Pinzgauer Ziege

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Pinzgauer Ziegen auf Roswitha Hubers Kalchkendlalm in Rauris
In dieser gemischtrassigen Ziegenherde unterhalb des Maurerkogel weisen einige Tiere die äußeren Merkmale der Pinzgauer Ziege auf.

Die Pinzgauer Ziege ist eine autochthone Hochgebirgsziegenrasse, die aufgrund der kritischen Bestandszahlen als „Hochgefährdete Ziegenrasse“ gilt.

Herkunft und Beschreibung

Tiere dieser Rasse sind großrahmige, ausschließlich behornte Gebirgsziegen, die wie alle anderen Rassen der Hausziege ebenfalls von der Bezoarziege, der sog. Urziege, abstammen. Der Kopf der Pinzgauer Ziege trägt eine schwarze Maske, teilweise auch mit braunen Abzeichen. Sie hat einen kräftigen Hals, ein starkes Fundament und weist am Rücken einen schwarzen Aalstrich auf. Auch die Beine sind schwarz gefärbt. Die Brust der Böcke ist schwarz, weibliche und Jungtiere haben eine schwarz/braun gestichelte Brustfärbung. Die Dichte der Unterwolle ist von der Jahreszeit abhängig. Das Fell ist mittellang, wobei ein typisches Zeichen der Pinzgauer Ziege ihr dreifarbiges Haar ist: an der Haarwurzel ist jedes Haar grau, in der Mitte braun und an der Spitze schwarz. Die Pinzgauer Ziege ist besonders robust, widerstands- und anpassungsfähig und braucht meist keine Hilfe bei der Geburt und beim Aufziehen der Kitze.

Böcke dieser Hausziegenrasse können Hörner bis zu einer Länge von 120 cm entwickeln und ihre Behornung ist der der Steinböcke etwas ähnlich. Das Horn der weiblichen Tiere ist schmäler und kürzer und kann in der Länge etwas variieren. Die Widerristhöhe bei Böcken beträgt 75 bis 85 cm, bei den weiblichen Tieren 70 bis 80 cm. Das Körpergewicht der männlichen Tiere liegt zwischen 70 und 90 kg, bei den weiblichen Tieren zwischen 55 und 65 kg. Die Pinzgauer Ziege wird als scheu, ausgeglichen und bei der Alpung als standorttreu beschrieben.

Die Pinzgauer Ziege ist wie das Pinzgauer Rind eine autochthone Rasse, die aus dem Pinzgau und dessen näherer Umgebung stammt. Kleine Bestände kamen auch in angrenzenden Bundesländern vor.

Gegenwart und Zukunft

Bestand und Leistung

Zwischen 1960 und 1980 ist der Bestand der Pinzgauer Ziege aufgrund der Einfuhr anderer Rassen und dem allgemeinen Rückgang der Ziegenhaltung stark zurückgegangen. Die Pinzgauer Ziege konnte auch mit den Hochleistungsrassen, die entweder der Fleisch- oder Milchgewinnung dienen, als Dreinutzungsziege (Fleisch, Milch und Landschaftspflege) nicht mithalten, obwohl sie, (wie auch das in seinem Bestand abnehmende autochthone Pinzgauer Rind im Vergleich zu anderen Hochleistungsrinderrassen), viele positive Eigenschaften aufweist. Geschätzt wird sie vor allem wegen der Landschaftspflege und wegen der Käseproduktion (Pinzgauer Almkäse), zu dessen Herstellung Milch von Pinzgauer Rindern und Pinzgauer Ziegen verwendet wird. Für eine Hochgebirgsziege weist die Pinzgauer Ziege mit 570 bis 680 kg eine hohe Milchleistung auf.

Verbreitung

Ende der 80er-Jahre des 20. Jahrhundert begann Ambros Aichhorn vorläufig noch rechtzeitig die Restbestände zu suchen und diese zu schützen. Mitte der 90-Jahre begann man vor allem im Bundesland Salzburg mit der Herdebuchzucht. Es wurden auch wieder Tiere dieser Rasse in angrenzenden Bundesländern (Steiermark, Kärnten, Niederösterreich) gehalten. Einzelne Tiere befinden sich auf in der Schweiz, in Deutschland und in Südtirol.

2009 umfasste das Zuchtbuch 392 Herdebuchtiere. Aufgrund der kritischen Bestandszahl wurde die Pinzgauer Ziege in der Rasseliste des ÖPUL 2007 des Agrarumweltprogramms als „hochgefährdete Ziegenrasse“ geführt.

Pinzgauer "Bergziegen" grasen auf Wiener „Müllberg“

Es mutet wie ein Scherz an, entspricht aber der reinen Wahrheit. Auf einer ehemaligen Mülldeponie in Wien wurden über die Initiative einer Tierärztin einige Pinzgauer Ziegen ausgesetzt und zwar als eine der Maßnahmen um die Art zu erhalten.

Der eigentliche Zweck der Tiere vor Ort ist aber ihr Einsatz als „Rasenmäher“ und der von der Stadt Wien erwünschte Nachweis, dass von der ehemaligen Deponie keine Umweltgefährdung ausgeht. Es befinden sich ausschließlich weibliche Tiere mit ihren Kitzen vor Ort, um Inzucht zu vermeiden. Männliche Tiere werden kontrolliert zugeführt.

Mittlerweile hat sich der Wiener Bestand kräftig vergrößert und es muss zugefüttert werden. Die Deponiefläche mit 60 Hektar Größe mit ihren für Wien exotischen Pinzgauer Ziegen ist über die Jahre auch zu einem beliebten Ausflugsziel geworden.

Weblink

Quellen