Ferdinand Porsche Erlebniswelten fahr(T)raum Mattsee

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Austro Daimler »Prinz Heinrich« (Prinz-Heinrich Automobil-Tourenfahrt)
Karte
Ernst Piëch (links) und Elisabeth Piëch (rechts)
Konkurrenten von einst am Kaimann Formel Super Vau, Baujahr 1974 von Karl Holzinger: links vorne "Masta" Kurt Bergmann ("Kaimann-Team") und rechts vorne Ernst Piëch ("Austro-Vau-Team Alpenstraße")

Ferdinand Porsche Erlebniswelten fahr(T)raum Mattsee ist ein technisches Museum für historische Fahrzeuge in der Flachgauer Gemeinde Mattsee, das 2013 eröffnet wurde.

Entstehung

Der Mattseer Bürgermeister Matthäus Maislinger berichtete Ende 2011, dass Ernst Piëch, der Enkel von Autokonstrukteur Ferdinand Porsche, das Areal der ehemaligen Paul-Green-Schuhfabrik im Frühjahr 2011 gekauft hatte und beabsichtigt, seine Oldtimer dort auszustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Idee dazu war von Ernst Piëch gekommen, der schon seit vielen Jahren ein Haus in Mattsee bewohnt. Er sammelt Autos aus der Vorkriegszeit. Unter anderem Wagen der Marke Austro Daimler, die von seinem Großvater konstruiert wurden.

Ab dem Winter 2012 wurde die alte Fabrik saniert. Am 15. Juni 2013, auf den Tag genau 65 Jahre nachdem der erste Porsche unter der Konstruktionsnummer 356 in Gmünd in Kärnten von Ferdinand Porsche angemeldet worden war, eröffnete dieses Museum. Neben den Oldtimern macht das Museum auch Autotechnik erlebbar und bietet für Jung und Alt die größte Carrera-Rennbahn des Landes oder auch Rennsimulatoren an. Eine gesonderte Ausstellung ist historischen Traktoren im Traktor-Stadl gewidmet. Einige der Oldtimer stehen das ganze Jahr über für Ausfahrten zur Verfügung.

Rund 20 Automobile der Baujahre 1901 bis 1929 besitzt Piëch, von denen 2011 zwei in England standen, der Rest in Ennsdorf (Oberösterreich). Darunter ein Austro Daimler 28/32 aus dem Jahr 1908, der Erzherzog Ferdinand Salvator gehörte. Der älteste Wagen ist ein Lohner Porsche (1901), ein Hybridauto mit Elektro- und Verbrennungsmotor.

Automobile

Die Automobile, die das Team rund um Ferdinand Porsche entwickelte, setzten in vielen Bereichen Meilensteine. So z. B. der Austro Daimler »Prinz Heinrich«, der von erster Stunde an als Rennauto konzipiert wurde. Der Erfolg war entsprechend fulminant. Bei der anspruchsvollen Prinz Heinrich-Fahrt in Deutschland über 1 944 Kilometer im Jahr 1910 gewann der erste richtige Sportwagen der Welt aus Österreich das Rennen. Zusätzlich ging die Hälfte der Sonderpreise an das von Ferdinand Porsche angeführte Werksteam. Mit Doppelzündung aus Gründen der Zuverlässigkeit konnte es der Motor in der Literleistung mit den Besten seiner Zeit aufnehmen.

1901: Lohner-Porsche Mixte

Lohner Porsche

Dieses einstige technische Wunderwerk eines Elektro-Automobils mit Radnaben-Motoren beeinflusst bis heute die Hybrid-Antriebskonzepte. Ferdinand Porsche war erst 25 Jahre alt, als er seine Zukunft und die des Wiener Wagenbauers Ludwig Lohner mit seinem neuartigen Elektro-Antriebskonzept aufs Spiel setzte. Indem er Antriebsmotoren in die Vorderräder einbaute, erhielt Porsche einen fahrstabilen Vorderradantrieb und zusätzlich ein Vierrad-Bremssystem, da sich der Wagen mit den Motoren auch abbremsen ließ. Der Elektroantrieb eignete sich zur getriebelosen Kraftübertragung, wie beim Modell »Mixte« von 1901 gezeigt, der Benzinmotor betrieb allein den Stromgenerator.

