Residenzplatz

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Der Residenzplatz mit dem Residenzbrunnen, links die Filialkirche zum hl. Michael, Bildmitte der Mozartplatz und rechts die Neue Residenz mit dem Turm mit dem Salzburger Glockenspiel, aufgenommen von der Dombogenterrasse.
Karte
Historische Darstellung des Residenzplatzes.
Der Residenzplatz bei der Anton-Wallner-Gedenkfeier 2016.
der Residenzplatz während der EURO 2008.
Der Residenzplatz in der Adventzeit mit dem Salzburger Christkindlmarkt.
Der Residenzplatz als Schauplatz des Rupertikirtags.

Der Residenzplatz in der Altstadt der Stadt Salzburg ist ein repräsentativer Platz für die beiden prunkvollen fürsterzbischöflichen Residenzen. Der Residenzplatz ist auch der Standplatz der Salzburger Fiaker.

Beschreibung

Der Platz, dessen größte Länge in West-Ost-Richtung etwa 110 Meter und dessen größte Breite in Nord-Süd-Richtung etwa 90 Meter beträgt, umfasst eine Fläche von etwa 9 900 Quadratmetern[1]. Er stellt sich in Form eines Parallelogrammes dar.[2] Architektonisch ist er als dreiseitig funktionales Bindeglied zwischen den beiden fürstlichen Residenzen und der bischöflichen Domkirche konzipiert.

Geschichte

Der Residenzplatz wurde durch Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau geschaffen. Etwa um 1590 ließ er eine Zeile von Bürgerhäusern am Aschhof, ein kleinerer Platz, der etwa 1 500 m² umfasste, abtragen und der Domfriedhof, der nördlich des Doms gelegen war, wurde aufgelassen. Als Ersatz für den Domfriedhof wurde der Sebastiansfriedhof neben der St. Sebastianskirche in der rechtsufrigen Altstadt angelegt. So entstand der Platz vor der alten und der neuen Residenz, der damals Hauptplatz genannt wurde.

Am Aschhof entlang und gegen die Bürgerhäuser zu, zog sich rund um den Domfriedhof damals eine feste Mauer, die Burgmauer, welche die Grenze zwischen der Fürstenstadt und der Bürgerstadt darstellte. Wolf Dietrich versetzte auch diese Mauer 1593 in Richtung Dom zurück.

Alte Ansichten

Bauten und Denkmäler auf und um den Platz

Begrenzt wird der Platz:

Vor der Neuen Residenz steht das Mahnmal zur Bücherverbrennung 1938.

Residenzbrunnen

Hauptartikel Residenzbrunnen

Der Residenzbrunnen ist ein monumentaler Brunnen, der zwischen 1656 und 1661 im Auftrag von Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun und Hohenstein geschaffen und wohl von Tommaso di Garona ausgeführt wurde. Das untere Brunnenbecken auf allseitigen stufenartigen Sockeln ist vierseitig symmetrisch und besitzt eine ausgebogene und geknickte barocke Formgebung. Ein mittiger Felsen darauf ist von vier wasserspeienden Meerrossen umgeben. Der Felsen trägt vier nackte athletische Männer mit einer weiteren flachen Wasserschale, in denen drei Delphine wiederum ein flaches Wasserbecken halten. Dieses oberste Becken trägt einen Triton, der aus einer Tritonschnecke Wasser senkrecht in die Luft stößt.

Chronogramm

Am Haus Residenzplatz Nr. 4, Ecke Goldgasse Nr. 18, befindet sich eine Inschrift samt Chronogramm:

Lateinische Inschrift: "IaCobI ErnestI PrInCIpIs IVVaIensIs IVussV renoVata DoMVs" , MD CC VVVVV VV IIIII IIIII
Übersetzung: "Jakob Ernst Fürst(-Erzbischof) von Salzburg gab den Befehl, dass dieses Haus in Stand zu setzen ist", 1745.
Lateinische Inschrift: "Vt qVippe LappsVra IVVaretVr erreXIt IaCob LapIDeM", M D C LL X VVVVVV IIIII
Übersetzung: "Da (das Haus) tatsächlich baufällig war, war es eine Freude, (gleich dem) Jakob einen Stein zu errichten", 1745
ein Wortspiel, bezugnehmend auf die Bibel, 1. Buch Mose (Genesis) - Kapitel 31 - Vers 45[3]

Archäologie

Die beiden Skelette, gefunden bei Grabungen 2017.

