Benutzer:Archiv/Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein

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Das Brunnhaus Seebichl unterhalb des Thumsees um 1700 (Infotafel Obernesselgraben)
Das Brunnhaus Seebichl zwischen Karlstein und Thumsee heute
Wasserrad (Durchmesser 7 m) und Solepumpe eines Brunnhauses. Nachbau im Holzknechtmuseum Ruhpolding
Das Brunnhaus Obernesselgraben, darüber die Hochreserve. An der Stelle des Brunnhauses befindet sich heute der Antonibergtunnel. (Infotafel Obernesselgraben)
Soleleitung und Straße über der Weißbachschlucht vor 1900 (Infotafel Obernesselgraben)
Wassersäulenmaschine von Georg von Reichenbach (Alte Saline Bad Reichenhall)

Die Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein' war die erste bayerische Soleleitung. Sie als technische Meisterleistung, ja Weltwunder, des 17. Jahrhunderts.

Einleitung

Sie wurde 1617 bis 1619 erbaut und verlief von Reichenhall über Karlstein und oberhalb des Thumsees auf den Antoniberg. Von dort verlief sie am „Neuweg“ (B 305) über der Weißbachschlucht nach Inzell und von weiter nach Traunstein. Ein Drittel der in Reichenhall geförderten Sole gelangte über diese Leitung in die Traunsteiner Saline.

Geschichte

Das drängendste Problem der Reichenhaller Saline war über Jahrhunderte eine ausreichende Versorgung mit Brennholz. Das gesamte bayerische Saalachtal und seine Nebentäler, sowie die Bayerischen Saalforste im salzburgischen Pinzgau reichten dafür nur bedingt aus. Nachdem 1613 bei Ausbesserungsarbeiten am Brunnenschacht eine neue hochgrädige Solequelle zutage trat, verschärfte sich dieses Problem. Der herzogliche Hofkammerrat Oswald Schuß schlug Herzog Maximilian I. deshalb vor, die Sole zu einer neu zu erbauenden Saline in Siegsdorf bei Traunstein zu leiten. Denn das viele verfügbare Holz in den Chiemgauer Bergwäldern konnte auf dem Fluss Traun leicht dorthin getriftet werden. Als Vorbild diente dabei die Soleleitung von Hallstatt nach Ebensee im Salzkammergut, die jedoch das natürliche Gefälle nutzen konnte und daher ohne Pumpen auskam.

Erste Soleleitung mit Hebewerken

Nach der Vermessung der Strecke durch Tobias Volckmer erhielt der Hofbaumeister Hans Reiffenstuel den Auftrag zur Errichtung der Soleleitung. Reiffenstuel leitete zusammen mit seinem Sohn, dem Hofbrunn- und Zimmermeister Simon Reiffenstuel den Bau, der in einer bemerkenswert kurzen Zeit von zwei Jahren vollendet werden konnte. Die 250 Meter Höhendifferenz wurden durch wasserbetriebene Kolbendruckpumpen (Hebewerke) in sieben Pumpstationen (Brunnhäusern) mit Hochbehältern überwunden. Die Pumpen aus Bronze wurden von Simon Reiffenstuel entwickelt und machten den Betrieb der Leitung erst möglich, denn sie hatten ein Leistungsvermögen von 90 bis 130 cbm Sole pro Tag. Die Pumpen drückten die Sole vom Brunnhaus durch bleierne Steigrohre nach oben in ein Sammelbecken (Hochreserve). Von dort floss sie, das natürliche Gefälle nutzend, durch Holzrohre (Deicheln) bis zur Niederreserve des nächsten Brunnhauses. Von dort wurde die Sole in gleicher Weise weitergepumpt. Die Soleleitung bestand aus rund 8400 ca. 4 m langen Deicheln aus Fichtenholz. Der höchste Punkt der Soleleitung war die Hochreserve des Brunnhauses Lettenklause (bei Zwing, zwischen Weißbach und Inzell). Sie lag ca. 250 m höher als die Saline in Reichenhall. Die Saline Traunstein am Ende der Gefällstrecke lag dabei nur noch 100 m höher als die Saline in Reichenhall.

