Reichensberg

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Bauerngut Reichensberg Uttendorf
Reichensberg Uttendorf
Detail aus Jagdszene Reichensberg in Uttendorf
Reichensberg, Uttendorf

Reichensberg ist ein altes Bauerngut am Uttendorfer Sonnberg. Es gehört zu den denkmalgeschützten Objekten in der Gemeinde.

Beschreibung

Das Bauernhaus liegt am Uttendorfer Sonnberg an der Straße Richtung Keltendorf Steinerbichl Uttendorf und Gasthof Liebenberg, die auf Höhe des Bauerngutes auf der Trasse der alten Straße, die über den Sonnberg führte, verläuft. „Das Haus macht einen schlossartigen Eindruck. Es ist ein alter, behäbiger Bauernsitz, in zwei Stockwerken ganz gemauert.“ Josef Lahnsteiner beschreibt mit diesen Worten das alte Bauernhaus, das von der Besitzerfamilie, die neben dem alten Haus ein neues Wohnhaus errichtet hat, seit Jahren nicht mehr bewohnt ist und dem Denkmalschutz untersteht. Das alte Haus zeigt auf der Nordseite ein Gemälde, das eine Jagdszene im Pinzgau um das Jahr 1700 darstellt und heute bereits schadhaft ist.

Geschichte

Der Bauernhof steht – wie oben erwähnt – an der alten Straße, die über den Sonnberg führte.

Im Stockurbar des Wolf Dietrich von Raitenau ist vermerkt: „Ein Grundstückl unter Reichensberg in dem unteren Felde bei dem Weg, ist vor alters, weil die Straß oben durch den Perg gegangen, ain gemain Ez (Ötz) gewesen, ein Espan, wie es in den Taidingen heißt, wo die Viehtreiber ihr Vieh weiden lassen durften.“

Der heutige Bau dürfte aus dem 17. Jahrhundert stammen, möglicherweise war Reichensberg auch ein Zehenthof.

Nach dem Urbarzettel von 1469 diente Reichensberg dem Stifte Millstatt jährlich 4 Kas und 30 Pfund Schmalz. Aus 1520 existiert ein neues Urbarbuch, in dem in wunderschöner Schrift verzeichnet steht: „Hannß zu Reichensberg zynnst jerlich: 7 Schilling, 10 Pfennig, 4 Kas, oder dafür 68 Pfennig und 20 Pfund Schmalz.“ Daneben war noch ein Kuchldienst an das Amt Schwarzenbach nach Gassen vorgeschrieben: 2 Pfund Schmalz und 25 Eier. Ein Pfund Schmalz hatte damals den Wert von 5 bis 6 Kreuzern.

Die Besitzerreihe

1333 scheint im Millstätter Steuerbuch ein Chunrad Reichsperger auf. Bis 1579 saßen die namensgebenden Reichensperger auf dem Bauerngute, der Name des letzten war Ambros Reichensperger.

Ihnen folgten die Gruber, die mit Wolfgang Gruber Begründer des angesehenen und weitverzweigten Geschlechtes der Gruber in Uttendorf waren. Von Wolfgang Gruber stammen die Gruber zu Fellern, die Gruber zu Köhlbichl, zu Hof und zu Uggl, sowie die Gruber am Schrempfgut in Niedernsill und zu Jetzbach in Fürth bei Kaprun ab. Die Gruber haben den Besitz zu Reichensberg bedeutend vergrößert. Es gehörten damals auch der Bichlwirt, der Schattseitberg und andere Grundstücke zu Reichensberg. Reichensberg zählte zu den angesehensten Bauerngütern des Pinzgaus. Die Bäuerinnen wurden nicht zufällig aus den ebenfalls berühmten Häusern Enzing, Widrechtshausen und Harland geholt.

Unter der einstigen Besitzerin Maria Steiner kam auch das Gut Widretshausen zu Reichensberg, wo es bis zum Jahr 1891 verblieb.

In der Folge gab es durch Todesfälle mehrfache Wechsel. Schließlich kaufte Franz Maier, Widretshausersohn, das Gut Reichensberg, verstarb aber schon im Jahr 1949. Nach ihm übernahm Elise Maier den Besitz. Der gegenwärtige Besitzer ist Franz Rieder.

Eine Sage und andere Erzählungen

Eine Sage erinnert noch heute an Wolfgang Gruber: „Ein Jäger, der mit dem Weibe des Wolf Gruber ein Techtelmechtel hatte, führte den Gruber auf das Ödwinkelkees hinauf. Dort wollten sie Gams jagen. Aber der Jäger stieß den Gruber in eine Gletscherspalte hinab, um ihn loszuwerden und seine Frau zu bekommen. Wolfgang war jedoch ein großer starker Mann; es gelang ihm mit seinem Stutzen Stufen in das Eis zu schlagen. Mit vieler Mühe kam er, wenn auch ganz zerstraubt, aus dem kühlen Grab heraus.“

Josef Lahnsteiner erwähnt auch elektrische Entladungen, die sich im Hause Reichensberg zugetragen haben, ohne wesentlich zu schaden. „Zweimal entwickelte sich ein Kugelblitz, der durch den Kamin herabfuhr, beim Ofentürl heraussprang und im Keller verschwand. Einmal nahm er die Wasserleitung zum Weggefährten, ein andermal wollte er den Radioapparat probieren, der aber diesen Besuch nicht vertrug. Zuletzt machte es einen Knall und dahin war das Gespenst.“ Seit 1955 wird das Haus durch einen Blitzableiter geschützt.

Quellen

  • Lahnsteiner, Josef: Oberpinzgau, Von Krimml bis Kaprun, Selbstverlag, Hollersbach 1965.
  • Gemeinde Uttendorf