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Keltendorf Steinerbichl Uttendorf

Keltendorf Uttendorf Steinerbichl
Keltendorf Steinerbichl
Keltendorf Uttendorf Steinerbichl2
Blick vom Steinerbichl über Uttendorf Richtung Stubachtal
Badesee Uttendorf. Am rechten oberen Bildrand ist bei genauerem Hinschauen ein Kranarm zu sehen. Der Kran steht im Keltendorf Steinerbichl Uttendorf, wo zum Aufnahmezeitpunkt ein weiteres Haus errichtet wurde.

Auf dem Steinerbichl, eine Anhöhe oberhalb von Uttendorf, entsteht nach interessanten archäologischen Grabungsergebnissen ein Keltendorf.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Der Steinerbichl ist mit einer anderen wichtigen archäologischen Stätte durch einen Altweg verbunden: Das hallstattzeitliche Gräberfeld in Uttendorf im Pinzgau. Der frühere Landesarchäologe Martin Hell war von Tierarzt Helmut Adler aus Lofer auf diese Anhöhe aufmerksam gemacht worden. Auf der Suche nach dem zum Friedhof gehörenden Siedlungsplatz ging Martin Hell daher davon aus, dass auf dem Steinerbichl jene Siedlung zu suchen war, die ihre Toten auf dem hallstattzeitlichen Friedhof auf einem Hang am Manlitzbachgraben nordöstlich von Litzldorf, rund 30 bis 50 m über dem Talboden bestattet hat. Seine Testgrabung förderte kennzeichnende Keramikscherben der Hallstattzeit und der Bronzezeit zu Tage. Er fand darüber hinaus Anzeichen für eine Besiedlung in der frührömischen Epoche.

Lage und Beschreibung

Der Steinerbichl liegt ca. 80 Höhenmeter über dem hallstattzeitlichen Gräberfeld oberhalb des Ortes Uttendorf und ist mit dem Gräberfeld durch einen gleichmäßig ansteigenden Altweg verbunden. Uttendorf liegt am Ausgang des Stubachtales, durch das der Weg über den Kalser Tauern nach Süden führt. Dieser Tauernübergang war bereits in vorgeschichtlicher Zeit begangen, wie der Fund eines Bronzeschwertes belegt.

Die Hochfläche des Steinerbichls hat eine Ausdehnung von ca. 30 x 30 m und weist nach Dr. Fritz Moosleitner Spuren einer Terassierung auf. Diese Felshöhe wird durch talseitige Steilabfälle gut gesichert, nur im Nordosten fällt das Gelände nur wenige Meter ab. Eine Häufung von Steinen ließen Dr. Moosleitner eine Befestigungsmauer in diesem von Natur aus weniger geschützten Bereich vermuten. Mit seiner strategisch hervorragenden Lage erinnert der Steinerbichl an andere inneralpine Siedlungsorte der Frühbronzezeit, der Hallstattzeit und der Latèneperiode wie der Bürgkogel in Kaprun, das Naglköpfl bei Walchen in der Gemeinde Piesendorf, der Burgkogel Rattensbach in der Gemeinde Niedernsill und der Falkenstein in Krimml. Die Siedlung am Steinerbichl war ein Handels- und Versorgungsstützpunkt für den Handel mit Kupfer und der Bergleute, die im Kupferbergbau auf der 1 ½ Wegstunden entfernten Vierthaleralm tätig waren.

Archäologische Grabungsergebnisse

Seit dem Jahr 1996 wurden auf dem Steinerbichl archäologische Grabungen durchgeführt. Sie erfolgten auf Anregung von Prof. Alfred Winter im Rahmen eines Schatzkammer Land Salzburg Projektes mit Unterstützung der Kulturabteilung des Amtes der Salzburger Landesregierung, der Verwaltung des Nationalpark Hohe Tauern und der Gemeinde, bzw. des Zukunftskollegiums Uttendorf unter der Leitung von Dr. Peter Höglinger vom Archäologischen Institut der Universität Salzburg.

Die Grabungen bestätigten die Annahme Moosleitners, dass die Ostflanke durch einen Steinwall, der wahrscheinlich aus der ausgehenden Bronzezeit stammt, geschützt war. Es wurden mehrere Hausgrundrisse unterschiedlicher Zeitstellung, u.a. der Latèneperiode, Herdstellen und Vorratsgruben festgestellt und ein Siedlungsbeginn ab der ausgehenden Frühbronzezeit (etwa um 1800 vor Chr.) konnte belegt werden. Darauf folgte eine längere Unterbrechung. Ab der Hallstattzeit (um 750 v. Chr.) ist die Anhöhe erneut bewohnt und bleibt es bis in die Zeit der Spätantike um das 4. Jahrhundert bzw. das 5. Jahrhundert nach Chr. Aus dem Fundmaterial lässt sich schließen, dass es sich um eine bedeutende Ansiedlung gehandelt haben muss. Aus der Bronzezeit liegen vor allem Keramikbruchstücke vor. Aus der keltischen und frührömischen Periode stammen ebenfalls Keramikscherben aber auch zahlreiche Metallgegenstände. Hervorzuheben ist eine spätkeltische Silbermünze des Fürsten namens ECCAIO. Bemerkenswert ist auch, dass die Siedlung auf dem Steinerbichl trotz der römischen Okkupation Noricums bis in die Spätantike bestehen blieb und allem Anschein nach weiterhin von Kelten und nicht von Römern bewohnt war.

Keltendorf

Aus den besonderen und mit einander in Zusammenhang stehenden Umständen vor Ort - ein bedeutendes prähistorisches Gräberfeld, ein prähistorisches Bergbaugebiet, ein prähistorischer Handelsweg über den Tauern – hat man sich entschlossen, auf dem Steinerbichl ein prähistorisches Dorf unter der Marke „Keltendorf“ zu errichten.

Auf Grund der zahlreichen Funde an Webstuhlgewichten wurde zuerst ein sog. „Web- oder Grubenhaus“ gebaut. In der Zwischenzeit entstanden zwei zusätzliche Gebäude und ein weiteres ist in Bau. Geplant sind noch Archäologische Restgrabungen, die Errichtung eines Hochspeichers, der Bau einer Werkstätte, die Errichtung eines Kassa/Eingangsgebäudes, die Fertigstellung des bereits begonnenen Palisadenzaunes inkl. Einfahrtstor, die Errichtung eines Karrenweges durch das gesamte Gelände und die Parkplatzgestaltung. Man hofft auf eine EU-Finanzierung, um die weiteren Ausbau- und Vermarktungspläne umsetzen zu können.

Nach der Fertigstellung des Dorfes sind Führungen und Anleitung und Darbietung handwerklicher Tätigkeiten aus damaliger Zeit geplant, wobei die Qualität des Gebotenen hochgehalten werden soll. Ziel ist ein lebendiges und anschauliches Dorf, in dem Arbeits- und Lebensweise der einstigen Bewohner zum Ausdruck kommen sollen. (Sponsoren sind willkommen!) In der kurzen Zeit des Aufbaues haben bereits gezählte 3000 Menschen - Touristen und Einheimische - den Steinerbichl aufgesucht, darüber hinaus gab es auch viele ungezählte Besucher und Besucherinnen.

Weblinks

Quellen