Georg Trakl

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Georg Trakl
Georg Trakl mit seinen Geschwistern
Georg Trakl 1914

Georg Trakl (* 3. Februar 1887 in Salzburg; † 3. November 1914 in Krakau, Galizien) war ein bedeutender Lyriker und gelernter Apotheker.

Leben

Die Eltern Trakl führten eine Eisenwarenhandel am Mozartplatz im heutigen Café Glockenspiel. In der Pfeifergasse Haus Nr. 3 hatte die Familie ihr Warenlager und dort im Basteigarten steht das denkmalgeschütze Trakl-Gartenhaus. Trakl erlebte seine Kindheit zunehmend sorgenfrei. Die Familie konnte es sich leisten, Dienstboten und Gouvernanten anzustellen. Umgeben von sechs Geschwistern wuchs Trakl in Salzburg in seinem Geburtshaus im Haus Rudolfskai 32 auf. Seit seinem 60. Todestag 1973 heißt sein Geburtshaus "Trakl-Haus" und die die Adresse wurde auf Haus Waagplatz Nr. 1A umbenannt.[1] Als Spielplatz diente zunächst der finstere Innenhof, später ein Garten. Dieser wurde zum Motiv für das Gedicht „Kindheitserinnerung“ und den Prosatext „Schwesters Garten“. Trakl war schon als Kind introvertiert, vermied körperliche Bewegung und suchte seine innere Ruhe in der Isolation.

Die aus dem Elsass stammende Gouvernante weckte in Trakl das Interesse für französische Literatur. Ab 1897 besuchte er das k.k. Staatsgymnasium. Die dort herrschenden Zwänge bereiteten ihm immer größere Probleme. Im Deutschunterricht fühlte er sich geistig eingeschränkt. „Für einen Schüler, der Nietzsche las und sich mit moderner Literatur beschäftigte, war im damaligen Schulsystem einfach kein Platz“, schreibt die Historikerin Gerda Dohle in ihrem Aufsatz über den Salzburger Dichter. Nachdem Trakl die siebte Klasse wiederholen hätte müssen, verließ er zu Schulbeginn 1905 das Gymnasium. Er schrieb seine ersten Verse und sammelte seine ersten Erfahrungen mit Drogen. Die Chloroformflasche wurde sein ständiger Begleiter. Die Drogenabhängigkeit habe unter anderem seine Entscheidung beeinflusst, den Beruf des Apothekers zu erlernen, meint Dohle. Aber auch der Umstand, dass sein größtes literarisches Vorbild Henrik Ibsen Apotheker war, habe eine Rolle gespielt.

Georg Trakl

1905 wirkte vorübergehend als Apothekengehilfe in der Salzburger Engel-Apotheke.

1908 zog Trakl nach Wien, um dort Pharmazie an der Universität Wien zu studieren und den Militärdienst zu absolvieren. Die Großstadt beängstigte ihn. Trakl floh in seine eigene Traumwelt. Gleichzeitig befruchtete das Treiben des Schmelztiegels der Monarchie sein literarisches Schaffen. Es entstanden die Gedichte „Die Raben“, „Die Ratten“ und „Die schöne Stadt“. 1910 bis 1911 versah er als einjährig-Freiwilliger Dienst bei einer Sanitätsabteilung in Wien. 1913 war er als Medikamentenakzessist am Garnisonshospital in Innsbruck tätig. Die Stelle als Apotheker im Innsbrucker Garnisonsspital gab er ebenso auf, wie jene im Kriegsministerium. Auch seine Zeit in einer Apotheke in Oberndorf war nur von kurzer Dauer. Er hatte panische Angst vor Kontakten mit der Außenwelt, die er als getrieben wahrnahm. „Trakl und ich waren damals zwei Abtrünnige des bürgerlichen Lebens“, erinnerte sich der Maler Oskar Kokoschka später.

Im selben Jahr lernte er Karl Kraus und Ludwig von Ficker kennen, bei dem er zeitweise wohnt und an dessen Zeitschrift "Der Brenner" er mitarbeitete. Seine Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit wurde zunehmend stärker. Bei Aufenthalten in Wien und Berlin begegnete er Else Lasker-Schüler. Er unternahm kurze Reisen nach Venedig und an den Gardasee.

Noch im August 1913 versucht Georg Trakl in Venedig Urlaub zu machen. Ein Foto zeigt den Salzburger Dichter gedankenverloren am Lido. Abgewandt vom Meer schweift Trakls Blick über den Sand. Es war der erste Urlaub seines Lebens. Die Stimmung schwankte zwischen Euphorie und Wahnsinn. Trakl hatte gerade seine Stelle im Kriegsministerium gekündigt. Er trank und nahm Drogen. An seiner Seite befanden sich Adolf Loos und Karl Kraus samt ihren Ehefrauen. Doch auch sie vermochten Trakls depressives Gemüt nicht zu erhellen. „Samstag soll ich mit Loos nach Venedig fahren, was mir einigermaßen eine unerklärliche Angst macht“, schrieb Trakl noch vor der Abreise am 14. August 1913 an seinen Freund Erhard Buschbeck.

