Prunkwaffe des Fürsterzbischofs Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg

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Schlossseite dat. 1534
22. November 2016, Reno, Nevada v.l.n.r. Dr. Peter Lechenauer, Univ.-Prof. Dr. Martin Hochleitner und Mark W. Knobel 4

Die Prunkwaffe des Fürsterzbischofs Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg ist eine historische Prunkwaffe, die im Salzburg Museum zu sehen ist.

Allgemeines

Die Prunkwaffe des Salzburger Fürsterzbischofs Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg (1468 - 1540) konnte nach jahrelangem Bemühen 2016 wieder nach Salzburg zurückgeholt werden. Die Waffe ist nach 1945 aus Salzburg weggekommen und trägt die Inventarnummer WA 0001. Sie ist somit das älteste Inventarisat der Waffensammlung des Salzburg Museum und auch waffentechnisch ein herausragendes Prunkstück dieses Bestandes. Ein Ölgemälde des Salzburger Malers Hans Makart präsentiert die Waffe ebenso wie eine Zeichnung von Georg Pezolt welche noch dazu in der Inschrift dieses Stück als Teil des Salzburg Museum nennt.

Zur Provenienz der Prunkwaffe

Ursprünglicher Besitzer dieses Doppelradschlossgewehres war der Salzburger Fürsterzbischof Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg. Vermutlich handelt es sich um ein Geschenk von Kaiser Ferdinand I (1503 bis 1564). Die Waffe wurde bereits in Inventaren der Festung Hohensalzburg 1540, 1605 und 1776 erwähnt. Seit der französischen Besatzung Salzburgs im Jahr 1800 dürfte die Waffe im Benediktinerstift St. Peter verwahrt gewesen sein. Im Jahr 1860 gelangte die Waffe als Schenkung durch Alois Wabnig (Tafeldecker im Stift St. Peter) in den Bestand des Salzburger Museum Carolino Augusteum (heute Salzburg Museum). 1919 wurde das Doppelradschlossgewehr noch einmal im Band XIV der Österreichischen Kunsttopographie erwähnt.

In den unklaren Tagen Endes des Zweiten Weltkrieges wurde das Gewehr von einem Bergort entwendet und vermutlich von einem US-amerikanischen Soldaten nach 1945 als „GI booty“ mit in die USA gebracht. 1960 taucht die Waffe in einem privaten Sammlungskatalog wieder auf. Im September 2009 wurde in einer Londoner Fachzeitschrift ein kleines Ölgemälde des Salzburger Malers Hans Makart präsentiert.

Die Direktion des Salzburg Museum erfuhr im Dezember 2012 durch den britischen Waffenhistoriker Guy Wilson von einer über mehrere Stationen fassbare Verkaufsgeschichte der historischen Waffe in den Vereinigten Staaten. Die Prunkwaffe befand sich nach 1945 in verschiedenen Sammlungen in den USA, in den 1960er Jahren machte sie einen Abstecher in die Sammlung von Geoffrey Jenkinson auf den Britischen Kanalinseln um letztendlich wieder in den USA zu landen. Durch die Bemühungen von Dr. Johannes Ramharter und seine persönlichen Kontakte zum Metropolitan Museum in New York war es schließlich möglich mit dem derzeitigen Eigentümer in Kontakt zu treten und nunmehr in den letzten vier Jahren entsprechende Verhandlungen für einen Rückkauf zu führen. Am 22. November 2016 konnte die Waffe schließlich in Reno (Nevada) von Museumsdirektor Martin Hochleitner und Rechtsanwalt Peter Lechenauer übernommen werden.

Eines der ältesten Radschlossgewehre der Welt

Es handelt sich dabei um eines der ältesten Radschlossgewehre der Welt, eine jagdliche Büchse mit reich geätztem und teilweise vergoldetem Doppel-Radschloss, das vermutlich in Deutschland oder Oberitalien hergestellt wurde. Datiert ist die Waffe mit 1534. Der achtkantige, mit fünf durchbrochenen, vergoldeten und gravierten Spangen am Schaft befestigte Lauf ist floral reich geätzt und zeigt an der Oberseite eine längere Inschrift. „Valeant, qui discordium inter nos volunt…“ (fort mit denen, welche Uneinigkeit zwischen uns bezwecken). Es wird vermutet, dass es sich bei diesem Objekt um ein symbolträchtiges Geschenk des späteren Kaisers Ferdinand I. handelt. Beide, Fürsterzbischof Lang und Kaiser Ferdinand I., waren ausgewiesene Kämpfer gegen den Protestantismus. Die Schlossplatte ist mit schwarz geätztem Laubwerk und dem Wappen des Fürsterzbischofs verziert. Das Wappen findet sich auch am grünen Holzschaft.

Die Waffe weist eine Gesamtlänge von 84 cm auf, die Lauflänge beträgt 57,5 cm, das Kaliber 13 mm. Der Lauf ist innen glatt. Das Alter und die besonders reiche künstlerische Ausgestaltung hat dem Pirschgewehr schon von jeher einen hohen Stellenwert gesichert. Bereits als man im ausgehenden 19. Jahrhundert die Waffensammlung des städtischen Museums neu zu inventarisieren begann, war man sich des besonderen Wertes der Waffe bewusst und vergab so die Waffen-Nummer 1.

Quelle

  • Presseinformation des Salzburg Museums, abgerufen am 21. Jänner 2017 auf der Presseseite