Internationale Alpenfahrt 1911

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Der Austro Daimler Alpenwagen 1911
Bilder von der Radstädter Tauernstraße. Zu erkennen ist im Bild rechts unten das Tauernkirchlein am Radstädter Tauernpass und das Tauernhaus Wisenegg.
Startnummer 33 - Direktor Ferdinand Porsche, Austro Daimler.
Startnummer 34 - Eduard Fischer, Direktor der Austro-Daimler-Werke in Wiener Neustadt, Austro Daimler.
Alexander Graf Kolowrat-Krakowsky in einen "Laurin & Klement".

Die Internationale Alpenfahrt war einer der frühesten Automobilwettbewerbe. Veranstaltet vom k. k. österreichischen Automobilklub fand die erste Alpenfahrt 1910 statt.

Geschichte

Die Alpenfahrt ist älter als die viel berühmtere Rallye Monte Carlo. Sie wurde als eine der härtesten Rallyes in Europa bezeichnet, die vor dem Ersten Weltkrieg ausgetragen wurde. Der Automobil-Ingenieur und -Historiker Freiherr von Löw stellte 1924 dazu fest:

Die Alpenfahrten [...] in den Jahren 1911, 1912, 1913 und 1914 waren die bedeutendsten Wettbwerbe von Tourenwagen, die je veranstaltet worden sind, weil unter strengster Aufsicht Forderungen an die Fahrzeuge gestellt wurden, wie sie in früheren Wettstreiten nicht vorgekommen sind. Es wurden an ungefähr 8 Fahrtagen annähernd zusammen 3000 km zurückgelegt. Der Motor durfte vom Morgen bis zum Abend nicht abgestellt werden, auch nicht bei Bereifungsschäden oder Felgenwechsel. Die Wagen mussten im Freien übernachten und sich morgens innerhalb einer Minute andrehen lassen. Die Strassen waren die steilsten und die Pässe die höchsten, die sich in den östlichen Alpen zusammenstellen liessen: Katschberg, Kreuzberg, Turracher Höhe, Loibelpass, Wurzenpass, Pordoijoch, Rollepass, Broconnepass, Felzaregopass, Mendelpass, Jaufenpass u. a. Oft waren besonders schlechte Wege mit Hunderten von tiefen Querrastem gewählt, die bei den erheblichen Fahrgeschwindigkeiten (es waren an jedem Tage ungefähr 400 km zurückzulegen) ungeheuere Beanspruchungen an Federn und Hinterachsenantrieb erzeugten.[1]

Alle fünf Rennen von 1910 bis 1915 wurden vom Eisernen Team von Austro Daimler gewonnen: Heinrich Schönfeldt, Ferdinand Porsche und Eduard Fischer. Nach dem Ersten Weltkrieg konnte die Veranstaltung nicht mehr finanziert werden. 1921 und 1922 gewann ebenfalls wieder Heinrich Schönfeldt. Mit der Teilnahme von verschiedenen Automobilklubs wurde eine «Internationale Alpenfahrt» von 1928 bis 1936 organisiert. Die Rallye ging durch Österreich, die Schweiz, Frankreich, Italien und Deutschland. Die erste «Österreichische Alpenfahrt» nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Jahr 1949 ausgetragen und bis 1965 fuhren vor allem Motorräder die Rallye (aus wirtschaftlichen Gründen). 1961, 1962 und 1966 gelang es Werner Salevsky, auf MZ den Alpenpokal in die DDR zu holen, in diesen Jahren nahmen MZ-Maschinen allgemein eine siegreiche Rolle ein. Von 1965 bis 1973 bildeten Autos wieder die Mehrheit in der Eintragsliste.

Internationale Alpenfahrt 1911

Bei der Alpenfahrt 1911, die vom 13. bis 16. Mai stattfand, mussten 1 500 Kilometer durch die Alpen mit acht Pässen ohne Pause absolviert werden. Dabei sollten keine Motorschäden auftreten, keine Zündkerzen verölen, sich Schrauben oder andere Teile vom Fahrzeug lösen. Ohne Pause ist so zu verstehen, dass die Teilnehmer Etappe bzw. Teiletappen ohne Halt und Reparaturen zurücklegen mussten. Bei den einzelnen Halts für Mittagessen und Übernachtung wurden die Fahrzeuge in sogenannten Parc fermés, also abgeschlossenen Parkplätzen abgestellt, die Sportkommissaren überwacht wurden, damit keine unerlaubten, technischen Änderungen oder Reparaturen vorgenommen werden konnten.

