Residenzplatz

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Der Residenzplatz vom Salzburger Glockenspielturm gesehen.
Der Residenzplatz von oben, 2019;
Karte
Historische Darstellung des Residenzplatzes.
Der Residenzplatz bei der Anton-Wallner-Gedenkfeier 2016.
Der Residenzplatz mit dem Residenzbrunnen, links die Filialkirche zum hl. Michael, Bildmitte der Mozartplatz und rechts die Neue Residenz mit dem Turm mit dem Salzburger Glockenspiel, aufgenommen von der Dombogenterrasse.
der Residenzplatz während der EURO 2008.
Der Residenzplatz in der Adventzeit mit dem Salzburger Christkindlmarkt.
Der Residenzplatz als Ort für Künstler.
Der Residenzplatz als Schauplatz des Rupertikirtags.
Der Residenzplatz als Schauplatz des Fackeltanzes.

Der Residenzplatz in der Altstadt von Salzburg ist ein repräsentativer (Haupt-) Platz für die zwei prunkvollen fürsterzbischöflichen Residenzen. Der Residenzplatz ist auch der Standplatz der Salzburger Fiaker.

Beschreibung

Der Platz, dessen größte Länge in West-Ost-Richtung etwa 110 Meter und dessen größte Breite in Nord-Süd-Richtung etwa 90 Meter beträgt, umfasst eine Fläche von etwa 9 900 Quadratmetern[1]. Er stellt sich in Form eines Parallelogrammes dar.[2] Architektonisch ist er als dreiseitig funktionales Bindeglied zwischen den beiden fürstlichen Residenzen und der bischöflichen Domkirche konzipiert.

Geschichte

Der Residenzplatz wurde durch Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau geschaffen. Etwa um 1590 ließ er eine Zeile von Bürgerhäusern am Aschhof, ein kleinerer Platz, der etwa 1 500 m² umfasste, abtragen und der Domfriedhof, der nördlich des Doms gelegen war, wurde aufgelassen. Als Ersatz für den Domfriedhof wurde der Sebastiansfriedhof neben der St.-Sebastians-Kirche in der rechtsufrigen Altstadt angelegt. So entstand der Platz vor der alten und der neuen Residenz, der damals Hauptplatz genannt wurde.

Am Aschhof entlang und gegen die Bürgerhäuser zu, zog sich rund um den Domfriedhof damals eine feste Mauer, die Burgmauer, welche die Grenze zwischen der Fürstenstadt und der Bürgerstadt darstellte. Wolf Dietrich versetzte auch diese Mauer 1593 in Richtung Dom zurück.

Alte Ansichten

Residenzbrunnen

Hauptartikel: Residenzbrunnen

Der Residenzbrunnen ist ein monumentaler Brunnen, der zwischen 1656 und 1661 im Auftrag von Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun und Hohenstein geschaffen und wohl von Tommaso di Garona ausgeführt wurde. Das untere Brunnenbecken auf allseitigen stufenartigen Sockeln ist vierseitig symmetrisch und besitzt eine ausgebogene und geknickte barocke Formgebung. Ein mittiger Felsen darauf ist von vier wasserspeienden Meerrossen umgeben. Der Felsen trägt vier nackte athletische Männer mit einer weiteren flachen Wasserschale, in denen drei Delphine wiederum ein flaches Wasserbecken halten. Dieses oberste Becken trägt einen Triton, der aus einer Tritonschnecke Wasser senkrecht in die Luft stößt.

Bauten um den Platz

Begrenzt wird der Platz:

Chronogramm

Am Haus Residenzplatz Nr. 4 / Ecke Goldgasse Nr.18 befindet sich eine Inschrift samt Chronogramm

Lateinische Inschrift : "IaCobI ErnestI PrInCIpIs IVVaIensIs IVussV renoVata DoMVs" , MD CC VVVVV VV IIIII IIIII
Übersetzung: "Jakob Ernst Fürst(-Erzbischof) von Salzburg gab den Befehl, dass dieses Haus in Stand zu setzen ist", 1745.
Lateinische Inschrift : "Vt qVippe LappsVra IVVaretVr erreXIt IaCob LapIDeM", M D C LL X VVVVVV IIIII
Übersetzung: "Da (das Haus) tatsächlich baufällig war, war es eine Freude, (gleich dem) Jakob einen Stein zu errichten" , 1745.
ein Wortspiel, bezugnehmend auf die Bibel, 1. Buch Mose (Genesis) - Kapitel 31 - Vers 45 [3]

Pflasterung

Der ursprüngliche Belag des Platzes bestand aus kleinen, rund geformten Flusssteinen aus der Salzach. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Flusssteine mit Sand verdeckt und die Straßen um den Platz asphaltiert.

2006 tauchten Überlegungen auf, den Platz wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen, da unter einer Schicht Sand sich dieser alte Belag noch befindet, jedoch restauriert und den modernen Gegebenheiten angepasst gehörte. 2008 wurde der Architektenentwurf von Andreas Knittel und Max Rieder der Öffentlichkeit in Form eines Probebelags präsentiert. Dieses Teilstück der Pflasterung rief eine neuerliche Debatte hervor, die nach der Gemeinderatswahl am 1. März 2009 zur Einstellung der Neupflasterung führte. Daraufhin wurde vom Bundesdenkmalamt im Zuge der Restaurierung des Residenzbrunnens ein etwa vier Meter breiter Gürtel um den Residenzbrunnen mit der ursprünglichen Flusssteine-Pflasterung versehen. Dafür wurden rund 1,2 Mill. Euro ausgegeben.[4]

2012 gab es einen weiteren Versuch, einen geeigneten Belag für den Platz zu finden. Am 11. Juli 2012 wurden zwei Probeflächen mit je 24 Quadratmetern mit einem neuen Belag zu Testzwecken belegt. Der Quarzsand der Leube-Tochterfirma soll mit einem biologischen Bindemittel (Stabilizer) dafür sorgen, dass es im Sommer weniger staubt. Nach dem Rupertikirtag im Herbst wollten Baustadträtin Claudia Schmidt und Michael Handl, Leiter des Straßen- und Brückenamts, entscheiden, ob sich die Mixtur bewährt hat.

