Maibaum

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Maibaumaufstellen am 1. Mai 2010 in Thalgau durch den Trachtenverein D'Wartenfelser
Maibaumaufstellen der Prangerschützen Aigen 2009.
Maibaumaufstellen in Pfongau in der Flachgauer Stadt Neumarkt am Wallersee. Das Bild zeigt einen Teil des noch liegenden Maibaums.

Der Maibaum und das Maibaumaufstellen haben in Bayern und dem Land Salzburg eine lange Tradition.

Geschichte

Der "Tanz um den Maibaum" ist bereits im Mittelalter nachgewiesen. Heute gilt der Maibaum als Zeichen für das Leben, das Neuerwachen und Wachsen der Natur im Frühling. In früheren Zeiten war er auch ein Rechtssymbol, das auf das Betretungsverbot der Felder und Wiesen zwischen 1. Mai und der Ernte aufmerksam machte.

Die Reifen des Baums haben Tafeln, die die vier Jahreszeiten zeigen sowie zwei weitere mit Sternzeichen und Bundesländerwappen. Damit entsprechen sie der ursprünglichen Bedeutung, seit dem Aufkommen von Maibäumen im 13. Jahrhundert. Und der Maibaum ist weder ein Relikt germanischer Glaubensvorstellungen noch ein Symbol von Manneskraft. Der langjährige Leiter des Wiener Volkskundemuseums Leopold Schmidt sah im Maibaum ein einst herrschaftliches Geschenk, dessen Holz im Herbst die Armen zum Heizen geschenkt bekamen. Die Volkskundlerin Helga Maria Wolf weiß sogar von einem Maibaumkraxeln am Wiener Hof im Jahr 1203 zu berichten.

Nach dem Revolutionsjahr 1848 wurde der Maibaum als "Freiheitsbaum" interpretiert. Dorfgemeinschaften erhielten nach der Aufhebung der feudalen Grundherrschaften einen neuen Stellenwert. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wandelte sich der Maibaum zu einem Fruchtbarkeitssymbol. Dahinter standen deutschnational-neuheidnische Ideen. In der Folge knüpften die Nationalsozialisten an diese Idee an. Es entstanden ihre eigenen Rituale und der Baum wurde nun mit Hakenkreuzen behängt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatte der Maibaum ein dementsprechendes schlechtes Ansehen in der Bevölkerung.

Erst in den 1970er-Jahren lebte dieser Brauch wieder auf.

Brauch

Laut dem Brauchkalender des Jahres 2004 der Salzburger Volkskultur sollte der Maibaum (ein kräftiger und hoher Fichtenstamm) in der Nacht zum 1. Mai gefällt werden. Dann bleibt er bis zu seiner Aufstellung unter Bewachung, denn wird der Baum gestohlen, hat ihn der Besitzer auszulösen.

Heutzutage wird der Maibaum eine Woche vor dem 1. Mai gefällt, dann ist die so genannte "Maibaum-Woche", in der der Maibaum an einem geheimen Ort (bei einem Bauern im Stall bzw. in der Tenne oder auf dem Heuboden) versteckt liegt und wo die Bewacher (meistens die Landjugend des jeweiligen Ortes) nächtigen. Ab und zu spricht sich der Ort des versteckten Maibaumes herum und andere Landjugendgruppen versuchen den Maibaum zu stehlen. Geschmückt wird der Baum dann allerdings erst in der Nacht zum 1. Mai.

Interessant ist, dass sowohl das Stehlen des Baumes aus dem Wald wie auch das Stehlen eines gefällten, noch nicht aufgestellten Baumes auch noch in der heutigen Rechtsprechung nicht als Delikt gesehen, sondern nach wie vor als Brauch betrachtet wird.

Ereignisse

Die Salzburger Chronik berichtete in ihrer Ausgabe vom 7. Mai 1901:[1]

Bemerkenswert ist auch das „Maibaumaufstellen" auf dem Barmstein, welches (bei günstiger Witterung) alljährlich am er­sten Sonntag im Mai stattfindet. Dasselbe ist in der Umgebung von Hallein und in Bayern weitherum sichtbar und wird um 12 Uhr mittags ausge­führt. Dasselbe geschieht mit unglaublicher Schnellig­keit; in etwa 10 Minuten steht der Baum auf dem Felsgipsel. Auch heuer geschah dies. Hallein, 5. Mai.

Großer Sachschaden dürfte in der Nacht von Sonntag, den 1. Mai 2022, auf Montag in der Oberpinzgauer Gemeinde Niedernsill entstanden sein: Betrunkene Männer schnitten den wenige Stunden zuvor aufgestellten Maibaum um, der auf die Salzachbrücke stürzte. Laut Polizeibericht beobachteten am Sonntag gegen 23 Uhr Zeugen vier Personen, als sie den im Dorfzentrum von Niedernsill aufgestellten Maibaum mit einer Kettensäge umschnitten. Der rund 13 Meter hohe Baum stürzte dabei auf das Brückengeländer der Salzachbrücke und richtete einen Schaden in derzeit unbekannter Höhe an. Aufgrund einer Zeugenbeschreibung konnte die Polizei in Niedernsill vor einem Wohnhaus ein Auto aufspüren, das am Tatort gesehen worden war. Der Zulassungsbesitzer und ein Bewohner des Gebäudes wurden dort angetroffen. Die beiden Einheimischen (20 und 21 Jahre alt) waren alkoholisiert und nicht geständig.[2]

Bilder

 Maibaum – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki
 Maibäume in Österreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Quellen

Einzelnachweise

  1. ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 7. Mai 1901, Siete 2
  2. www.sn.at, 2. Mai 2022