Hans Graf

Aus Salzburgwiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Univ. Prof. Hans Graf (* 15. Februar 1949 in Marchtrenk, Oberösterreich) ist ein österreichischer Dirigent, ehemaliger Leiter des Mozarteum Orchesters und ehemaliger Professor an der Hochschule Mozarteum.

Leben

Hans Graf wuchs im Mostviertel und in Graz auf. Das Talent für die Musik kommt direkt vom Vater, der gegen den Willen seiner Eltern von einem vazierenden Musikanten das Geigespielen lernte und noch mit 28 Jahren die Aufnahmsprüfung ins Salzburger Mozarteum machte.

Die Schulausbildung verdankt Hans Graf einer Volksschullehrerin, die dafür sorgte, dass er in Graz-Liebenau zur Mittelschule geschickt wird; dort wiederum erkennt ein Musikprofessor das musikalische Talent. Das Klavierspielen ist ihm zuerst eine Qual. Den persönlichen Durchbruch bringt erst die Bekanntschaft mit Fugen und Präludien von Johann Sebastian Bach. Plötzlich geht das Üben ganz leicht und noch dazu freiwillig.

Hans Graf pendelte nach dem Studienabschluss in den Fächern Klavier und Dirigieren zwischen verschiedenen Fortbildungskursen, Sommerakademien und seiner Arbeit als Hochschulassistent in Graz. Die Namen der Lehrer, die für seinen Weg zum Dirigenten wichtig waren, purzeln nur so aus ihm heraus - Max Haider, Arvid Jansons, Istvan Cserjan, Ivan Eröd. Einer der wichtigsten dürfte Franco Ferrara gewesen sein, dem er in der "Accademia Chigiana" begegnete. Die Sommerakademie in Siena, Toskana, Italien, heißt so nach dem Conte Chigio Saracini, der ein Palais zur Verfügung stellt. Von Ferrara schwärmt Graf in den wärmsten Worten - von ihm muss er Wesentliches über das Dirigieren gelernt haben.

An der Musikhochschule in Graz unterrichtet er, doch immer wieder reißt er aus, die Lehrtätigkeit liegt ihm nicht. 1972 geht er mit einem Stipendium für ein Jahr nach Leningrad, verliebt sich, heiratet. Nach einem neuerlichen Zwischenspiel in Graz packt er die Gelegenheit beim Schopf und geht 1975 samt Ehefrau Rita und Töchterchen Anna als Chefdirigent des irakischen Nationalorchesters nach Bagdad.

Der Durchbruch kommt 1979 mit dem ersten Preis beim Karl Böhm Wettbewerb. Nach der Entscheidung sagte Böhm zu dem jungen Preisträger: Gelln S', jetzt san Sie, wie die Engländer sag'n, jetzt san Sie overwhelmed. Nach diesem Wettbewerb ist für Hans Graf erst endgültig klar, dass er Dirigent bleiben will. Dazu trägt auch ein Teil des Preises für den Wettbewerbssieger bei: Er dirigiert zwei Mal die Wiener Symphoniker.

Mit diesem Durchbruch kommen die Erfolge und die großen Engagements. Er dirigiert an der Wiener Staatsoper, an Opernhäusern in Berlin, München, Paris und Rom. Er stand am Pult der Wiener Philharmoniker und der Symphoniker, dirigierte bei den Festspielen in Salzburg und Bregenz sowie bei den Wiener Festwochen und beim Festival in Aix-en-Provence, Frankreich. Seine Premiere bei den Salzburger Festspielen feiert er am 18. August 1983 mit einem Orchesterkonzert des Mozarteum Orchesters in der Felsenreitschule, das ein reines Mozartprogramm enthält.