Die neuesten Funde seiner Archäologinnen präsentierte Dr. Peter Höglinger vom Bundesdenkmalamt am Freitag, den 17. März 2017 rund 25 Interessierten und den Medien bei einer Besichtigung der Ausgrabungen auf dem Residenzplatz. Als besonders bemerkenswert bezeichnete er eine auf engstem Raum bestattete Familie: „Die Skelette zweier Erwachsener, eines Kindes und eines Säuglings liegen ganz eng beieinander. Höchstwahrscheinlich sind es Seuchenopfer.

Der Grabungsleiter und sein Team vermuten auch, erste Hinweise auf den Verbindungsgang von Fürsterzbischof Wolf Dietrich entdeckt zu haben. Nahe dem Residenzbrunnen wurden entsprechende Fundamente ausgegraben. Sie könnten die Basis des Ganges von Alter zu Neuer Residenz sein, den der Fürsterzbischof durch den romanischen Friedhof hatte anlegen lassen. Interessant dabei: Der Gang führte „aus Respekt vor den Toten, nicht ebenerdig, sondern quasi im ersten Stock“ von Gebäude zu Gebäude, so Höglinger.

Freigelegt haben die Archäologen auch Teile des romanischen Domgrundrisses, und sie sind auf relativ seicht liegende Nebenstränge des Almkanals gestoßen.

Die Arbeiten wurden noch bis Ende November weiter geführt. Höglinger rechnete mit bis zu tausend Skeletten. Diese wurden nach der wissenschaftlichen Dokumentation in ein Depot gebracht und dann auf dem Kommunalfriedhof bestattet.[4]

Pflasterung

Der ursprüngliche Belag des Platzes bestand aus kleinen, rund geformten Flusssteinen aus der Salzach. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Flusssteine mit Sand verdeckt und die Straßen um den Platz asphaltiert.

Visual History: Der Residenzplatz als Parkplatz, 1974

2006 tauchten Überlegungen auf, den Platz wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen, da unter einer Schicht Sand sich dieser alte Belag noch befindet, jedoch restauriert und den modernen Gegebenheiten angepasst gehörte. 2008 wurde der Architektenentwurf von Andreas Knittel und Max Rieder der Öffentlichkeit in Form eines Probebelags präsentiert. Dieses Teilstück der Pflasterung rief eine neuerliche Debatte hervor, die nach der Gemeinderatswahl am 1. März 2009 zur Einstellung der Neupflasterung führte. Daraufhin wurde vom Bundesdenkmalamt im Zuge der Restaurierung des Residenzbrunnens ein etwa vier Meter breiter Gürtel um den Residenzbrunnen mit der ursprünglichen Flusssteine-Pflasterung versehen. Dafür wurden rund 1,2 Mill. Euro ausgegeben.[5]

2012 gab es einen weiteren Versuch, einen geeigneten Belag für den Platz zu finden. Am 11. Juli 2012 wurden zwei Probeflächen mit je 24 Quadratmetern mit einem neuen Belag zu Testzwecken belegt. Der Quarzsand der Leube-Tochterfirma soll mit einem biologischen Bindemittel (Stabilizer) dafür sorgen, dass es im Sommer weniger staubt. Nach dem Rupertikirtag im Herbst wollten Baustadträtin Claudia Schmidt und Michael Handl, Leiter des Straßen- und Brückenamts, entscheiden, ob sich die Mixtur bewährt hat.

