Pasterze gibt Baumstamm nach tausenden von Jahren frei

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(v.l.n.r). Peter Rupitsch (Direktor Nationalpark Hohe Tauern Kärnten), Andreas Kellerer (Uni Graz), Konrad Mariacher (Nationalpark Ranger), Josef Rieger (Gletscherbahn Pasterze) und Katharina Aichhorn (Nationalpark Hohe Tauern Kärnten) kurz vor der Bergung des sensationellen Fundstücks
Traumwetter und perfekte Kulisse - mit Pasterze und dem Kleinen Burgstall im Hintergrund - bei der spektakulären Bergung am 24. Juni 2015

"Pasterze gibt Baumstamm nach tausenden von Jahren frei" meldete der Nationalpark Hohe Tauern im Juni 2015. Zu sehen ist der Baum seit 6. Juli 2017 in der Ausstellung Gletscher.Leben.

Einleitung

Nationalpark Hohe Tauern und Oesterreichischer Alpenverein bargen mit fachlicher Unterstützung der Universität Graz einen sensationellen Gletscherfund am Fuße des Großglockners und machen ihn für wissenschaftliche Untersuchungen und in der Folge für die Öffentlichkeit zugänglich.

In einer spektakulären Bergung konnte die - in zwei Teile zerbrochene - Zirbe am 24. Juni 2015 mit Hilfe eines Hubschraubers erfolgreich aus dem Gletschervorfeld der Pasterze geborgen werden. Beide Teile zusammen haben insgesamt eine Länge von 7,9 m und das stattliche Gewicht von 1 700 kg.

Die Vegetation zeigt bestimmte Klimaverhältnisse an. Pflanzenreste können in Ablagerungen eingebettet werden und sich unter Sauerstoffabschluss gut erhalten. Gletscher dienen hier als wichtiges Klimaarchiv. Die seit Mitte des 19. Jahrhunderts ständig zurückweichenden Alpengletschergeben immer mal wieder Holzfragmente und Torfstücke frei. Das gilt auch für die Gletscher im länderübergreifenden Nationalpark Hohe Tauern und insbesondere für die Pasterze, die mit rund acht Kilometern Länge und 17 km² Fläche nach wie vor der größte Gletscher Österreichs und der Ostalpen ist.

Klimaarchiv Pasterze

Seit Beginn der Nacheiszeit vor etwa 11 500 Jahren war die Pasterze nie größer als beim letzten Hochstand von 1852 bis 1856, jedoch schon öfters deutlich kleiner als heute. Damals reichten die Eismassen bis in die Möllschlucht hinab. Durch die regelmäßigen Gletschermessungen seit 1879 ist der Rückgang der Pasterze genauestens dokumentiert. Über die nacheiszeitliche Minimalausdehnung des Gletschers war lange Zeit wenig bekannt, da die Spuren v.a. die Endmoränen beim letzten Hochstand zerstört wurden.

Zirben auf der Pasterze, heute kaum vorstellbar

Die Pasterze ist unter den österreichischen Gletschern das herausragende Beispiel für nacheiszeitlich interpretierbare Funde. Im Jahr 1990 entdeckte der Gletscherforscher Heinz Slupetzky zwei Holzstammreste. Dieser sogenannte "Pasterzenbaum" wuchs vor mehr als 9 000 Jahren und ist eine ungefähr 300 Jahre alte Zirbe. Die rasch zurückschmelzende Gletscherzunge gibt in den letzten zehn Jahren verstärkt Holzfragmente und Torfstücke frei. All diese Funde belegen, dass in den Bereichen, wo heute Eis, Schutt, Sand und Wasser regieren, vor 9 000 und auch zwischen 7 000 und 3 500 Jahren teils hochstämmige, alte Zirben wachsen konnten - eine unglaubliche Vorstellung.

Sensationeller Fund

Im Herbst 2014 kamen nun erstmals große Baumstücke aus glazialen Hangsedimenten im Gletschervorfeld der Pasterze zum Vorschein, welche von der Größe her die bisherigen Funde bei weitem übertreffen und eindrucksvolle Zeugen des einstigen Baumbestandes sind. Entdeckt wurde der mehrere Meter lange, in zwei Teile zerbrochene Baumstamm schon im September 2014 von zwei Mitarbeitern der Gletscherbahn Pasterze. Erste Analysen durch Andreas Kellerer-Pirklbauer (Uni Graz) und Kurt Nicolussi (Uni Innsbruck) ergeben ein Alter von circa 6 000 Jahren. "Diesen beeindruckenden Fund zu bergen, zu analysieren und der Öffentlichkeit zu präsentieren haben sich Alpenverein und Nationalpark gemeinsam vorgenommen.", erklärt Präsident Andreas Ermacora vom Oesterreichischen Alpenverein.

Pasterze & Großglockner live erleben

Direkt erreichbar über die Großglockner Hochalpenstraße führt der Gletscherweg Pasterze ausgehend vom Glocknerhaus entlang von Sandersee und Pasterze bis hinauf auf die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. In einer beeindruckenden Halbtageswanderung geht es über blühende alpine Rasen, geschliffenen Fels und tosendes Wasser bis zum größten Gletscher der Ostalpen. "Lassen Sie sich am besten von einem unserer Nationalpark Ranger in die großartige Gletscherwelt entführen!", empfiehlt Peter Rupitsch, Direktor des Nationalparks Hohe Tauern Kärnten (jeweils dienstags[1]).

Von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe aus ist der Fundort des historischen Baumstammes mit der Großglockner Gletscherbahn (bis 20. September 2015 täglich von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr) und einer halbstündigen Wanderung gut zu erreichen. Der Atem des Eisstromes, der beeindruckende Blick zum Großglockner und die Faszination der Gletscherlandschaft können hier hautnah erlebt werden.

Quelle

Fußnoten