Neugestaltung kostete 4,6 Millionen Euro

2018 war es dann aber so weit. Ab April wurden zuerst notwendige Vorbereitungsarbeiten durchgeführt: Kanäle für die Oberflächenentwässerung, neun zentrale Elektroversorgungsstationen, Wasserleitungen, ein zweieinhalb Meter tiefer Abwasser-Entsorgungsschacht samt Pumpwerk für diverse Veranstaltungen sowie andere wichtige Vorrichtungen. Danach wurde bis Mitte Juli die asphaltierten Straßen im Randbereich abgetragen und durch etwa 5 000 Quadratmeter Granit-Pflaster aus dem Böhmerwald ersetzt.

Für das Projekt zur Neugestaltung verantwortlich waren Architekt Erich Wagner und Architekt Eduard Widmann. Die Straßenbauarbeiten führte Firma Porr aus und die Pflasterung Firma Eder, Pinzgauer Pflasterbau. Insgesamt wurden 6 666 Steine eingepasst. Ein Stein wiegt etwa 320 Kilo. Das ergibt ein Gesamtgewicht von 2 133 Tonnen, die mit 80 Sattelschlepperladungen heran transportiert wurden.

Aus demselben Steinbruch, woher das Pflaster stammt, kam auch der Schotter, mit dem im Frühjahr 2019 der große Platz aufgefrischt wurde. Unangetastet blieb dabei der Ring aus Bachsteinen rund um den Residenzbrunnen, der seit 2017 dem Land gehört. Wie überall in der Altstadt ist auch hier mit Funden aus dem römischen Salzburg und aus dem Mittelalter zu rechnen. Archäologen begleiteten deshalb den Bau. [5] [6]

Auf der Suche nach einem umweltverträglichen Bindemittel wurde die Stadt in Linz fündig. Ein aus gemahlenen Samenschalen hergestelltes Bindemittel wurde mit dem gewünschten Granitbruch vermischt. Eine Vier-Zentimeter-Schicht aus kleinkörnigem Material im Untergrund macht den Platz fest. Darüber liegen ein bis zwei Zentimeter loser Granitsplitt mit einer Korngröße von maximal elf Millimeter.[7]

Veranstaltungen

Um den Residenzbrunnen, der sich in der Mitte des Residenzplatzes befindet, findet auch jährlich der eindrucksvolle Fackeltanz anlässlich der Eröffnung der Salzburger Festspiele statt. Weiters bildet der Platz auch Kulisse für den Rupertikirtag sowie für Teile Salzburger Christkindlmarkts. In der Nachkriegszeit bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts gab es in der Adventzeit einen großen Christbaum-Markt rund um den Residenzbrunnen. Auch einige Open-air Konzerte fanden auf dem Residenzplatz statt. Beim Salzburger Businesslauf liegen Start und Ziel am Residenzplatz.

Ereignisse

Hubschrauber am Residenzplatz, 2006

Bücherverbrennung

Am 30. April 1938, nach dem Anschluss an Nazi - Deutschland, fand auf dem Residenzplatz einer der beiden Bücherverbrennungen auf dem Gebiet des heutigen Österreich statt. Sie wurde vom SS-Mann, Lehrer und Schriftsteller Karl Springenschmid inszeniert. Insgesamt wurden 1 200 Bücher von jüdischen Schriftstellern sowie Werke von Autoren und Politikern des Ständestaates von der Hitlerjugend verbrannt.

Die zweite Bücherverbrennung wird als Thalgauer Bücherverbrennung bezeichnet und fand am 21. Dezember 1938 statt.

Seit dem 25. November 2011 erinnert eine Gedenktafel an der Filialkirche zum hl. Michael, sowie seit dem 2. Mai 2018 das Mahnmal zur Bücherverbrennung 1938 daran.

Kontra.com

Kontra.com war eine künstlerische Veranstaltung in der Stadt Salzburg im Mozart-Gedenkjahr 2006, die für große Aufregung sorgte. Ein Objekt der Aufregung war ein Hubschrauber, der am Residenzplatz auf den Kopf gestellt, gezeigt wurde.

Bildergalerie

Unternehmen und Gebäude am Rande des Platzes sowie Details

Panoramabilder und Gedenktafeln

weitere Bilder

 Residenzplatz – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Quellen

Einzelnachweise

  1. Quelle www.openstreetmap.org Länge ca. 112 Meter, Breite ca. 88 m
  2. Quelle Salzburger Nachrichten vom 20. August 2019: Erich Wagner: Der Platz hat nichts Regelmäßiges an sich. Er ist kein Rechteck, sondern ein Parallelogramm.
  3. bibel-verse.de
  4. siehe auch Neugestaltung Residenzplatz
  5. www.salzburg24.at
  6. Salzburger Nachrichten, 5. Juli 2018
  7. Salzburger Nachrichten, 29. Mai 2019