Neugestaltung kostete 4,6 Millionen Euro

Ab April 2018 wurden Kanäle für die Oberflächenentwässerung, neun zentrale Elektroversorgungsstationen, Wasserleitungen, ein zweieinhalb Meter tiefer Abwasser-Entsorgungsschacht samt Pumpwerk für diverse Veranstaltungen sowie andere wichtige Vorrichtungen angelegt. Danach wurde bis Mitte Juli die asphaltierten Straßen im Randbereich abgetragen und durch etwa 5 000 Quadratmeter Granit-Pflaster aus dem Böhmerwald ersetzt.

Für das Projekt zur Neugestaltung verantwortlich waren die Architekten Erich Wagner und Eduard Widmann. Die Straßenbauarbeiten führte Firma Porr aus und die Pflasterung Firma Eder, Pinzgauer Pflasterbau. Insgesamt wurden 6 666 Steine eingepasst. Ein Stein wiegt etwa 320 Kilo. Das ergibt ein Gesamtgewicht von 2 133 Tonnen, die mit 80 Sattelschlepperladungen heran transportiert wurden.

Aus demselben Steinbruch, woher das Pflaster stammt, kam auch der Schotter, mit dem im Frühjahr 2019 der große Platz aufgefrischt wurde. Unangetastet blieb dabei der Ring aus Bachsteinen rund um den Residenzbrunnen, der seit 2017 dem Land gehört. Wie überall in der Altstadt ist auch hier mit Funden aus dem römischen Salzburg und aus dem Mittelalter zu rechnen. Archäologen begleiteten deshalb den Bau.[6] [7]

Auf der Suche nach einem umweltverträglichen Bindemittel wurde die Stadt in Linz fündig. Ein aus gemahlenen Samenschalen hergestelltes Bindemittel wurde mit dem gewünschten Granitbruch vermischt. Eine Vier-Zentimeter-Schicht aus kleinkörnigem Material im Untergrund macht den Platz fest. Darüber liegen ein bis zwei Zentimeter loser Granitsplitt mit einer Korngröße von maximal elf Millimeter.[8]

2020 wurden 23 Sitzbänke aufgestellt

September 2020: 23 Sitzbänke wurden aufgestellt.

Die Anfang September 2020 aufgestellten 23 Bänke sind aus geschliffenem Beton mit Sitzflächen und Lehnen aus Lärchenholz. Für die Auswahl und den Standort der Bänke gab es fachliche Gespräche mit dem Bundesdenkmalamt. Die Stadt hat letztendlich beschlossen, zehn neue Bänke auf der langen und fünf auf der kurzen Platzseite aufzustellen sowie fünf vor der alten Residenz. Drei Bänke stehen im Schatten der Kastanien neben dem Mahnmal, das der Bücherverbrennung im April 1938 gedenkt. Die neuen Sitzgelegenheiten auf dem Residenzplatz werden nicht nur in der warmen Jahreszeit, sondern auch während des Christkindlmarkts auf dem Platz belassen. Dies wurde in Abstimmung mit dem Christkindlmarkt auch bereits in der Positionierung der Bänke mitbedacht.

Veranstaltungen

Um den Residenzbrunnen, der sich in der Mitte des Residenzplatzes befindet, findet jährlich der eindrucksvolle Fackeltanz anlässlich der Eröffnung der Salzburger Festspiele statt. Weiters bildet der Platz auch Kulisse für den Rupertikirtag sowie für Teile Salzburger Christkindlmarkts. In der Nachkriegszeit bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts gab es in der Adventzeit einen großen Christbaum-Markt rund um den Residenzbrunnen. Der Salzburger Businesslauf hat Start und Ziel am Residenzplatz.

Auch Open-air-Veranstaltungen fanden auf dem Residenzplatz statt. 1986 machte Falco den Anfang. Damals drängten sich 20 000 Besucher auf dem Residenzplatz. Bei Tina Turner waren es rund 30 000, bei Elton John 25 000, bei Neil Young 15 000.[9]

Am 12. September 2009 gastierte die Rockband Westwind am Platz,[10] Herbert Grönemeyer trat bereits zwei Mal am Residenzplatz auf, 2003[11] und am 2. Juni 2016,[12], für das Konzert von Xavier Naidoo am Samstagabend, den 13. Juni 2016 wurden 8 000 Tickets aufgelegt.[9]

Seit mindestens 2009[13] findet am Silvesterabend eine open-air-party am Residenzplatz statt; anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gab es Veranstaltungen auf dem Platz.[14] Vom 29. Juni bis 8. Juli 2018 gab es das Sternenkino am Residenzplatz.

