Grabinschrift

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Eine Grabinschrift ist, wie etwa auch ein Friedhof, Grabstein und eine Bestattungszeremonie, ein bedeutender Teil der Sepulkralkultur.

Während sie früher oft wortreich und gefühlsbetont waren, neigen heutige Grabinschriften zu außerordentlicher Kargheit.

Barocke Grabinschriften

Barocke Grabinschriften sind oft, in lateinischer Sprache verfasst, recht wortreich und geradezu kunstvoll. Nicht selten sprechen sie den Betrachter direkt an und bitten um sein Gebet für die Seele des Verstorbenen oder erinnern ihn an die Vergänglichkeit alles Irdischen.

Ab 1600 wurden solche Inschriften in Salzburg immer wortreicher und anspruchsvoller. Vor allem Professoren der Benediktineruniversität traten als Verfasser im Erscheinung. Sie spornten einander doppelt an — einerseits möglichst prägnant zu schreiben, um den Text auf dem Stein unterzubringen, andererseits effektheischend mit gefinkelten Zitaten und Wortspielen. Wortspiele werden nach Berufen oder Titeln differenziert, z. B. verweist ein „nota bene“ auf einen Notar.

Christoph Brandhuber (Leiter des Archivs der Salzburger Universitätsbibliothek) und Maximilian Fussl (pensionierter Lateinprofessor der Universität Salzburg), haben die prächtigsten und ausdrucksstärksten in einem Buch versammelt.

Beispiele

Schlicht ist die auf zwei Messingtafeln festgehaltene Botschaft des in Gefangenschaft Verstorbenen an die Nachwelt: „Niemand soll Trauerkleidung (...) anlegen, sondern die Leute sollen eher Gott, den Besten und Größten, für die Seele und die Sünden des Verstorbenen anflehen und um Verzeihung bitten.“ (Auch den Wunsch nach einem bescheidenen Begräbnis erfüllte ihm sein Nachfolger nicht.)
  • Johann Georg Mayr (*† 1638), Sohn des Arztes Michael Mayr und seine Frau Barbara; Salzburg, Kaigasse 31.
He da, Wanderer! … Der Eltern Hoffnung, Freude, Frühlingswonne ist verblüht, vergangen, gefallen. Kaum geboren, damit ich ihn meiner Erde zurückgebe ohne Gewinn, nur Rauch, Trauer, Asche; nach seinem Tod ein Gesamterbe (nur) für den Himmel: Johann Georg Mayr, Söhnchen des Doktors der Medizin Michael, geboren am 13. April, verstorben am 4. August im Jahre 1638.
Ungewöhnlich ist nicht, dass Eltern ungeachtet der einst hohen Kindersterblichkeit das Gedenken an ein verlorenes Baby bewahrten. Die Inschrift ist jedoch derart aufwendig, dass sie eher zu einem hohen Geistlichen oder ehrenwerten Bürger als zu einem kaum vier Monate alten Kind passt. Solch ein fein bearbeiteter Epitaph – ein Kindergesicht mit geschlossenen Augen, ein Polster mit Quasten, eine gekehlte, geschwungene Rahmung und zwei Kartuschen – kostete rund 100 Gulden, ein Achtel des damaligen Jahresgehalts eines Hofrats. Ungewöhnlich ist auch, dass sich diese Tafel in einem Privathaus findet und nicht auf dem Petersfriedhof, auf dem das Kind bestattet wurde.
Endlich nach vielen durch deren besondere Hilfe glücklich überstandenen Mühen habe ich im Alter von 65 Jahren lebenssatt am dritten Tag des Monats Mai im Jahre 1687 meine nach ihrem Ebenbilde geschaffene Seele zu ihrem Urbild zurückgesandt, den aus Erde gebildeten Leib aber habe ich zu Füßen meines Erlösers hierher zurückgelegt, auf dass er denselben als gnädigen Richter erwarte. Meine Herde habe ich geweidet mit Liebe, Beispiel, Wort, Tat.
Den Text hatte der Fürsterzbischof selbst verfasst.
Halte ein den Schritt, Wanderer, und sieh: Ein Gasthaus ist hier des Wirts, der dir aus seinem Keller kostenlos einen für die Seele sehr heilsamen Trunk reicht: Bedenke das Sterben! Wenn du diese Wohltat dankbar vergelten willst, dann reiche ihm den Zutrunk deiner Andacht, auf dass dieser ihm zuträglich sei und seiner Seele zum Heile gereiche für die ewige Ruhe. Um diese zu erlangen, wünscht sich hier des Öfteren deine Einkehr und lädt dich ein Raphael Helmreich, Bürger dieser Stadt und Wirt.
Höre, Wanderer! [Asculta viator!] Dieser Stein hier erhebt sehr stark seine Stimme: Wie ruft er doch klagend laut als marmorner Herold! …
Die Inschrift zeugt vom Höhepunkt der Inschriftenkunst um 1700. Auf dem Grabmal liegen ein toter Strauß und ein zerbrochenes Hufeisen, Symbole für Tod und Vergänglichkeit. Der Strauß war das Wappentier dieses Abtes, der aus einer Familie von Drahtziehern stammte (der Legende nach fraß ein Strauß Eisen, das in seinem Magen härtete, und mit dieser angedichteten Eigenschaft konnte er als Verkörperung der Eisenverarbeitung dienen).

Literatur

Quelle

Weblink