Als der Krieg ausbrach, meldete sich Trakl zum aktiven Militärdienst. Er reiste mit einer Sanitätskolonne an die Ostfront nach Galizien zum Einsatz in der Schlacht von Grodek-Rawa-Ruska. Dort erlebte er den Wahnsinn des Krieges. Als Sanitäter musste er 90 Schwerverwundete ohne ärztliche Hilfe zwei Tage lang betreuen. Ein traumatisches Erlebnis. Trakl schrieb unter diesem Einfluss die Gedichte „Grodek“ und „Klage II“. Er wurde zur Beobachtung seines Geisteszustandes im Oktober 1914 ins Garnisonsspital nach Krakau verlegt. Dort nahm er sich am 3. November 1914 das Leben. Trakl starb mit 27 Jahren an einer Überdosis Kokain.

So wie er im Sommer 1913 dem Meer in Venedig den Rücken kehrte, machte er an jenem Herbsttag mit seinem Leben Schluss – radikal, einsam und verloren. Trakl zerbrach am Leid, nicht nur an jenem, das er in der Schlacht bei Grodek mitansehen musste, sondern auch an seinem eigenen. „Trakl scheiterte an der Realität des Krieges – ganz konkret, am Leid und am Sterben unzähliger Verwundeter, mit deren Betreuung er als Sanitäter nicht nur fachlich völlig überfordert war“, so Dohle. „Er wird damit gleichsam zu einem Symbol für die bis dahin gültige Gesellschaftsordnung, die ebenfalls an der Realität eines Krieges zerbrach, der erstmals alle Bereiche des Lebens umfasste.

Das Grab von Georg Trakl befindet sich auf dem Friedhof Innsbruck-Mühlau.

Erinnerungen an Georg Trakl

Seit 1952 wird der Georg-Trakl-Preis für Lyrik als Literaturpreis des Landes Salzburg vergeben.

In der Salzburger Altstadt befindet sich in einem Innenhof der ehemaligen Kapitelhäuser im Straßeneck Kapitelgasse - Kaigasse der Trakl-Brunnen.

Werke

  • Gedichte, Leipzig: Wolff, 1913
  • Sebastian im Traum, Gedichte und Prosa, Leipzig: Wolff, 1915
  • Die Dichtungen, erste Gesamtausgabe. Leizpig: Wolff, 1917
  • Der Herbst des Einsamen, Gedichte, München: Wolff, 1920
  • Gesang des Abgeschiedenen, Gedichte, Leipzig: Insel, 1932
  • Aus goldenem Kelch, die Jugenddichtungen, Herausgeber: E. Buschbeck, Salzburg, Leipzig: Otto Müller, 1939
  • Menschheit, Gedicht, Groningen: de Blauwe Schuit, 1944
  • Die Dichtungen, Herausgeber: K. Horwit, Zürich: Die Arche, 1946
  • Offenbarung und Untergang, die Prosadichtungen, Salzburg: Otto Müller, 1947
  • Gesamtausgabe. Band 1-3, Herausgeber: W. Schneditz, Salzburg: Otto Müller, 1948-1951
  • Dichtungen und Briefe, historisch-kritische Ausgabe 1 - 2, Herausgeber: Walther Killy, Hans Szklenar, Salzburg: Otto Müller, 1969
  • Afra. Gedicht, Herausgeber: Schiller-Nationalmuseum Marbach a. N. Marbach a. N., 1976
  • Werke-Entwürfe-Briefe, Ditzingen: Reclam, 1984
  • Abendland / Pays du couchant, Gedicht, zweisprachiges Leporello, übersetzt ins Franz.: Francoise Despalle, Mainz: Despalles-Editions, 1985
  • Abendländisches Lied, Gedichte, München: Piper, 1994
  • Sämtliche Werke, Innsbrucker Ausgabe, Band II. Dichtungen Sommer 1912 - Frühjahr 1913 Herausgeber: Hermann Zwerschina, Eberhard Sauermann, Faksimiles, Basel, Frankfurt a. M.: Stroemfeld, Roter Stern, 1997
  • Sämtliche Werke, Innsbrucker Ausgabe, Band III. Dichtungen Sommer 1913 - Herbst 1913, Herausgeber: Eberhard Sauermann, Hermann Zwerschina, Faksimiles, Basel, Frankfurta. M.: Stroemfeld, Roter Stern, 1998.

Literatur

  • Otto Basil: Georg Trakl: mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 2003, ISBN 3-499-50106-6 kartoniert
  • Alfred Doppler: Die Lyrik Georg Trakls: Beiträge zur poetischen Verfahrensweise und zur Wirkungsgeschichte, Müller, Salzburg, Wien, 2001, ISBN 3-7013-1038-6 kartoniert
  • Anette Hammer: Lyrikinterpretation und Intertextualität: Studie zu Georg Trakls Gedichten "Psalm I" und "De profundis II", Königshausen & Neumann, Würzburg, 2006, ISBN 3-8260-3278-0 Gh.
  • Franz Fühmann: Der Sturz des Engels - Erfahrungen mit Dichtung, Hoffmann und Campe Verlag, 1982

Widmungen in der Stadt Salzburg

Gedenktafeln

Bilder

 Georg Trakl – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki - Gedichte auf Tafeln und Gedenktafeln

Weblinks

Quellen

Fußnoten