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Großvenediger

Histor. Darstellung einer Großvenedigerbesteigung auf einer Postkarte, die 1913 versandt wurde
Großvenediger. Zoomaufnahme von der Resterhöhe oberhalb von Mühlbach im Pinzgau
Großvenediger, Zoomaufnahme vom Frühmesser
Großvenediger, Untersulzbachkees und Kleinvenediger. Zoomaufnahme v. Maurerkogel
Großvenediger mit Rainerhorn und Hohe Aderl

Der Großvenediger war mit 3 657 m ü. A. (Messung 2014, früher 3 674 m ü. A.) der höchste Berg im Bundesland Salzburg und befindet sich in den Hohen Tauern nahe der Grenze des Bundeslands Salzburg bereits in Osttirol.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Später Sieg nach mehreren Anläufen

Bestiegen wurde der seit 1797 unter diesem Namen verzeichnete Berg vergleichsweise spät, wenn man bedenkt, dass 1800 bereits Menschen auf den Großglockner gelangt waren. Der Bramberger Förster Paul Rohregger machte 1810 den ersten Versuch im Alleingang, erreichte den 3 468 Meter hohen Kleinvenediger und musste erst in Gipfelnähe wegen einer unüberwindbaren Gletscherspalte und des dichten Nebels umkehren. Erzherzog Johann von Österreich, Enthusiast der Ländlichkeit und der Berge, unternahm 1828 mit einer 15-köpfigen Gruppe den zweiten Anlauf über die vergletscherte Nordwestwand. Er musste mit seinen sechzehn Männern kurz vor dem Ziel wegen eine Eislawine umdrehen. Ebenfalls dabei war Paul Rohregger, der von einer Lawine erfasst und leicht verletzt wurde.

Erstbesteigung

Es waren drei junge Wiener, deren Erstbesteigungspläne 1841 den damaligen Mittersiller Gerichtspfleger Ignaz von Kürsinger veranlassten, den Gipfelsieg in einer Annonce in der Salzburger Zeitung zu einer "nationalen Angelegenheit des Oberpinzgaus" zu erklären, damit die "Weltalte Majestät, die höchste Zinne des Landes, von den Söhnen unseres Tales erklommen wird." 40 Bergsteiger, neben den erhofften Oberpinzgauern auch die drei Wiener, folgten dem Aufruf. 26 von ihnen kamen bis zum Gipfel, als erster der als "Hausstatter Sepp" bekannte Führer, danach auch Kürsinger, die drei Wiener und Paul Rohregger - inzwischen 67 Jahre alt und Vater von 16 Kindern - mit Sohn. Die beiden errichteten im Jahr darauf auch den ersten Unterstand im hochalpinen Gelände.

Die Erstbesteigung war als politische Demonstration inszeniert worden. Nach Aufrufen in Zeitungen nahmen 40 Männer teil, darunter Josef Freiherr Lasser von Zollheim. Die Erstbesteigung dann erfolgte am 3. September 1841.[1] Es war eine richtige Expedition, bestehend aus 40 Teilnehmern, die vor allem auf Betreiben von Ignaz von Kürsinger zustande gekommen war. Die Expedition stand unter der Leitung von Ignaz von Kürsinger und Dr. Anton von Ruthner, der als erster Tourist den Gipfel betreten hat. Die Expedition stieg von Neukirchen am Großvenediger, durch das Obersulzbachtal über die Stierlahnerwand. 26 Teilnehmer der 40-köpfigen Mannschaft erreichten den Gipfel, die anderen blieben wegen Müdigkeit zurück.

Der Aufstieg dauerte achteinhalb Stunden, zum Teil gefährlichen Gehens und Klettern und man erreichte kurz vor 10 Uhr Vormittag den Gipfel. Dort hissten sie unter patriotischen Rufen die mitgebrachte Fahne aus weißem Leinen an einer 2,2 Meter langen, in Salzburger Landesfarben rot und weiß bemalten Stange. Die Erstbesteigung muss eine Ochsentour gewesen sein, da die meisten Bergsteiger noch am selben Tag bis nach Neukirchen zurückgingen, ein Lehrer aus Stuhlfelden war sogar 26 Stunden unterwegs.

Bergsteiger-Boom und Berg-Rekorde

Spätestens ab dem Ende des 19. Jahrhunderts setzte die touristische Erschließung des Großvenedigers voll ein, das Hüttenangebot wuchs kräftig, Maler und Fotografen verbreiteten den Mythos "Großvenediger" bildreich in aller Welt, ab 1898 konnten Bergsteiger mit der Pinzgaubahn anreisen. Sieben Jahre zuvor stand mit der Thalgauerin Maria Gaertner die erste Frau auf dem Gipfel, 1900 erfolgte die erste Winterbesteigung. Weltwirtschaftskrise und Tausend-Mark-Sperre beendeten den Boom auf Salzburgs höchstem Berg. Karl Sollerer, Bergführer und Hüttenwirt der Kürsingerhütte von 1964 bis 1973, ist mit 850 Besteigungen der mutmaßliche Rekordhalter, der Bergretter und Schuhmachermeister Karl Fuchs mit 85 Jahren der wohl älteste Venedigerbesteiger.