Insgesamt 51 Teilnehmer gingen an den Start. Davon waren elf mit einem Austro Daimler (zehn mit österreichischem Austro Daimler, einer mit englischem Austro Daimler) gestartet.

Am 12. Mai fand die technische Abnahme der Fahrzeuge am Heumarkt in Wien statt. Die erste Etappe am 13. Mai führte 315 Kilometer von Wien über Linz an den Traunsee, nach Bad Ischl und über den Pötschenpass nach Bad Aussee.

Am nächsten Tag, den 14. Mai, startete die zweite Etappe über 404 Kilometer nach Triest im österreichischen Küstenland. Es ging bei eisigen Frühtemperaturen hinunter ins Ennstal und über Mandling - Radstadt - Untertauern - Tweng - Mauterndorf - St. Michael, den Katschberg durch das Kronland Salzburg.[2] Die Rallye führte durch Kärnten und über den Wurzenpass in die Krain, durch die Julischen Alpen über den Predilpass nach Görz zum Etappenziel Triest.

303 Kilometer standen am 15. Mai, der dritten Etappe, von Triest über den Monte Maggiore, Loiblpass nach Klagenfurt am Programm. Die letzte Etappe am 16. Mai führte dann über 405 Kilometer wieder nach Wien zurück.

Der wichtigste Trophäe, die es bei einer Alpenfahrt zu gewinnen gab, war der Teampreis. Diesen gewann 1911 das Team von Austro Daimler.

Der k. k. österreichische Automobilklub hatte folgende Preiszuerkennungen für Austro-Daimler-Teilnehmer entschieden:

  • Die große silberne Medaille für punktelose Zurücklegung der Strecke: für Dir. Ferdinand Porsche, Direktor Eduard Fischer, Heinrich Graf Schönfeld und R. Brand;
  • Das Diplom des österreichischen Automobilklubs für jene, die die Fahrt ordnungsgemäß zurückgelegt hatten: Porsche, Fischer, Graf Schönfeld, Brand, Popovicz, Villeroy, Lapp und Severin Schreiber;
  • Den Teampreis, das ist die silberne Medaille für jene, die mit drei eigens hiefür genannten Wagen die Fahrt absolvierten, erhielt die österreichische Daimler-Motorenfabrik in Wiener Neustadt.
  • Den Ehrenpreis des Markgrafen Pallavicini für das ordentliche Mitglied des O.A.C. gelangte unter Direktor Fischer, Direktor Porsche und Graf Schönfeld zur Auslosung.
  • Den Ehrenpreis des Herrn Theodor Dreher für jenes Mitglied des Freiwilligen Automobilkorps, das die Fahrt am besten absolvierte, erhielt Dir. Fischer.[3]

Mit dabei war auch Alexander Graf Kolowrat-Krakowsky mit einer "Laurin & Klement".[4] sowie Johann Puch, Gründer der Puch-Werke Graz.

Sonderausstellung 2019

"Der Alpenwagen" war der Titel einer Sonderausstellung in den Ferdinand Porsche Erlebniswelten fahr(T)raum Mattsee, die vom 6. Juni bis 27. September 2019 zu sehen ist.

Bildergalerie

Quellen

Einzelnachweise

  1. Quelle wikipedia-de "Alpenfahrt": Zitiert nach von Löws Klassiker Das Automobil, C. W. Kreidel's Verlag 1924, 5. Auflage, S. 181. Von Löw beruft sich im Wesentlichen auf österreichische, deutsche und europäische Automobilzeitschriften und -zeitungen.
  2. Quelle ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 27. April 1911, Seite 6
  3. Quelle ANNO, Grazer Volksblatt, Ausgabe vom 18. Mai 1911, Seite 4
  4. Quelle ANNO, Österreichische Fahrrad- und Automobil-Zeitung, Ausgabe vom 25. März 1911, Seite 13