Unter den Technikern der Firma Bela Egger & Co. in Wien, die Porsche unterstützten, befanden sich Ingenieur Hösel, der die Motoren konstruierte und Konstruktionschef Otto Grünwald.

1908: Austro Daimler 28/32

Es war erst Ferdinand Porsches zweite konventionelle Automobilkonstruktion, doch dieser 28/32 stand bei einem Erzherzog in Diensten. Der Diplomat und Geschäftsmann Emil Jellinek hatte die Firma Austro Daimler in Wiener Neustadt übernommen und engagierte im Jahr 1906 Ferdinand Porsche. Dieser entwarf für die Modellpalette 1908 den Typ 28/32, der später unter der Bezeichnung 28/36 geführt und schließlich ab 1912 als 18/38 das Hauptmodell im Austro Daimler-Angebot wurde. Im Dezember 1907 kaufte Erzherzog Leopold Salvator, der Generalinspekteur der k.u.k. Artillerie, diesen herrlichen 28/32 mit dem Stadtwagen-Aufbau der Karosseriefirma Cerny.

Bei Austro Daimler spielten Konstrukteur Otto Köhler sowie die Fertigungs-Techniker Otto Stahl und Oswald Kux eine wichtige Rolle in der Zusammenarbeit mit Ferdinand Porsche.

1910: Austro Daimler »Prinz Heinrich«

1910 Austro-Daimler mit Prince Henry als Beifahrer

Als überlegener Sieger der Prinz Heinrich-Fahrt 1910 gilt dieses fabelhafte Automobil als einer der ersten richtigen Sportwagen der Welt.

Ferdinand Porsche hat diesen eindeutig für den Renneinsatz konzipierten Austro Daimler nicht nur entworfen sondern auch selbst das Werksteam angeführt, das bei der anspruchsvollen Prinz Heinrich-Fahrt in Deutschland über 1 944 Kilometer die ersten drei Plätze belegte und die Hälfte der 16 Sonderpreise gewann. Mit Doppelzündung aus Gründen der Zuverlässigkeit konnte es der Motor in der Literleistung mit den Besten seiner Zeit aufnehmen.

Das Fahrzeug in der Ausstellung ist einer von zehn gebauten Werkswagen, er wurde später mit einer Kardanwelle anstelle des Kettenantriebs ausgestattet. Bei diesem wie auch seinen anderen Projekten bei Austro Daimler hatte Ferdinand Porsche die volle Unterstützung von Generaldirektor Eduard Fischer, der ebenfalls selbst an Rennen teilnahm.

1911: Austro Daimler 14/28 »Kaiserwagen«

Franz Joseph I., Kaiser von Österreich-Ungarn, war einer der Ersten der sich an Porsches letztem Vorkriegsmodell erfreute.

Angeboten als »Der Tourenwagen für Stadt und Land«, war der Typ 14/28 der letzte neue Austro Daimler, den Ferdinand Porsche vor dem Ersten Weltkrieg schuf. Mit einem Aufbau der Wiener Karosseriefirma Jacob Lohner versehen, wurde dieser 14/28 vom Österreichischen Automobil-Club Kaiser Franz Josef zum Geschenk gemacht. »Ein Kaiser beugt sein Haupt nur vor Gott allein« - deshalb wurde das Dach so hoch gesetzt, dass Franz Josef aufrecht in das Passagier-Abteil einsteigen konnte.

Nach ihren früheren gemeinsamen Abenteuern mit den Elektrowagen führte Ferdinand Porsche die Zusammenarbeit mit Ludwig Lohner von der Firma Jacob Lohner & Co., dem Erbauer dieser großartigen Karosserie, weiter.

1919: Austro Daimler 14/35

Es blieb nichts anderes übrig, als alten Wein in neue Schläuche abzufüllen, um Austro Daimler wiederzubeleben. Ferdinand Porsche beeilte sich mit der Einführung neuer Modelle auf der Grundlage seiner Konstruktionen aus den Jahren 1910/1911. Auf diese Weise wurde 1919 aus dem frühen Typ 14/32 der 14/35, später einfach als Typ 35 PS bezeichnet. Die Nachkriegsausführung bekam einen markanten aufrecht stehenden Spitzkühler, der mit seinem abgerundeten Oberteil einen eleganten Übergang zur Motorhaube ermöglichte.

