Kalkbrennen

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Modell eines Kalkbrennofens im Heimatmuseum Schloss Ritzen in Saalfelden
Kalkofenruine am alten Weg von der Embachkapelle nach Ferleiten
Kalkofenruine am alten Weg von der Embachkapelle nach Ferleiten
Installation auf der Kalchkendlalm, eine Reminiszenz an den dort gepflegten bäuerlichen Zuerwerb Kalkbrennen. Rechts oberhalb des Pinzgauer Zaunes der stillgelegt Kalksteinbruch, links einer der beiden ehemaligen Hangmeiler
1996 wiedererrichteter Kalkbrennofen, Baujahr 1900, in Neukirchen am Großvenediger, Sulzau, Kalchhüttn
Erläuterung des Entstehungsprozesses beim wiederhergestellten Kalkbrennofen in Neukirchen, Sulzau Kalchhüttn

Kalkbrennen hat im Land Salzburg eine lange Tradition, die in römischer Zeit beginnt.

Anekdote

Eine bei einer Wanderung entdeckte Ruine im Fuscher Tal am alten Weg zwischen Embachkapelle und Ferleiten weckte die Fantasie. Die Reste eines Ofens, womöglich gar eines prähistorischen Schmelzofens?? Die darauf folgende Begehung mit Clemens Eibner, Archäologe und Bergbauexperte, brachte die Ernüchterung: aus dem Schmelzofen wurde schnell ein Kalkbrennofen. Professor Eibner nahm`s gelassen und das Interesse der Wandererin war geweckt…

Geschichte

Die ältesten im Salzburger Land aufgefundenen Mauerreste mit Mörtel auf Kalkbasis stammen aus römischer Zeit. Der für diese Bauweise erforderliche „Branntkalk“ konnte aus dem in der Region vorkommendem Karbonatgestein durch Brennen gewonnen werden. So wurde z. B. am Ostfuß des Kapuzinerberges bis ins 18. Jahrhundert Dolomit abgebaut und als Rohstoff für das Kalkbrennen eingesetzt. Das Kalkbrennen war wahrscheinlich ab dem 2. Jahrhundert in ganz Salzburg bekannt und wurde bei Bauwerken von Bedeutung eingesetzt. Reste von Feldöfen aus späterer Zeit wurden an vielen Stellen aufgefunden.

Das Kalkbrennen

Für den mehrstufigen Prozess des Brennens war eine entsprechende Planung und Vorbereitung unumgänglich. Es musste der Standort des Ofens oder Meilers ausgewählt, das Rohmaterial gewonnen und transportiert, der Ofen gebaut, das Rohmaterial in den Ofen eingeschlichtet und das Brennmaterial bereitgelegt werden.

Standort, Rohstoff, Brennmaterial

Für das Kalkbrennen benötigte man einerseits das entsprechende Rohgestein und andererseits das geeignete Brennmaterial. Für Abbau und Auswahl des Gesteins war weniger die Qualität an sich, sondern mehr die Vergleichbarkeit des Materials wichtig, damit der chemische Prozess erfolgreich ablaufen konnte. Karbonatgestein kommt in unterschiedlich großen Vorkommen an vielen Stellen vor, auch in der Form von Findlingen und als Flussgeröll. Entscheidend war aber weniger der Ort des Gesteinsvorkommens sondern mehr das Vorhandensein des Brennmaterials, da seine Beschaffung und vor allem der Transport wesentlich aufwendiger war.

Das Gestein wurde früher mit Brecheisen, Schlägel und Meißel gebrochen, später gesprengt. Als Brennmaterial benötigte man Unmengen von gutem Holz mit hohem Brennwert, z. B. Buche, die auch Innergebirg an mehreren Stellen vorkommt. Die Auswahl des Rohstoffes und des Standortes des Feldofens waren für die entstehenden Kosten und ein zufriedenstellendes Ergebnis entscheidend.

