Autobuskatastrophe 1939 auf der Großglockner Hochalpenstraße

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Der Unglücksbus in Heiligenblut.

Die Autobuskatastrophe auf der Großglockner Hochalpenstraße ereignete sich in den späten Nachmittagsstunden am Sonntag, den 18. Juni 1939.

Das Ereignis

Ein vom Pinzgau über die Großglockner Hochalpenstraße großer Reisebus war bei der Einmündung der Glocknerstraße nach Heiligenblut in einer von einer Mauer gesicherten Haarnadelkurve über die Böschungsmauer 20 Meter tief abgestürzt. Der Autobus blieb vollständig zertrümmert mit den Rädern nach oben am Hang liegen.

Bei dieser Katastrophe fanden zwölf Menschen den Tod, 16 wurden schwer verletzt.

Die verunglückten Passagiere waren Teilnehmer einer Genossenschaftstagung in Wien. Sie unternahmen anschließend eine Ostmarkfahrt, die sie zunächst in die Stadt Salzburg führte. Von dort ging die Reise nach Zell am See und weiter über die Großglockner Hochalpenstraße nach Heiligenblut in Kärnten.

Von der Verhandlung

Im August 1939 fand die Verhandlung vor Schöffen des Klagenfurter Landgerichts statt. Angeklagt war der 31jährige Kraftwagenlenker, ein Reisebürobeamter und der Inhaber des Reisebüros, von dem der Bus stammte, Ferdinand Zuklin.

Bereits am ersten Tag der Reise, dem 17. Juni, gab es große Schwierigkeiten mit der Schaltung. Am nächsten Tag, dem 18. Juni, wollte Zuklin den Schaden bei der Glocknergarage in Zell am See reparieren lassen. Der zuständige Mechaniker stellte fest, dass neue Teile eingebaut werden müssen, deren Beschaffung 24 Stunden dauert. Er warnte den Busfahrer vor der Weiterfahrt, der sich jedoch mit der Bemerkung, er hätte "erstklassige Bremsen habe" nicht davon abhalten ließ. Dem Reiseleiter erzählte er noch in Ferleiten von dem Gebrechen. Doch auch dieser soll auf die Weiterfahrt zwecks Einhaltung des Programms gedrungen haben. In Villach gäbe es einen längeren Aufenthalt, bei dem die Reparatur durchgeführt werden könnte.

Der Busfahrer chauffierte daraufhin den Bus ohne Probleme über die rund 38 Kilometer lange Durchzugsstraße bis eben kurz vor Heiligenblut. Anstatt vor der gefährlichen Haarnadelkurve die Fahrgäste aussteigen zu lassen (Zitat aus der Quelle), setzte er den Wagen im Leerlauf (!) auf die Straße abwärts in Bewegung. Er geriet, da er weder einen Gang einlegen konnte, noch die Bremsen funktionierten, immer mehr in Schuss. Noch wollte er der Katastrophe dadurch ausweichen, dass er an einer Mauer streifte, aber auch dies verringerte nicht die Geschwindigkeit. Der Reisebus durchbrach das Straßengeländer, fiel vorneüber auf die Motorhaube und blieb mit den Rädern nach oben am Abhang liegen.

Sachverständige stellten später fest, das die Fuß- und Handbremsen bis zum äußersten nachgestellt worden waren, so dass die Räder sich trotz angezogener Bremsen mit der Hand drehen ließen. Die Kupplung war gleichfalls in einem derart schadhaften Zustand, dass eine Schaltung entweder ganz ausgeschlossen oder nur mit Schwierigkeiten zu bewerkstelligen war. Die Behörden untersuchten auch den Betrieb der Firma Zuklin und stellten fest, dass der Leiter der Werkstätte seiner Sache in keiner Weise gewachsen war. Von acht Autobussen der Firma funktionierten fünf nicht vorschriftsmäßig.

Das Gericht verlegte dann die Verhandlung nach Heiligenblut an Ort und Stelle des Unglücks. Dort gab der Busfahrer an, er sei am Vorabend dieser Reise erst um 23 Uhr von einer "schweren Schneebergreise" (Zitat Quelle) zurückgekommen. Dabei erfuhr er von seinem neuen Auftrag, der um 06 Uhr Früh bereits startete. Der Fahrer wollte dann erst in Salzburg das Gebrechen bemerkt haben. In Folge der Verhandlung vor Ort ergaben sich widersprüchliche Aussagen des Busfahrers zu Zeugenaussagen aus der Glocknergarage sowie Zeugen des Unfalls in Heiligenblut. Wegen des Fehlens eines wichtigen Zeugens kam es dann zur Vertagung der Verhandlung.

Am 3. September 1939 wurde die Verhandlung fortgesetzt und der letzte Zeuge, der Mechaniker der Glocknergarage in Zell am See, befragt. Dieser bestätigte, dass er den Fahrer vor einer Weiterfahrt gewarnt hatte. Auch gaben Reisegäste an, dass die Probleme bereits auf der Fahrt nach Salzburg zu Tage getreten waren. Der Busfahrer erhielt zehn Monate strengen Arrest, verschärft durch ein hartes Lager vierteljährlich, Ferdinand Zuklin erhielt 18 Monate strengen Arrest, verschärft durch ein hartes Lager vierteljährlich, und der Reiseleiter wurde freigesprochen.

Quellen

  • Das kleine Volksblatt mit den den Ausgaben ANNO von 19. Juni 1939, Seite 4 sowie ANNO vom 18. August 1939, Seite 11
  • ANNO, Innsbrucker Nachrichten, Ausgabe vom 4. September 1939, Seite 10