Ferdinand Porsche präsentierte seinen Typ 14/35 erstmals 1920 auf der Automobilausstellung in Prag. Das Chassis eignete sich sowohl für gediegene Stadtwagen-Aufbauten als auch für spartanische Wettbewerbsfahrzeuge. Der 3,6 l-Typ 14/35 spielte für Austro Daimler eine bedeutende Rolle im Sportgeschehen, insbesondere die »Alpenwagen«- Ausführungen mit Werksfahrer Josef Wetzka am Steuer.

Ein russischer Prinz hatte 1914 beim englischen Karosseriebauer Harrington diesen Roadster auf Basis des 14/35 Chassis in Auftrag gegeben. Das Resultat war ein entzückender Zweisitzer mit umklappbarer Windschutzscheibe und Faltdeck. Das seitlich montierte Reserverad ist ein nettes Detail ebenso wie Harringtons Idee, Schalt- und Bremshebeln an der Innenwand der Karosserie zu verstecken. Es kam jedoch der Krieg dazwischen und dazu 1917 die Revolution in Russland. Harrington konnte den Prinzen nicht mehr ausfindig machen, sein ausgezeichneter Geschmack blieb als einzige Erinnerung an ihn.

1922: Sascha ADS-R

Sascha Kolowrat in seinem Austro-Daimler bei der "Targa Florio" 1922

Der legendäre Sascha-Rennwagen: Die vier kleinen Rennwagen, die Ferdinand Porsche zum Einsatz brachte, waren schnell und ausdauernd genug um den Anforderungen der Targa Florio in Sizilien standhalten zu können. Die AAZ in Wien schrieb, Austro Daimler könne »vollkommen zufrieden sein mit der Leistung ihres kleinen Wagens im ersten internationalen Rennen des Jahres.« 

Der ADS-R war entstanden um Werbung für den 1,1 l-Serienwagen zu machen, den Austro Daimler nach Ferdinand Porsches Ansicht dringend benötigte. Der Rennwagen wartete mit so fortschrittlichen Details auf wie zwei obenliegenden Nockenwellen, erleichtertem Ventilantrieb und zwei Benzintanks unter dem Wagenboden um den Fahrzeugschwerpunkt tief zu halten.

Finanzielle Unterstützung für Ferdinand Porsches Kleinwagen-Projekt kam von seinem Freund, dem wohlhabenden Filmproduzenten Alexander »Sascha« Kolowrat aus Wien, nach dem die Wagen benannt wurden.

1923: Austro Daimler AD 617 »Jagdwagen«

Dieser AD 617 stand in Diensten des schwedischen Königshauses nachdem er von Ferdinand Porsche zu Jagdausflügen an den Wochenenden benutzt wurde.

Ursprünglich als Versuchswagen gebaut, führte dieser AD 617 ein abwechslungsreiches Leben. Die Flugzeugfirma ÖFFAG in Wiener Neustadt hatte die Karosserieaufbauten komplett aus Holz angefertigt, einschließlich der Rundungen am typischen Tonneau-Heck. Ferdinand Porsche übernahm den Wagen für Ausfahrten mit Familie und Haustieren zu seinem Jagdhaus. Die Standarten-Halterungen erinnern bis heute an den späteren Einsatz in Schweden, als königliche Jagdgäste durch die Wälder gefahren wurden.

Die Österreichische Flugzeug-Fabrik Aktiengesellschaft ÖFFAG wurde ebenso wie Austro Daimler vom Bankier Camillo Castiglioni kontrolliert und von Ferdinand Porsche geführt.

1929: Austro Daimler ADR »Torpedo«

Eine aufregend gestaltete Sportwagen-Karosserie auf einem verkürzten Chassis des ADR, passend zum Fahrer, dem Bergmeister Hans Stuck.

Für den groß gewachsenen, genialen Rennfahrer Hans Stuck hatte Austro Daimler einen leichter gemachten und leistungsgesteigerten Rennwagen auf Basis des ADM III Sport vorbereitet. Im eifrigen Wettstreit sowohl mit Steyr als auch Mercedes-Benz siegte Stuck bei 46 Bergrennen und fuhr 41 Tagesbestzeiten. Keine Türen, schlanke Kotflügel, das Spitzheck und die zwei Kopfstützen ließen diesen ADR mit seiner »Torpedo«-Karosserie zu einem äußerst auffälligen Straßenwagen für Stuck werden. Hans Stuck stand im Rampenlicht, doch den beiden anderen Werksfahrern Josef Wetzka und Fritz Haiden gebührt Anerkennung für die Vorbereitung und eingehende Erprobung seines einzigartigen Austro Daimler Rennwagens.

