrohte Tier- und Pilzwelt im Alt- und Totholz. Zahlreiche höhlenbrütende Kleinvögel, im Sommer auch seltene Baumfledermäuse benötigen Baumhöhlen. Verschiedene Spechtarten suchen sich hier ihre Nahrung. Besonders vielfältig und oft auch bedroht ist die Welt der holzbewohnenden Insektenarten.
  • Ameisenhaufen: der "nützliche Frauenstaat am Waldboden" ist im Wald in seiner Aufgabe als sozialer Bekämpfer von Schädlingen unverzichtbar und stehen daher unter Naturschutz.
  • Tierarten am Bach: Ein gedeckter Tisch im kalten Nass ist für verschiedene Tierarten am Gebirgsbach der Bach. Dazu zählen auch die Gebirgsstelze, die Bachstelze und die Wasseramsel.
  • Erlebnis Bach: Der Gebirgsbach ist in seiner vielfältigen ökologischen Bedeutung vielfach Quelle und Bindeglied des Lebens. Die vielfältigen Wirbel, Gischten und das Tosen des Baches, die verschiedenen Uferformen bereichern den Erlebniswert und die landschaftliche Vielfalt des Tales.

  • Schwefelgelbe Leuchtflechte: Die sehr auffällige intensivgelbe Flechte gedeiht am besten regengeschützt an Felsen und Mauern mit hoher Luftfeuchtigkeit. Ihr werden fluoreszierende Eigenschaften nachgesagt.
  • Erlebnis Gebirgsbach: Die Bäche im Gebirge sind gewissermaßen die Lebensader der Bäche. Auch in der Kulturlandschaft der Almen ist der Erhalt naturnaher Bäche mit einem vielfältigem Erscheinungsbild wichtig.

Quellen

  • Bachlehrweg Hollersbach in 14 Tafeln
  • Informationen aus der Nationalparkgemeinde Holersbach, Tourismus
  • direkter Vergleich des Bachlaufs Hollersbach 1980/83 und 2017/18 durch R. Medicus in Verbindung mit Gesprächen mit Hollersbacher Bürgern