Krieg Trauma Kunst

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Krieg. Trauma. Kunst ist der Titel einer Sonderschau im Salzburg Museum anlässlich des einhundertjährigen Gedenkens an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914.

Termin

Eröffnung der Ausstellung war am 7. Mai 2014. Für das Publikum war sie von 9. Mai 2014 bis 27. September 2015 geöffnet.

Der Weltkrieg im Volksgarten

Von den Fronten war Salzburg in den Jahren 1914 bis 1918 weit entfernt. Katastrophe, Tod und Zerstörung wurden trotzdem in Stadt und Land erschreckend schnell heimisch.

Eine breite Furche zog sich durch die Wiese. In der Erholungszone, wo man heute Jogger, Jongleure oder ballspielende Kinder antreffen würde, kauerten im Jahr 1915 Soldaten. Mitten im Salzburger Volksgarten, der damals noch Franz-Josef-Park hieß, verlief der Schützengraben. Frontgefechte gab es in der Stadt nicht; aber wie die Verteidigung des eigenen Feldes funktioniert, davon sollten sich auch die Salzburger ein Bild aus nächster Nähe machen können. Ein Stück Kriegsalltag wurde im Park zu Vorzeigezwecken nachgestellt.

Die patriotische Euphorie, die beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges in Teilen der Bevölkerung geherrscht hatte, war noch nicht überall in den Schrecken und die Entgeisterung umgeschlagen, die aus dem Gedicht eines berühmten Salzburger Lyrikers klangen. „Alle Straßen münden in schwarze Verwesung“, hatte Georg Trakl im Gedicht „Grodek“ bereits 1914 geschrieben. Die Schützengräben, die Verwundeten und das Kriegsgrauen hatte er als Sanitäter aus unerträglicher Nähe kennengelernt: Zwei Monate nach Kriegsbeginn starb Trakl im Feldspital in Krakau.

Zwischen dem Alltag im Ausnahmezustand und den Werken, die Schriftsteller oder Maler unter dem Eindruck des ersten „totalen Krieges“ schufen, bewegt sich auch die große Schau, die Kuratorin Susanne Rolinek für das Salzburg Museum gestaltet hat. Aus der Flut an Ausstellungen, Veröffentlichungen und Veranstaltungen, die im 100. Gedenkjahr an den Kriegsausbruch 1914 geboten werden, ragt sie durch ihren speziellen Blickwinkel und die damit verbundene lange Vorbereitungszeit heraus. Das Salzburg Museum zeigt an 600 Exponaten, wie der Erste Weltkrieg auch in Salzburg gewütet hat. 15 Millionen Tote forderte er weltweit. Bis zu 17 000 starben im Lager Niederalm bei Grödig.

Wie allgegenwärtig Tod und Vernichtung in Stadt und Land trotz der Entfernung zu den Schützengräben der Front waren, daran erinnert in der Ausstellung „Krieg. Trauma. Kunst“ ein Sterberegister in einer Vitrine: Es verzeichnet die Todesfälle im Gefangenen- und Flüchtlingslager Grödig. Den Krieg könne man nicht ausstellen, sagte Rolinek beim Presserundgang am Donnerstag. Stattdessen habe das Museumsteam versucht, Stimmungen einzufangen und Atmosphären zu vermitteln. Das gelingt eindringlich etwa in einem Raum mit Plakaten aus den Kriegsjahren: Für einen Abend im „Mozarthaus, Großer Saal“ wurde geworben. Auf dem Programm stand kein Streichquartett, sondern ein „Vortragsabend über Untersee-Boote, Torpedos und Seeminen“. Das Theater Kino Hallein zeigte „Die neuesten Aufnahmen von verschiedenen Kriegsschauplätzen“. Und ein weiteres Plakat versprach 5.000 Kronen Prämie für Hinweise auf italienische Spione. Nicht weit davon hängen Fotodokumente von Hinrichtungen. Neben den offiziellen Kriegsfotos gab es im Ersten Weltkrieg durch die weite Verbreitung von Fotoapparaten erstmals auch Privataufnahmen, die Soldaten im Feld geschossen hatten.

Das Salzburg Museum hat für die Ausstellung in seinen Beständen gesucht und in mehreren Aufrufen private Salzburger Dokumente gesammelt. Auf diese Weise fügen sich Kunstwerke (wie Lithografien von Alfred Kubin oder die eindringlichen Kriegsbilder von Karl Reisenbichler) mit Feldpostkarten, private Tagebucheintragungen mit literarischen Zeitzeugnissen von Georg Trakl oder Stefan Zweig sowie Feldflaschen mit Prothesen und „Kochkisten“, in denen wegen der Energienot das Essen fertig gegart wurde, zu diversen Erzählebenen.

So werden einem die schönsten Jahre geraubt“, heißt es im Tagebuch eines jungen Salzburger Soldaten. Wie der Krieg Salzburg damals am meisten prägte? Das sei in den Jahren 1914 bis 1918 vor allem an der allgemeinen (Nahrungs-)Not, an den Kriegsinvaliden und an der Rolle der Frauen zu sehen gewesen, so Rolinek. Dem Wandel des weiblichen Rollenbildes ist ein Themenbereich gewidmet. Aus dem letzten Kriegsjahr 1918 stammt das Foto von einer wütenden Demonstration ausgehungerter Salzburger auf dem Residenzplatz. Die Schau endet danach mit dem Blick auf eine Zeit der Umbrüche. Nach dem Ersten Weltkrieg drohte bald der Zweite. 1921 fand in Salzburg eine erste Abstimmung über einen „Anschluss“ an Deutschland statt.

Quelle