2014 stand im Sommer eine Jedermann-Bühne am Rand des Platzes zur Neuen Residenz.[15]

Ereignisse

Hubschrauber am Residenzplatz, 2006

Bücherverbrennung

Am 30. April 1938, nach dem Anschluss an Nazi - Deutschland, fand auf dem Residenzplatz einer der beiden Bücherverbrennungen auf dem Gebiet des heutigen Österreich statt. Sie wurde vom SS-Mann, Lehrer und Schriftsteller Karl Springenschmid inszeniert. Insgesamt wurden 1 200 Bücher von jüdischen Schriftstellern sowie Werke von Autoren und Politikern des Ständestaates von der Hitlerjugend verbrannt.

Die zweite Bücherverbrennung wird als Thalgauer Bücherverbrennung bezeichnet und fand am 21. Dezember 1938 statt.

Seit dem 25. November 2011 erinnert eine Gedenktafel an der Filialkirche zum hl. Michael, sowie seit dem 2. Mai 2018 das Mahnmal zur Bücherverbrennung 1938 daran.

Kontra.com

Kontra.com war eine künstlerische Veranstaltung in der Stadt Salzburg im Mozart-Gedenkjahr 2006, die für große Aufregung sorgte. Ein Objekt der Aufregung war ein Hubschrauber, der am Residenzplatz auf den Kopf gestellt, gezeigt wurde.

Autofahrer überrollt "Schaufensterpuppe"

Ein 71-Jährige Autofahrer wollte am 18. August 2021 nach eigener Aussage in einen Innenhof am Residenzplatz fahren und bemerkte einen auf dem Boden liegenden "Gegenstand", in Wahrheit die Frau. Auf der Seite vorbeifahren konnte er nicht, also beschloss er, die 41-Jährige, die seiner Meinung nach eine Schaufensterpuppe war, in Längsrichtung zu überfahren. Dabei bemerkte er jedoch ein Schleifen und hörte Schreie und stoppte seinen Wagen. Passanten zogen anschließend eine 41-jährige Tennengauerin, die im Rahmen einer Kunstmesse eine Liegeperformance zum Besten gab, unter dem Auto hervor, die der 71-Jährige zuvor vermeintlich als Schaufensterpuppe hielt. Die 41-Jährige wurde nach der Erstversorgung eines Notarztes in das Uniklinikum Salzburg gebracht.[16]

Bildergalerie

weitere Bilder

 Residenzplatz – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Quellen

Einzelnachweise

  1. Quelle www.openstreetmap.org Länge ca. 112 Meter, Breite ca. 88 m
  2. Quelle Salzburger Nachrichten vom 20. August 2019: Erich Wagner: Der Platz hat nichts Regelmäßiges an sich. Er ist kein Rechteck, sondern ein Parallelogramm.
  3. bibel-verse.de
  4. Quelle www.stadt-salzburg.at
  5. siehe auch Neugestaltung Residenzplatz
  6. www.salzburg24.at
  7. Salzburger Nachrichten, 5. Juli 2018
  8. Salzburger Nachrichten, 29. Mai 2019
  9. 9,0 9,1 Quelle salzburg.orf.at vom 13. Juni 2016, abgefragt am 25. September 2020
  10. Quelle www.szene1.at, abgefragt am 25. September 2020
  11. www.sn.at, 30. Mai 2016
  12. Quelle www.salzburg-cityguide.at, abgefragt am 25. September 2020
  13. Quelle www.szene1.at, abgefragt am 25. September 2020
  14. Quelle www.horizont.at, abgefragt am 25. September 2020
  15. Quelle www.youtube.com
  16. Salzburg24.at vom 18. August 2021