Südtiroler

Aus Salzburgwiki
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In der NS-Zeit wurden zahlreiche Südtiroler – nicht-italienischsprachige Bewohner Südtirols – in Österreich, insbesondere auch im Land Salzburg, angesiedelt.

Geschichte

Die Diktatoren Adolf Hitler und Benito Mussolini schlossen 1939 das sogenannte Hitler-Mussolini-Abkommen: Dieses zwang die Südtiroler, sich zu entscheiden, ob sie in ihrer Heimat bleiben (und sich damit einer verschärften Italianisierung, womöglich sogar einer Umsiedlung nach Sizilien, aussetzen) oder ob sie für die Umsiedlung in das Deutsche Reich (dem Österreich durch den Anschluss von 1938 eingegliedert war) optieren wollten.

86,6 Prozent (das waren 166 488 Südtiroler) entschieden sich für die „Option“, aber nur etwa 75 000 übersiedelten tatsächlich. Der Großteil von diesen landete in Österreich und insbesondere in Nord- und Osttirol, aber z. B. auch in Salzburg. Für die Umsiedler wurden eilends in den größeren Gemeinden und Städten des heutigen Österreich eigene Südtiroler-Siedlungen errichtet.[1]

Die Gruppe der Fersentaler und der Luserner wurde mangels vorhandener Siedlungsgebiete erst 1942 umgesiedelt. Nach einem mehrmonatigen Lageraufenthalt in Hallein gelangten sie auf die versprochenen Höfe im Budweiser Becken in Südböhmen. Von dort mussten sie 1945 wieder fliehen.[2]

Von den ausgewanderten Optanten wurden die wehrfähigen Männer gleich zum Militär eingezogen; 8 000 fielen als deutsche Soldaten im Krieg, etliche Tausend kehrten ab 1943 und in der Nachkriegszeit nach Südtirol zurück, rund 50 000 blieben in der zur neuen Heimat gewordenen Fremde.[3]

Das Verhältnis der Zuwanderer zur eingesessenen Bevölkerung war nicht friktionsfrei. Zur Baulandbeschaffung für die Siedlungen wurden viele Grundstücke enteignet, was sich wiederum auf die Stimmung gegenüber den neuen Bewohnern negativ auswirkte.[1]

Bei Kriegsende saßen die Südtiroler Auswanderer zwischen allen Stühlen: Italien verwehrte ihnen die Rückkehr, da sie ja keine italienischen Staatsbürger mehr waren. Die Reichsbürgerschaft gab es nicht mehr. Die wiedererstandene Republik Österreich kehrte zu ihrem Staatsbürgerschaftsrecht von 1938 zurück, nach dem die Südtiroler Ausländer waren. Somit waren die Auswanderer staatenlos und nirgends willkommen. Als Übergangslösung wurden sie teilweise in Lagern untergebracht. Erst mit der Zeit löste sich das Problem, indem Italien eine größere Anzahl von Rückkehrwilligen wieder aufnahm, andere Auswanderer den Verbleib in Österreich vorzogen und der österreichische Staat in den Jahren 1950 und 1954 die Hürden für den Erwerb der österreichischen Staatsbürgerschaft beseitigte.

Tradition der Südtiroler in Salzburg

Im Land Salzburg hält der am 14. Februar 1946 gegründete Verband der Südtiroler in Salzburg die Traditionen der Südtiroler Zuwanderer hoch. Zweigstellen bestehen in der Stadt Salzburg, in Hallein und in Bischofshofen.[4]

Mehr als hundert Mitglieder hat der Verein im Pongau. In Bischofshofen besteht auch eine Trachtengruppe, die häufig bei Festen in Bischofshofen und Umgebung ausrückt. Zentraler Bestandteil der Tradition ist das Herz-Jesu-Fest (dritter Freitag nach Pfingsten), das abwechselnd von einer der drei Gruppen ausgerichtet wird.[5]

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Lackenberger/Mader aaO S. 10.
  2. Lackenberger/Mader aaO S. 13.
  3. Lackenberger/Mader aaO S. 15, 17, 19.
  4. Homepage des Verbands der Südtiroler
  5. Südtiroler feierten. Pongauer Nachrichten, Ausgabe vom 28. Juni 2007, S. 20.

Weblinks