Pasterze

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Zeitraffer des Pasterze-Gletschers 2017 (ZAMG)[1], 0:07 min Video
Jährliche Eisdickenabnahme und Abschmelzbeträge an der Pasterze, Stand 2017
die Pasterze, Aufnahme Sommer 2009
die Pasterze 1935, rechts kann man die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe erkennen
Gletscherseen am Fuß der Pasterze im Sommer 2010
2014: links der Großglockner, Bildmitte die Pasterze und im Hintergrund der Johannisberg
Bildhintergrund der Johannisberg und rechts die Hofmannshütte, daneben oben der Gamsgrubenweg
Pasterze 2015, inkl. einigen Aufnahmen entlang der Großglockner Hochalpenstraße, 6:26 min Video
3sat-Kulturzeit:Gletscher-Schwindel in über Pasterze-Gletscher in Österreich, 2:31 min Video

Die Pasterze ist ein Talgletscher des Großglockners und mit einer derzeitigen Länge von weniger als sieben Kilometern (2017) und 17 km² Fläche (2015) ist er der größte Gletscher Österreichs sowie der größte und ebenmäßigste Gletscher der Ostalpen.

Name

Im Zusammenhang mit einer früheren Goldgewinnung auf der Pasterze leitete man den Namen vom slowenischen paster, pastir ab, also vom Hirten. Hintergrund dieser Namensgebung war die damalige Überlieferung, dass einst das Gebiet, auf dem die Pasterze sich heute ausbreitet, eine Weide gewesen sei. Allerdings können Wissenschafter (Stand 2008) nicht mit Sicherheit bestätigen, dass dieses Gebiet jemals tatsächlich ein Weideland gewesen war. o. Univ-.Prof. Dr. Gernot Patzelt[2] meint aufgrund langjähriger Forschungsarbeit auf der Pasterze, dass die Pasterze zwischen dem vierten nachchristlichen Jahrhundert und der Gegenwart nie kleiner war als heute[3].

Ruth Drescher-Schneider kommt in ihrem Artikel „Gletscherstände und bronzezeitliche Almnutzung in den Hohen Tauern und am Dachstein (Österreich). Ergebnisse palynologischer Untersuchungen“ publiziert 2010, - die Bronzezeit betreffend - zu einem etwas anderen Ergebnis:

Zitat: „Palnyologische Untersuchungen (gemeinsam mit 14C-Datierungen) an einem vor dem abschmelzenden Pasterze Gletscher ausgeapertem Torfstück zeigen, dass die Pasterze während der Bronzezeit eine geringere Ausdehnung hatte als heute und dass das heute noch unter Eis liegende Becken damals zeitweise als Weidegebiet genutzt wurde.

Geografie

Die Pasterze befindet sich im Nationalpark Hohe Tauern im Gebiet der Glocknergruppe nordöstlich des [[Großglockner (Berg)|Großglockners]. Ihren Beginn hat sie südöstlich unterhalb des firnbedeckten Johannisberges (3 460 m ü. A.) im Pasterzenboden, der in den Hufeisenbruch übergeht und schließlich in die Pasterzenzunge, Pasterze genannt (weniger als vier Kilometer lang, Stand 2017). Der gesamte Bereich erstreckt sich vom Johannisberg in südöstliche Richtung.

Seit dem neuzeitlichen Maximalstand von 1856 wird eine starke Abnahme der Länge und Mächtigkeit beobachtet. 1852 hatte die Pasterze eine Masse von 3,5 Milliarden Kubikmeter, 2008 nur mehr 1,68 Milliarden, also kam es fast zu einer Halbierung. Jährlich geht sie um 20 Meter zurück. Reichte das Eis im Jahr 1846 noch bis knapp unterhalb der in jenem Jahr errichteten Hofmannshütte auf 2 444 m ü. A., so reicht sie heute (um 2017) im Bereich der nun nicht mehr bestehenden Hofmannshütte bis knapp unter 2 200 m ü. A.; konnte Kaiser Franz Joseph I. bei seinem Besuch 1856 noch den südlichen Gletscherrand im Bereich des Elisabethfelsens sehen (wo die Eismassen zwischen dem Elisabethfelsen und der historischen Kaiser-Franz-Josefs-Höhe endeten), so endet die Gletscherzunge heute (2017) fast zwei Kilometer nordwestlich weiter oben. Die eigens für die Begehung des Gletschers 1963 in Betrieb genommene Gletscherbahn Pasterze endet heute (2017) mehr als 100 Meter über der Gletscherzunge, die in diesem Bereich nur mehr aus Resten besteht. Zwischen dem Elisabethfelsen und der Gletscherbahn hat sich im Laufe der Jahre der Sandersee gebildet.

2017 hatte der Gletscher noch einen Gesamtlänge von etwa 6,5 km, gemessen vom Gipfelbereich des Johannisbergs bis auf Höhe der Gletscherbahn Pasterze bei der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe.