1984 wird Graf Chefdirigent des Mozarteum Orchesters in Salzburg und Musikdirektor des Landestheaters, wechselt nach zehn Jahren 1994 zur baskischen Philharmonie nach San Sebastian in Spanien. 1995 wird Graf Chefdirigent des Calgary Philharmonic Orchestra (CAN), daneben ab 1998 des Orchestre National Bordeaux Aquitaine (F). In Bordeaux, Frankreich, fungiert er zudem als Musikdirektor der Oper. Nach der Übernahme des Chefdirigentenpostens des Houston Symphony Orchestras im Herbst 2001 gab er seine Funktion in Calgary im Herbst 2002 und jene in Bordeaux 2004 ab. Der texanischen Ölmetropole blieb er bis 2013 treu, ist seither "Conductor Laureate".

Als Gastdirigent tritt Hans Graf mit zahlreichen nordamerikanischen Klangkörpern wie dem Boston Symphony Orchestra oder den Sinfonieorchestern von Cleveland, Philadelphia, Pittsburgh, San Francisco und Washington, Toronto und Montreal, sowie dem Los Angeles und New York Philharmonic Orchestra auf. In Europa hat Hans Graf ebenfalls mit zahlreichen großen Orchestern zusammengearbeitet, wie den Wiener Philharmonikern und Symphonikern, Concertgebouw Orkest Amsterdam, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, DSO Berlin, Radio Filharmonisch Orkest Hilversum, Orchestre National de France und Royal Scottish National Orchestra.

Nach seiner Zeit ins Salzburg kehrt Graf, der in der Stadt weiterhin eine Wohnung besitzt, 2006 erstmals als Dirigent auf die Bühne zurück. Eigentlich wollte er nur nach Salzburg kommen, um "seinen Freund" Valery Afanassiev zu hören. Nach dessen plötzlicher Erkrankung während der Proben übernimmt Graf kurzerhand den Taktstock am Pult seines ersten Orchesters. Im Sommer 2013 wird er von den Salzburger Festspielen erstmals nach seinem Weggang 1994 wiederentdeckt. Hier dirigiert er zwei Konzerte der Camerata Salzburg und des Mozarteum Orchesters, sowie - ebenfalls mit der Camerata und dem Salzburger Bachchor - eine ungewöhnliche Opernproduktion von Mozarts "Die Entführung aus dem Serail". Die Inszenierung als Fernseh-Liveübertragung in Koproduktion mit Servus TV war "eine unglaubliche Herausforderung" für den erfahrenen Dirigenten. Während die Sänger im Hangar-7 agierten, musizierten Hans Graf und die Camerata Salzburg im Hangar-8. Die Kommunikation fand teils über Kopfhörer statt. Erst für das Fernsehpublikum fügten sich die Teile der Liveinszenierung zusammen.

2013 bis 2015 war er Professor für Orchesterdirigieren an der Universität Mozarteum Salzburg.

Am 28. Jänner 2018 gewann Hans Graf als Dirigent des Houston-Symphonieorchesters in der Kategorie "Opernaufnahme des Jahres" einen Grammy für seine Opernproduktion "Wozzeck" (Alban Berg).[1]

Diskografie

Hans Grafs Diskografie beinhaltet alle Sinfonien von Mozart und Schubert, die Ersteinspielung von Zemlinskys Oper Es war einmal sowie das komplette Orchesterwerk von Henri Dutilleux mit dem Orchestre National Bordeaux Aquitaine (Arte Nova/SONY).

Mit dem Houston Symphony Orchestra nahm er unter anderem Bartóks Der holzgeschnitzte Prinz (Koch International), Zemlinskys Lyrische Symphonie und die Drei Sätze aus der Lyrischen Suite von Alban Berg sowie Mahlers Lied von der Erde (Naxos) auf.

Zuletzt erschienen die kompletten Werke für Viola und Orchester von Paul Hindemith mit Tabea Zimmermann und dem DSO Berlin (Myrios).

Auszeichnungen

Hans Graf erhielt 2002 die Légion d’Honneur für Verdienste um die französische Musik in aller Welt. 2007 wurde er mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet.

Quellen