Ofenbau und Beschickung mit Rohmaterial

Der Brennvorgang erfolgte entweder in Schachtöfen unterschiedlicher Bauart oder in Meilern. Die Errichtung eines Schachtofens war ja nicht in jedem Fall rentabel. Kleinere Mengen an Branntkalk wurden trotz des größeren Brennmaterialbedarfes eher in einem sog. Meiler hergestellt, für den man nur eine Art Grube benötigte. Auch Öfen wurden gerne in Geländestufen hinein gebaut, da der Grad der Isolierung wichtig war. Alle Öfen hatten eine zentrale Feuerstelle.

Der Bau des Ofens oder die Errichtung eines Meilers und die Beschickung mit Rohmaterial erforderte große Erfahrung und Sorgfalt. Neben der ähnlichen Qualität und Größe der Rohsteine war die gleichmäßige Verteilung der Hitze wichtig. Die Nähe zum Feuer und die Zwischenräume mussten bei der Aufschichtung unterschiedlich großer Gesteinsblöcke bedacht werden, damit alle die nötige Glühtemperatur erreichen konnten. Der gleichmäßige Durchbrand war das Ziel. Neben der Beachtung von Größe und Zwischenräumen wurde sog. Pfeifen in den Ofenschacht eingebaut, das waren vertikale Hölzer, die verbrannten und für Durchzug sorgten. Der Ofenschacht hatte meist einen ovalen Grundriss, die Bauweise der Öfen war aber insgesamt sehr unterschiedlich. Selbst innerhalb kleiner Regionen fanden sich unterschiedliche Konstruktionen, alle mit dem Ziel des bestmöglichen Durchbrandes. Die erforderliche Temperatur lag bei ca. 1000 Grad Celsius.

Das Produkt des Brennvorgangs

Der Stückkalk war das Endprodukt des Brennvorganges. Er war leichter als der Rohstein, aus dem er durch Brennen gewonnen worden war und nicht unbegrenzt lagerbar, da er aus der Luft Wasser und CO² aufnimmt. Er musste daher sehr schnell zum Verbraucher geliefert werden. Der Abnehmer des Stückkalkes löschte den Kalk, ein weiterer chemischer Prozess, der aufgrund der Reaktion des Stückkalkes auf das Löschwasser für Beobachter interessant, aber auch nicht ungefährlich war. Der Branntkalk entwickelt beim Löschen eine Temperatur um 100 Grad Celsius und scheint förmlich zu kochen. Aus dem gelöschten Branntkalk wurde sog. Löschkalk und aus diesem der „Sumpfkalk“. Das Kalklöschen war noch in den Nachkriegsjahren Brauch. Es erfolgte entweder direkt an der Baustelle oder in einem Kleingewerbebetrieb, z. B. im Baustoffhandel. Das Löschen erfolgte durch Zugabe von Wasser. Auch hier waren Erfahrung und Können Voraussetzung für ein gutes Endprodukt. Der gelöschte Kalk wurde in Gruben gelagert (eingesumpft) und musste regelmäßig gepflegt werden. Diesen Sumpfkalk verwendete man für die Mörtelerzeugung. Heute bekommt man die fertige Ware in Säcken und hat eigentlich keine Ahnung mehr, wie die Stoffe entstehen und welche Mühe und welches „know how“ früher erforderlich waren.

Wer hat Kalk gebrannt?

Es gab zwei Gruppen von Kalkbrennern, nämlich gewerbliche Kalkbrenner und Bauern, die den Kalk für den Eigenbedarf und als Neben- oder Zuerwerb brannten. Letztere konnten besonders in Gegenden mit vorwiegender Viehwirtschaft, wie es im Pinzgau der Fall war, auf oft zahlreiche Dienstboten zurückgreifen, die im Winter weniger zu tun hatten und zum Kalkbrennen und den damit verbundenen Transporten eingesetzt werden konnten.

Quellen

Herbst, Hubert, „Kalkbrennen im Lande Salzburg – Die Geschichte der Kalkbrennerei von den Römern bis zur Gegenwart“, Veröffentlichungen des Salzburger Freilichtmuseums, Band 11, Großgmain