Erwin Klemm

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Erwin Klemm war Gemeinderat (ÖVP) der Stadt Salzburg.

Leben

Klemm war der „starke Mann“ der Salzburger Stadt-ÖVP, insbesondere ab 1985 Stadtparteisekretär und von 1987 bis 1999 Gemeinderat und Klubobmann der ÖVP-Gemeinderatsfraktion.

Ein politischer Nachruf

Einen Tag nach seinem Abschied sprach eine Frau ihn auf der Straße an: Sie bewundere ihn, schade, dass er gehe. Der Magistratsdirektor lud ihn zu einem feinen Mittagessen ins Sheraton ein, weil es ihm leidtut, dass er einen verlässlichen Partner verliert. Bürgermeister Heinz Schaden wird seine „Handschlagqualität vermissen“.

Die politischen Gegner streuten zum Abschied Rosen. Man konnte hart und klar mit ihm streiten, sagte der Klubobmann der Bürgerliste, Helmut Hüttinger: „Aber Sie haben nie die menschliche Grenze überschritten.

Die Freunde in der eigenen Partei schwiegen; oder wahrten die übliche Höflichkeit: schade um seine Erfahrung. Jetzt mag der Klubchef der ÖVP-Gemeinderatsriege nicht mehr. Zwölf Jahre in der Salzburger Kommunalpolitik haben Erwin Klemm ausgebrannt.

Die Erschöpfung ist nicht das Symptom der Schlechten und Schwachen; sie beschleicht die Dünnhäutigen und Leidenschaftlichen, die Hitzköpfigen und Vorwärtstreiber. Erwin Klemm war einer, der die Dinge vorantrieb, er stemmte sich gegen Behäbigkeit und Starrsinn, ihm ging immer alles zu langsam.

Der Coup, mit dem er Josef Dechant gegen den Widerstand der eigenen Partei auf den Sessel des Bürgermeisters hob, trug ihm Anerkennung und den Beinamen „der starke Mann im Schloss[1]“ ein.

Klemms Stärke waren Taktik und das rasche Erkennen der Gefechtslage. Die SPÖ lag damals schwer zerstört auf dem Boden, hatte neun Mandate und die absolute Herrschaft verloren.

Während bei den Roten ein Gemetzel losbrach, verreiste Klemm mit seiner Fraktion nach Portugal, um „den Klub aus der streitenden Öffentlichkeit“ abzuziehen. Von Lissabon aus telefonierte er mit dem vormaligen SPÖ-Vizebürgermeister Herbert Fartacek: „Wenn du in der Partei überlebst, wählen wir dich zum Bürgermeister. Wenn nicht, wählst du den Dechant.“ Fartacek überlebte nicht, Dechant wurde Bürgermeister der Stadt Salzburg.

Das Beschaffen von Mehrheiten war fortan Klemms Job. Sieben Fraktionen und Splittergruppen zogen 1992 ins Rathaus ein – nach sieben endlos langen und unfruchtbaren Jahren waren fast alle heillos zerstritten.

Fartacek und seine SPÖ-Dissidenten hielten auch später noch oft her, sagt Klemm, genauso oft machten sie aber „ihre linke Politik“. Die zwei älteren Herren von der Autofahrerpartei stimmten auch nur anfangs immer mit den Schwarzen auf den Bänken vor ihnen; später verwickelten auch sie sich in schwere Grabenkämpfe.

Wenn alle Stricke rissen, griff Klemm zum letzten Mittel: seiner Wortgewalt. Klemm ist ein brillanter Rhetoriker. Wenn er in freier Rede und flammend wie der italienische Dominikaner-Prediger Savonarola[2] den Schäfchen im Rathaus die Leviten las, tauchten die Köpfe aus den Zeitungen hoch, färbten die Gesichter sich rosig. Sie genossen es, wie er sie schimpfte, Klemm vermochte einen Gemeinderat auch umzudrehen, sagte sein „Lieblingsgegner“ (Klemm) und kongenialer Ko-Redner Johann Padutsch einmal neidlos.

Klemms Neigung zu tausend Winkelzügen war gefürchtet. Er konnte Amtsberichte in Fransen zerlegen, Ansinnen des Gegners bis zum Nichts hintertreiben. An der Politik zerbrachen auch Freundschaften. Als Pepi Dechant, den Klemm als jungen Kammerjuristen kennengelernt hatte, ging, verabschiedete er sich bei vielen – außer bei seinem Klubobmann. Das hat Klemm hinter der gespielten harten Schale gekränkt. Mit Franz Schausberger hat er als 1968er Studentenpolitik gemacht und es „tuschen lassen – er ein bisschen weniger, ich mehr“. Als der Neue, Karl Gollegger, mit dem Besen dreinfuhr, sah Schausberger vom Chiemseehof aus zu. Das Amt habe eine gewisse Distanz gebracht, sagt Klemm.

Jetzt macht er was Neues. Geht weg wie damals als Bursch vom bischöflichen Knabenseminar in Linz: Denn zum Pfarrer eignete sich der liberale und freigeistige ÖVP-Mann noch nie.

Quellen

->Wenn er in brillanter Rede schimpfte, färbten sich die Gesichter rosig (Sonja Wenger)

Einzelnachweise

  1. gemeint ist das Schloss Mirabell, Sitz des Bürgermeisters
  2. siehe wikipedia Girolamo Savonarola