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Pfauenziege

Pfauenziegenherde in Rauris
Pfauenziegen aus der Herde von Ruth Maria Wallner in Rauris
Pfauenziegenbock (links) und Tauernscheckenbock (rechts) auf dem Bergbauernhof von Johann und Ruth Wallner in Rauris

Die Pfauenziege ist eine Ziegenrasse, die sowohl in Österreich als auch in der Schweiz autochthon vorkommt und nach wie vor als stark gefährdet gilt.

Inhaltsverzeichnis

Name

„Pfau“ leitet sich vom Rätoromanischen „pfaven“ = gefleckt ab.

Herkunft und Beschreibung

Zu jenen Hausziegen, die noch in den Dreißigerjahren zu Tausenden auf Pinzgauer Almen aufgetrieben wurden, zählte neben den Tauernschecken, der Pinzgauer Ziege und der Pinzgauer Strahlenziege sicherlich auch Pfauenziegen.

Ihr äußeres Erscheinungsbild entwickelte sich durch die Haltungs- und Umweltbedingungen im Alpentraum und die Pfauenziege war vermutlich in weiten Teilen der Ostalpen und in Teilen der Westalpen verbreitet. Allerdings fehlen in Österreich und damit auch in Salzburg frühe schriftliche Belege. Für die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts gibt es fotografische Belege für die Haltung der Pfauenziege in Tirol, in der Steiermark und in Salzburg. Es existierten jedoch unterschiedliche lokale Bezeichnungen, wie „Steirer Goaß“ (Stmk.) und „Gansen“ (Tiroler Stubaital). „Gansen“ bezieht sich auf die Zweiteilung der Mantelfärbung und laut Günter Jaritz wird „Gansert“ als Name für Ziegen verwendet, „deren hintere Körperhälfte dunkel und vordere Körperhälfte hell gezeichnet ist.“

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Schweizer Bestandes der Pfauenziege war der Kanton Graubünden und das angrenzende Tessin. Der Schweizer Typ wird von Günter Jaritz als großrahmige, milchbetonte Gebirgsziege beschrieben. Mittlerweile wurde durch Einkreuzen von Leistungsrassen versucht, Milchleistung und Euterqualität zu verbessern, was jedoch nicht zur Generhaltung beigetragen hat. Die in der Schweiz in den 40er-Jahren erfolgte „Rassenbereinigung“ brachte der Pfauenziege das Prädikat „nicht erhaltenswürdig“ ein und sie verschwand in der Folge fast vollständig aus Schweizer Gebiet. Erst in den 1990er-Jahren gelang auf Initiative von „Pro Spezie Rara“ die Auffindung und Registrierung einzelner noch vorhandener Tiere und der Anlage eines Herdezuchtbuches für den Bereich der Schweiz.

Ungefähr zeitgleich kam es zu Rettungsaktionen in Österreich. 1988 machten sich die Obmänner der Gesellschaft für gefährdete Haus- und Nutztierrassen in Deutschland und Österreich auf, um nach letzten noch vorhandenen Pfauenziegen zu suchen. Sie fanden lediglich drei (!) Exemplare, wussten jedoch damals nicht, dass im Tiroler Valsertal noch eine kleine Herde gehalten wurde. Mitte der 90er-Jahre begann die Zoologin Dr. Ruth Maria Wallner ihre eigenen Recherchen in Sachen Pfauenziege und baute mit von ihr gefundenen Pfauenziegen aus Niederösterreich, Salzburg und der Steiermark einen Ausgangsbestand von rund 15 phänotypisch entsprechenden Tieren auf. Sie züchtete mit diesen Ziegen von Beginn an im Herdbuch des Salzburger Zuchtverbandes für Schafe und Ziegen. Ihre Öffentlichkeitsarbeit brachte sie in Kontakt mit anderen Züchtern, die den Austausch von Deckböcken ermöglichte.

Es war jedoch ein Tiroler Bergbauer in Brennerpassnähe – Hermann Mair vom Fidler-Hof in St. Jodok im Valsertal, der von Günter Jaritz als eigentlicher Retter der österreichischen Pfauenziege bezeichnet wird. Auf dem Fidlerhof wurden von jeher Pfauenziegen zwar nicht ausdrücklich gezüchtet, aber hier gehalten. Der engagierte Bergbauer führte dann in den 1980er-Jahren im Alleingang ein Zuchtbuch, so wie er es auch für sein Grauvieh, eine bedrohte Rinderrasse, handhabte. Er fand jedoch beim zuständigen Ziegen-Zuchtverband keine Anerkennung, sodass er einen eigenen Verein gründen musste. Anfangs hatte er keine Mitstreiter. Erst nach und nach fanden sich andere Züchter, die auf den Weiterbestand dieser Rasse Wert legten. Genetische Untersuchungen bestätigten, dass die Pfauenziege eine eigenständige Rasse ist. Der Ausgangsbestand der heute vorhandenen Herden setzte sich aus Tieren aus dem Valser Stubaital und Restbeständen aus Niederösterreich, aus der Steiermark und aus Salzburg zusammen. Rund 20 % stammten von Ziegenimporten aus dem Schweizer Bestand. Erst 1997 wurde in Österreich mit einer eigenen Herdebuchzucht begonnen. Gegenwärtig umfasst der österreichische Bestand wieder etwas mehr als 300 Herdebuchtiere mit Bewertung (ÖBSZ 2013). Die Pfauenziege gilt nach wie vor als stark gefährdet.

Literatur

Dr. Ruth Maria Wallner, Bergbäuerin in Rauris, ist seit zwei Jahrzehnten Ziegenzüchterin. Sie hat als Zoologin wissenschaftlich über Ziegen geforscht und im Mostviertel eine erste Zuchtgruppe der noch vor wenigen Jahren hochgefährdeten Pfauenziege aufgebaut. Während ihr Mann, Johann Wallner, die Tauernschecken vor dem Aussterben gerettet hat und diese in Rauris weiter züchtet, hält Ruth Wallner auch in Rauris Pfauenziegen. Sie hat ein Buch verfasst, das am 23. Februar 2018 im Schloss Ritzen, Saalfelden präsentiert wurde:

  • Ruth Wallner, Ziegen wie wir, Horn 2015

Quellen

  • Pinzgauer Nachrichten, 22. Februar 2018, S. 13.
  • Günter Jaritz, Seltene Nutztiere der Alpen. 7000 Jahre geprägte Kulturlandschaft, Salzburg 2014, S. 75-76.
  • Franz Mandl: Almen im Herzen Österreichs. ANISA, Haus im Ennstal 2003,
  • Ing. Franz Keidel, Die Almen und die Almwirtschaft im Pinzgau, im Selbstverlage des Verfassers, gedruckt in Innsbruck 1936, S. 41.