Obersulzbachkees

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Brücke entlang des Gletscherweges am Obersulzbachkees

Das Obersulzbachkees ist ein Kees (Gletscher) unterhalb des Großvenedigers im Pinzgau.

Geografie

Das Obersulzbachkees ist durch die Erstbesteigung des Großvenedigers 1841 bekannt geworden, vor allem auch deswegen, weil Ignaz von Kürsinger dem damals vorhandenen wilden Eisbruch den Namen Türkischen Zeltstadt – die Eistürme sahen aus wie „die Zelte der Muslims“ - gegeben hatte. Westlich an das Obersulzbachkees schließt das Sonntagskees an.

Das Obersulzbachkees gehört zu den am Stärksten zerfallenden und zurück schmelzenden Gletschern. Von 1850 bis zur Gegenwart ist die Gletscherzunge um 3,2 Kilometer kürzer geworden, die Türkische Zeltstadt ist völlig verschwunden. Aus einem einstmals geschlossenen Talgletscher mit einer Zunge sind sechs Teilgletscher geworden.

Von 1850 bis 1880 ging das Obersulzbachkees in seinem Zungengebiet um 60 bis 70 Millionen Kubikmeter Eis zurück und gab dabei 439.000 m² Boden frei. Zwischen 1990 und 2009 ist der Gletscher in mehrere Teile zerfallen. Insgesamt hat der Gletscher (zusammen mit der Türkischen Zeltstadt) seit 1850 eine Milliarde Kubikmeter an Masse verloren. Damit könnte man den Wörthersee (Kärnten) füllen[1].

Forschung

Das Obersulzbachkees ist ein traditionelles Forschungsobjekt. Der Eiszeitforscher Eduard Richter hatte den Gletscher erstmals 1880 kartographisch aufgenommen und eine großmaßstäbige Karte der Gletscherzunge hergestellt. Wolfgang Pillewizer nahm den Gletscher 1939 terrestrisch – photogrammetrisch auf. Innerhalb des Österreichischen Gletscherkatasters 1969 und des Gletscherinventars 1998 wurde das Kees wieder vermessen.

Seit Jahren wird der Abfluss in einem rund 20 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet, in dem die Gletscher ca. 80 Prozent der Fläche ausmachen, gemessen. Diese Messstelle wird vom Hydrografischen Dienst des Landes Salzburg betreut.

Zur Zeit der größten Wasserführung fließen pro Sekunde 15 Kubikmeter talwärts. Dabei handelt es sich fast nur Schmelzwasser ohne Niederschlagswasser. In den letzten 15 Jahren gab es im Juli nur zweimal so hohe Abflussmengen. Somit kommen solche Wasserführungen nur selten vor.

Aus glaziologischem Interesse, um den besonders starken Rückgang und Zerfall des Obersulzbachkees zu erfassen, wurden im Jahr 2003, 2006 und 2008 Laserscanvermessungen (EGEO) gemacht. Der Gletscherschwund bzw. das Abschmelzen ist bisher zumeist nur von der klimatologischen Seite betrachtet worden, nun kommt die Komponente des Eiszerfalls aufgrund topographischer und subglazialer (Tunnel- und Höhlenbildung) Prozesse dazu, die den Zerfall beschleunigen. Zu den reinen Messungen der Abschmelzung muss nun auch diese Komponente erfasst werden. Mit dem Laserscan ist die Gesamtsumme der Veränderungen erfasst.

Problematik

Der Anstieg der Permafrostgrenze, der starke Rückgang des Gletschers und die damit zusammenhängende Freigabe von lockeren Moränenablagerungen sowie die Brüchigkeit des Gletschers selbst haben zur Sperrung von alten Wanderwegen zur Kürsinger- und Warnsdorfer Hütte geführt.

Dies wurde nach einem schweren Unglück am 3. August 2001 notwendig. Dabei kamen in einer Gruppe deutscher Bergsteiger drei Personen durch herab stürzende Felsbrocken ums Leben.

Der Leiter des Hydrografischen Dienstes des Landes Salzburg, Hans Wiesenegger, erklärte im Sommer 2009 dazu, dass die Wanderkarten der Alpen umgeschrieben werden müssen. Denn die Klimaveränderungen im Salzburger Hochgebirge haben zur Sperrung und Verlegung vieler Wanderwege geführt.

Gletscherlehrweg

Hauptartikel: Gletscherlehrweg Obersulzbachtal

Bei 20 Stationen erfährt mal viel über die Rückzugstationen des Gletschers sowie über gletscherkundliche Erscheinungen.

Funde

2019: Flugzeug-Abwurftank

Bereits im Spätsommer 2018 entdeckte die Bergrettung am Obersulzbachkees einen vorerst nicht identifizierbaren Metallkörper, der ca. drei bis vier Meter tief in einer Gletscherspalte lag. Seitens der Alpinpolizei wurden dem Entminungsdienst des Landesverteidigungsministeriums Lichtbilder übermittelt, wodurch der Metallkörper als nicht gefährlicher Flugzeug-Abwurftank des Zweiten Weltkriegs identifiziert werden konnte. Auf Grund des Wintereinbruches konnte die Bergung erst am 28. August 2019 von Beamten des Entminungsdienstes durchgeführt werden. Unterstützt wurden sie dabei von einem Hubschrauber des Österreichischen Bundesheeres, einem Bergführer der Bergrettung und einem Polizeibergführer.

Quellen

Einzelnachweis

  1. Quelle Salzburger Nachrichten, 31. Juli 2009: Gletschersee ist mindestens 42 Meter tief