Ferdinand Morawetz senior

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Ferdinand Morawetz senior (* 1888 in Diószegh, Ungarn, heute Slowakei; † 2. Dezember 1938 in der Landesheil- und Pflegeanstalt Niedernhart[1]) war ein Unternehmer und Förderer des Fußballsports in Salzburg.

Leben

Morawetz betrieb einen Postkartenverlag, der in ganz Österreich tätig war. Um den Salzburger Fußball machte er sich verdient, indem er als erster Präsident nach der Wiedergründung 1919 langfristig die Zukunft des SAK 1914 sicherte. Er erwarb vom ehemaligen Außenminister Graf Berchthold in Nonntal ein Grundstück, auf dem sich auch heute noch der SAK-Platz befindet. 1922 wurde er jedoch aufgrund des im Verein eingeführten Arierparagraphen ausgeschlossen.

Er war auch eines der Gründungsmitglieder des SK Olympia Salzburg, der am 17. Juli 1914 im Hotel Mirabell gegründet wurde.

Er wechselte zum 1. SSK 1919, wo sein Sohn Fritz Morawetz spielte, und wurde dessen Präsident. 1925 gelang es ihm, den jüdischen Verein Hakoah Wien nach Salzburg zu bringen. Hakoah wurde 1925 als erste Mannschaft Meister im österreichischen Profifußball. Die Wiener traten gegen die Reserve des SSK an, was Morawetz zur Zielscheibe von antisemitischen Angriffen machte.

Über seinen Tod herrscht Unklarheit. Nach Erzählungen seines Enkels wurde er in Linz von der Gestapo verhaftet und kam in der Haft ums Leben. Er soll sich zum Deutschen Reich folgendermaßen geäußert haben: "Das ist der Untergang des Abendlandes!" Über eine Inhaftierung konnten jedoch keine Aufzeichnungen gefunden werden.

In der Heil- und Pflegeanstalt Niedernhardt existiert jedoch eine Krankenakte, in der steht, dass er am 9. November 1938 in einem verwirrten Geisteszustand eingeliefert wurde und am 2. Dezember an Gehirnschlag starb. Laut Familienüberlieferungen erfreute sich Morawetz jedoch bester Gesundheit und ist bis zuletzt seinen Geschäften im vollen Ausmaß nachgegangen.

Heute erinnert eine Gedenktafel beim Vereinsgebäude an den ersten Präsidenten in der Zwischenkriegszeit. Sie wurde im Juni 2014 in Anwesenheit seines Enkels feierlich enthüllt.

Quelle

  • Zwischen Provinz und Metropole − Fußball in Österreich − Beiträge zur 1. Salzburger Fußballtagung (Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 2016)

Anmerkungen

  1. Nach Aussagen seines noch lebenden Enkels wurde er 1938 von der Gestapo in Linz festgenommen und kam in der Haft um.