Schwierige Bauarbeiten

Der aufwendige Bau der Anlagen stellte hohe Anforderungen an Planer und Ausführende. So erforderte der Anstieg vom Nesselgraben westlich des Thumsees zum Antoniberg die Errichtung von zwei nur knapp 300 m voneinander entfernten Brunnhäusern. Deren Antriebswasser (Aufschlagwasser) musste über ein insgesamt über 6 km langes System von Gräben, Röhren auf Holzgestängen, und offenen Holzrinnen zugeführt werden. Damit die Pumpe im Brunnhaus Obernesselgraben bei Wasserknappheit, etwa im Winter, nicht zum Stillstand kam, wurde zusätzlich ein Tretrad angeschlossen, das von Menschen bewegt werden konnte. Im Bereich der „Hohen Wand“ über der Weißbachschlucht wurde die Soleleitung zusammen mit einem Steg an die Felswand über der Straße gehängt. Bei einer Belastungsprobe der Leitung stellte sich heraus, dass der Druck in den Deicheln zwischen den Brunnhäusern Obernesselgraben und Nagling zu groß war und die Rohre sprangen. Reiffenstuel ließ daher ein weiteres Brunnhaus in Grub bei Weißbach errichten. Während des Baus entschloss man sich, die neue Saline nicht in Siegsdorf, sondern in der Stadt Traunstein zu errichten, da die Voraussetzungen dafür dort wesentlich besser waren. Die Soleleitung wurde damit um 17 km länger und erreichte eine Gesamtlänge von 32,7 km.

Wartung und Unterhalt

In jedem Brunnhaus wohnte ein Brunnwart, der für die Wartung der Maschinen, sowie der Sole- und Aufschlagwasserleitungen zuständig war. Vor allem die Deicheln mussten häufig erneuert werden. Dafür gab es bei jedem Brunnhaus einen Weiher (Deichelbeize), wo vorbereitete Holzrohre im Wasser lagerten. Lawinen, Muren und Felsstürze zerstörten immer wieder Teile der Leitungen. Auch unter Vandalismus hatten die Anlagen häufig zu leiden. So bohrten Bewohner von Inzell oft die Deicheln an, um Sole für den Hausgebrauch zu entnehmen. Das Blei der Steigleitungen war ebenfalls ein begehrtes Diebesgut. In den 1750er Jahren nahmen die Schäden derart zu, dass man den Tätern gar die Todesstrafe androhte.

Verlängerung nach Rosenheim

Bis 1810 verlängerte man die Soleleitung (von der Abzweigung bei Hammer) nach Rosenheim. Die Leitung erreichte dadurch eine Gesamtlänge von 81 Kilometern. Dazu wurde bis zur Abzweigung eine zweite Leitung parallel neben die bestehende gelegt, die die Rosenheimer Saline versorgte. Zudem führten Salinenrat Joseph Baader und Georg von Reichenbach auch an der bestehenden Leitung Umbauten durch. Reichenbach konstruierte zur Beförderung der Sole neue Pumpen, die sogenannten „Wassersäulenmaschinen“. Gleichzeitig ersetzte man die hölzernen Brunnhäuser durch Steinbauten. Ab 1817 floss Sole aus dem Salzbergwerk Berchtesgaden über eine neue Soleleitung nach Reichenhall. Damit hatte das bayerische Soleleitungssystem seine größte Ausdehnung erreicht und verband die vier südbayerischen Salinen miteinander.

Ende der ersten bayerischen Soleleitung

Die Saline Traunstein wurde 1912 geschlossen. Die Soleleitung blieb bis zur Schließung der Saline Rosenheim 1956 insgesamt 337 Jahre in Betrieb. Bei Bad Reichenhall führt ein Themenwanderweg auf der Trasse dieser Soleleitung vom Brunnhaus Fager in Karlstein, vorbei am Thumsee, bis zur Hochreserve Obernesselgraben am Antoniberg. (Der SalzAlpenSteig verläuft ebenfalls teilweise über diese Trasse.)

Bedeutung

„Der Bau der Soleleitung mit den geringen technischen Hilfsmitteln, wie sie damals zur Verfügung standen, muss als eine Meisterleistung angesehen werden, in Planung und Durchführung einmalig in dieser Zeit“ meinte Heinrich Kurtz in seiner umfassenden Abhandlung von 1978. Tatsächlich galt die Leitung schon kurz nach ihrer Vollendung als technisches Wunderwerk. So waren die Reiseschriftsteller des 18. und 19. Jahrhunderts ebenfalls von den Anlagen beeindruckt. Auch der Topograph Adrian Riedl zeigte sich in seinem 1796 erschienenen Reise Atlas von Baiern begeistert: „Jeder baierische Patriot ist schuldig, ein so großes Werk der Nachwelt anzupreisen, und kennbar zu machen.“

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Quelle