1931: Steyr 30

Ferdinand Porsches vollkommen neuer Motor für den Typ XXX oder »Dreissiger« setzte neue Maßstäbe für Steyr und Hersteller in ganz Europa.

Nach dem Weggang von Daimler-Benz kehrte Ferdinand Porsche Anfang 1929 nach Österreich zurück um für die Firma Steyr tätig zu werden. Für seine frühere Konkurrenz schuf er einen neuen Leichtmetall-Sechszylinder, der nach Meinung von Fachleuten »in Österreich und Deutschland als Vorbild für leistungsstarke Serienmotoren mit hoher Lebensdauer diente«. Erheblich leichter und einfacher herzustellen als seine Vorläufer, blieben der Steyr XXX und seine Nachfolgemodelle bis 1939 in Produktion. Ferdinand Porsche bat Karl Rabe, Austro Daimler zu verlassen und sich ihm in Steyr anzuschließen, wo er auf eine fähige Mannschaft von Konstrukteuren mit Josef Kales, Karl Fröhlich und Josef Zahradnik treffen sollte.

1938: KdF-Wagen »Volkswagen«

Unter dem Einfluss staatspolitischer Zielsetzungen wurde Ferdinand Porsches Konzept eines »Volkswagens« zum Meisterwerk für mehrere Generationen.

Die hohen Anforderungen staatlicher Dienststellen in Bezug auf gute Fahrleistungen und extreme Haltbarkeit bei gleichzeitig niedrigem Preis konnte Ferdinand Porsches Typ 60 erfüllen und wurde zur herausragenden Kleinwagen-Konstruktion seiner Epoche, entstanden im 1931 gegründeten Porsche-Konstruktionsbüro. Dieses Exemplar stammt aus der ersten Vorserie der endgültigen Ausführung von 1938. Im Zeitraum 1945 bis 2003 wurden insgesamt 21.529.464 VW »Käfer« hergestellt.

Unter der Leitung von Ferdinand Porsche und Karl Rabe bekam der Typ 60 den Motor von Franz Xaver Reimspiess, die Radaufhängungen von Karl Fröhlich, die Drehstab- Federung von Josef Mickl und die Karosserie von Erwin Kommenda.

Traktoren

Im Mai 2014 wurde der fahr(T)raum durch einen »Traktor-Stadl« erweitert. Die neue Dauerausstellung thematisiert die Mechanisierung der Landwirtschaft, die das bäuerliche Leben in den 1950er- und 1960er-Jahren wandelte. Der Automobilkonstrukteur Ferdinand Porsche befasste sich bereits ab 1915 mit der Motorisierung der Landwirtschaft und entwickelte den Volksschlepper, von dem 1938 die ersten Prototypen gebaut wurden.

In Zusammenarbeit mit der Firma Allgaier kam 1950 eine Weiterentwicklung, der erste Dieselschlepper »System Porsche« auf den Markt, der mit vielen technischen Neuheiten, wie Luftkühlung, Leichtbauweise und ölhydraulische Kupplung, die ganze Landwirtschaft begeisterte.

Es dürfte viele Menschen überraschen, dass unter dem für Sportwagen bekannten Markennamen Porsche auch Traktoren erfolgreich konstruiert und vertrieben wurden. Im »Traktor-Stadl« werden Allgaier und Porsche-Diesel Modelle, gemeinsam mit Fahrzeugen des Oldtimer-, Traktoren- und Landmaschinenvereins Mattsee in einem Ambiente präsentiert, das an einen lauen Sommerabend am Bauernhof erinnert.

Sonderausstellungen

Sonderausstellungen, von denen es im Salzburgwiki Beiträge gibt:

Adresse

Passauerstraße 30
5163 Mattsee

Öffnungszeiten

April-Oktober
Täglich 10:00–18:00 Uhr
November-März
Täglich 10:00–17:00 Uhr

Videos

Bilder

 Ferdinand Porsche Erlebniswelten fahr(T)raum Mattsee – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Quellen

  • Homepage
  • Pressetexte des Museums, abgefragt am 10. März 2017

Weblinks