Kultur

Grammy für Salzburger Dirigent Hans Graf

Als Dirigent stand Hans Graf bei der Aufführung von Alban Bergs "Wozzeck" durch das Houston-Symphonieorchester am Pult - die Inszenierung bekam den Grammy als beste Opernaufnahme des Jahres.

Hans Graf (l.) und Brad Sayles mit ihren Grammys für „Wozzeck“- SN/APA/AFP/DON EMMERT
Hans Graf (l.) und Brad Sayles mit ihren Grammys für „Wozzeck“-

Das Aufführungsdokument des "Wozzeck" ist nicht nur das packende Psychogramm einer gedemütigten, geschundenen Kreatur ("Der Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt einen, wenn man hinabsieht"), nicht nur eine - schnell und oft allzu verbindlich zu habende - soziale Milieustudie ("Wir arme Leut'"). Das sind ohnedies jene Klischees, die man sowohl mit Büchners "Woyzeck"-Dramenfragment als auch mit Alban Bergs Oper "Wozzeck" sofort assoziiert.

Hier ist "Wozzeck" deutlicher: eine düstere Endzeitvision, ein prophetisches Pandämonium, das vor allem durch die dunkle Glut, die rhetorische Unerbittlichkeit nicht nur im Leidens-, sondern auch im Liebesgestus, eine im außerordentlich textbezogenen Vortrag expressiv ausgestellte Plastizität beglaubigt wird, zu der der Bariton Roman Trekel befähigt ist.

Hans Graf gelingt es mit messerscharfer Präzision, den strengen Bauplan des Werks als kompakte und zugleich luzide Klangarchitektur zu schichten. In den symphonischen Zwischenspielen erreicht er intensive Leuchtkraft in fabelhaft genau aufgetragenen Farben, die er in der "Handlung" mit expressionistischen Schärfen, Schründen, Schroffheiten härtet, ohne den facettenreichen Klang zu verletzen. Das Orchester entfaltet da ein tolles, vielschichtiges Panorama.

Die Männerstimmen - Marc Molomot als Hauptmann, Nathan Berg als Doktor, Gordon Gietz als Tambourmajor, Robert McPherson als Andres - sind glänzend fokussierte Typen, Anne Schwanewilms ist im hochdramatischen (Über-)Druck eine vielleicht etwas zu herbe Marie. Alles in allem aber: Bergs Meisterwerk wird hier zum packenden "Hör-Musik-Theater".

Zehn Jahre - von 1984 bis 1994 - leitete Hans Graf das Mozarteum Orchester. Danach verschlug es ihn auf die andere Seite des Atlantik. Er war Chefdirigent in Calgary und war ab 2001 Chef in Houston, dirigierte in allen großen Häusern der Welt. Salzburg war - und bleibt es weiterhin - "ein Ort, an dem ich gern bin, so etwas wie ein Ort des Rückzuges".

Im Sommer 2013 kehrte er mit drei Programmen zu den Salzburger Festspielen zurück. 2013 bis 2015 war er Professor für Orchesterdirigieren an der Universität Mozarteum Salzburg.
Klavier und Geige lernte der gebürtige Oberösterreicher als Kind. Und dann als Jugendlichem wurde ihm klar, dass das Repertoire für Klavier "auch schön ist, aber man als Dirigent ein noch viel weiteres Spektrum hat". "Da war klar. Das will ich machen", sagt er. Doch dass es mit einer Karriere "tatsächlich etwas werden könnte", hat er nach dem Studium bald nicht mehr recht geglaubt. In Bagdad beim Irakischen National Orchester heuerte er an. Eher nicht eine der ersten Adressen im Geschäft. Viele fragten, was er dort wolle. "Lieber irgendwo etwas arbeiten können, als nur warten", sagt er heute, Außerdem musst er dort zehn Konzertprogramm erarbeiten. "Das ist ja nicht schlecht, wenn man das ins Gepäck legen kann." Und nach Bagdad sah's wieder schlecht aus. Dann nahm er am Karl-Böhm-Wettbewerb teil, gewann und war plötzlich "irgendwie mittendrin". Zwei Konzertprogramm - das war der Siegerpreis. Da klinge vielleicht nach wenig, aber: "Ich hatte Zeit, mich richtig gut vorzubereiten", sagt er.

Quelle: SN

Aufgerufen am 21.03.2019 um 11:08 auf https://www.sn.at/kultur/grammy-fuer-salzburger-dirigent-hans-graf-23553883

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