Bergsteigerunfälle

Am 22. März 1932 stürzte die Skiläuferin Christl Jäger aus Berlin, etwa 500 Meter unterhalb der Venedigerscharte in eine Gletscherspalte. Die Begleiter holten von der Kürsingerhütte Hilfe, doch konnte Christl Jäger nur mehr tot geborgen werden.ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 25. März 1932, Seite 7</ref>

Weiter Ereignisse

Im Dezember 1901 gelang der Alpinist Günther Freiherr von Saar die erste Skiersteigung des Großvenedigers.

Neuvermessung 2014

Aufgrund der Erwärmung im Gebirge aperte im Sommer 2012 das Gipfelkreuz so gefährlich aus, dass es von Mitgliedern der Bergrettung umgelegt und an anderer Stelle neu verankert werden musste. Neueste Messungen (Frühjahr 2014) haben ergeben, dass der Gipfel des Großvenedigers mittlerweile um 17 m geschrumpft ist. Aber nicht nur nur die Höhe wurde korrigiert, sondern auch die Lage des Gipfels - er befindet sich bereits auf Osttiroler Gebiet, wie das Bundesamt für Eich- und Messungswesen feststellt[2][3]

Im Österreich-Ranking belegt der Oberpinzgauer Grenzberg den fünften Rang, seitdem die 3 721 m ü. A. hohe Glocknerwand neuerdings als eigener Berg gewertet wird.

Der tatsächlich höchste Berg im Bundesland Salzburg dürfte das Große Wiesbachhorn mit 3 564 m ü. A. sein[4]

Legenden

Um den Großvenediger ranken sich auch viele Sagen, wie jene vom Großvenediger Mandl.

Geheimnisvolle Südländer

Seinen heutigen Namen verdankt der früher als Stützerkopf, Sulzbacher oder Keeskogel bezeichnete Berg höchstwahrscheinlich für die Einheimischen exotischen durchziehenden Händlern aus Oberitalien. Schon halb ins Sagenreich gehören die "Venedigermandeln", geheimnisvolle Venezianer, die auf der Suche nach edlen Metallen und Steinen, waren - im Gegensatz zu ihren heutigen Nachfahren, die mehr an Pilzen Gefallen finden. Begehrt waren auch "Zutaten" für das exklusive Murano-Glas, dessen Zusammensetzung unter Todesstrafe nicht verraten werden durfte. Gänzlich sagenhaft ist jedenfalls der Blick vom Venedigergipfel bis zur gleichnamigen Stadt an der Adriaküste. Bis zum Kirchturm von Jochberg im Tirolischen reicht die Fernsicht aber.

Ausstellung Mittersill, Jubiläumsprogramm in Neukirchen

2016, dem Jubiläum 175 Jahre Erstbesteigung des Großvenedigers ist eine Sonderausstellung im Felberturmmuseum in Mittersill gewidmet. Die von Walter Reifmüller in Kooperation mit der Nationalparkverwaltung gestaltete Ausstellung ist noch bis 26. Oktober 2016 zu sehen. Auch in Neukirchen, das den Großvenediger im Ortsnamen trägt, wird dieses Jubiläum von Mai bis November gebührend gefeiert. Dazu sind Aktivitäten wie der Venediger-Rush, Ausstellungen, Lesungen, Vorträge, Filmvorführungen oder eine "Wirtshaus-Roas" geplant.[5]

Kürsingerhütte

Hauptartikel: Kürsingerhütte

Die erste Schutzhütte am Großvenediger wurde dann bereits 1842 wenige Meter von der heutigen Lage erbaut. 1875 entstand eine zweite Hütte, die Kürsingerhütte, an gleicher Stelle, die nach Ignaz Kürsinger benannt wurde. Von Kürsinger stammt auch die Bezeichnung "weltalte Majestät" für den Großvenediger.

Bilder

 Großvenediger – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Quellen

  • www.zvab.com Buch: Kürsinger, Ignaz v. und Spitaler, Franz: Der Groß-Venediger in der norischen Central-Alpenkette, seine erste Ersteigung am 3. September 1841, und sein Gletscher in seiner gegenwärtigen und ehemaligen Ausdehnung. Mit einem Anhange: Die zweite Ersteigung am 6. September 1842
  • Salzburger Nachrichten, Lokalteil S. 8, 5. Juni 2014

Fußnoten

  1. eine Quellenangabe zum Termin findet sich in anno, Österreichisches Bürgerblatt für Verstand, Herz und gute Laune, Ausgabe vm 10. November 1841, Seite 3, rechts unten in der Fußnote
  2. siehe Lage auf AMap, Suche im Bundesland Salzburg nicht erfolgreich, Suche in Tirol erfolgreich]
  3. Großvenediger - der höchste "Salzburger"
  4. siehe AMap
  5. Quelle Salzburger Landeskorrespondenz vom 1. Juni 2016