Die Großglockner Hochalpenstraße führt bis zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe an die Pasterze heran.

Daten

1852: 11 km Länge, ca. 26,5 km² Fläche und eine Mächtigkeit zwischen 300 und 400 m[4]
2002: 8,4 km Länge, 18,5 km² Fläche, 1,8 km³ Eisvolumen
2010: Gletscherzungenrückgang um 24,7 Meter gegenüber 2008[5]
2011: Gletscherzungenrückgang um 40,3 Meter gegenüber 2010[6], die Eisoberfläche sank um 4,4 Meter ein (1,4 Meter mehr als 2010), und auch die Fließgeschwindigkeit des Eises hat sich um etwa 0,8 Meter/Jahr verlangsamt. Erstmals war auch die Gletschermitte von Zerfallserscheinungen betroffen[7].
2017: In diesem Jahr hatte die Pasterze zwei Meter an Eisdicke verloren; in den vergangenen fünf Jahren waren es sogar 25 Meter; die Pasterzenzunge dürfte damit in den kommenden 40 Jahren völlig verschwinden; 2017 betrug die maximale Eisdicke rund 230 m; an der Messstation auf der Pasterze war im Winter 2016/17 nur knapp ein Meter Schnee gefallen, der schon am 27. Mai 2017 völlig weggeschmolzen war;[8]
2017/18: In dieser Zeit betrug der Gletscherrückgang 32 Meter.[9]

Geschichte

Der Villacher Bauunternehmer Albert Wirth kaufte im Sommer 1918 40 Quadratkilometer Gletscher und Ödland um die Pasterze herum und schenkte dieses Gebiet dem Alpenverein mit der Auflage, dieses Gebiet für ewige Zeiten als Naturschutzgebiet der spekulativen alpinen Fremdenindustrie zu entziehen. Er bezahlte dafür € 4.000.-- (Geldwert 2008).

Wirths Legat an den Alpenverein zog die Grenze des Pasterzen-Naturschutzgebiets auf der Kaiser-Franz-Josef-Höhe. Der einzige Zugang zu diesem Gebiet von der Großglockner Hochalpenstraßen stellt der Gamsgrubenweg dar, wo sich auch die Hofmannshütte des Alpenvereins bis Ende September 2016 befand.

Im 19. Jahrhundert reichte die Pasterze noch bis westlich unter des Glocknerhauses, zu der später die Alte Glocknerhausstraße als Maustraße hinauf führte. Erst im Zuge der Errichtung der Großglockner Hochalpenstraße konnte man dem Rückzug des Gletschers mit der "Verlängerung" dieser alten Glocknerhausstraße bis zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe Rechnung tragen.

Funde

Hauptartikel Pasterze gibt Baumstamm nach tausenden von Jahren frei

Im Sommer 2015 gab die Pasterze nach tausenden von Jahren einen meterlangen Baumstamm frei.

Bildergalerie

Historische Aufnahmen

weitere Bilder

 Pasterze – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Quellen

→ und dortige Quelle www.zamg.ac.at

Fußnoten

  1. Zeitraffer-Animation des Hufeisenbruches der Pasterze aus Bildern der automatischen Kamera am Kleinen Burgstall: In der Animation wird das Fließen des Gletschers sichtbar, besonders dort, wo der Gletscher relativ schnell fließt, nämlich an den Steilabbrüchen des Hufeisenbruches. Die Animation besteht aus einem Foto pro Tag von Oktober 2015 bis August 2017. Tage ohne Sicht sind ausgenommen. Der Gletscherbruch mit zwei kleinen Eisströmen links im Bild und einem größeren rechts verbindet das weite Akkumulationsgebiet der Pasterze mit der markanten Gletscherzunge. Der Eisnachschub von oben wird jedes Jahr geringer. Weite Teile des Gletscherbruches sind bereits ausgeapert. Unterhalb des Gletscherbruches werden derzeit Fließgeschwindigkeiten von bis zu 50 Meter pro Jahr gemessen. Im Gletscherbruch ist das Fließen deutlich schneller. Quelle ZAMG.
  2. seit 1999 Vorstand des Institutes für Hochgebirgsforschung und Alpenländische Land- und Forstwirtschaft, Quelle seine Homepage www.oeaw.ac.at
  3. Quelle Buch Das Buch vom Tauerngold, Seite 358, mit dortiger Quellenangabe Fußnote 869
  4. Quelle www.staff.uni-mainz.de abgefragt 13. April 2012
  5. Quelle www.alpenverein.at Gletscherbericht 2009/10
  6. Salzburger Woche, Ausgabe Pinzgauer Nachrichten, 12. April 2012
  7. Quelle www.gipfeltreffen.at abgefragt am 13. April 2012
  8. Quelle sn online, abgefragt am 31. Oktober 2017
  9. Quelle www.sn.at, Österreichs Gletscher sind weiter auf dem Rückzug, 13. April 2019;