Benediktineruniversität Salzburg

Aus Salzburgwiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Benediktineruniversität Salzburg war von 1622 bis 1810 der Vorgänger der heutigen Universität Salzburg.

Geschichte

Der vom Konzil von Trient (1545–1563) geforderten Errichtung von Priesterseminaren bzw. Bildungsanstalten für den Klerus suchten die Salzburger Fürsterzbischöfe unter anderem durch die Gründung einer Landesuniversität zu entsprechen. Zu den ersten Versuchen einer Universitätsgründung gehörten die Bestrebungen von Wolf Dietrich von Raitenau (1587–1612), den Jesuitenorden für den Aufbau einer Universität zu gewinnen. Diesem Vorhaben erteilte sogar der Papst seine Zustimmung. Die Jesuiten sollten nicht nur die Universität, „sondern alle Schulen des Landes übernehmen“. Die Gefangennahme Wolf Dietrichs durch den Baiernherzog Maximilian I. und seine Resignation am 7. März 1612 vereitelten jedoch alle diesbezüglichen Pläne.

Den eigentlichen Grundstein für eine Salzburger Universität legte Fürsterzbischof Markus Sittikus Graf von Hohenems (1612–1619), dem es gelang, den Benediktinerorden für das Universitätsprojekt zu gewinnen. Nach langen Überlegungen, zahlreichen Vorschlägen und Forderungen wurde am 20. September 1617 das „1. Fundationsinstrument“ von Fürsterzbischof Markus Sittikus, dem Salzburger Domkapitel und vom Abt und Konvent des Erzstifts St. Peter unterschrieben. In dieser Urkunde war als erster Schritt auf dem Weg zur Universität die Eröffnung eines Gymnasiums am 6. November 1617 vorgesehen.

Durch einen länderübergreifenden Zusammenschluss von 33 süddeutschen Benediktinerklöstern zu einer sogenannten Benediktinerkonföderation[1] und durch den Abschluss des „2. Fundationsinstruments“ konnte am 6. September 1619 an den schrittweisen Ausbau des Gymnasiums zu einer Volluniversität gedacht werden. Voraussetzung hierfür waren allerdings die Schaffung einer wirtschaftlichen Basis für die künftige Salzburger Universität sowie der Erwerb der notwendigen Universitätsprivilegien von Kaiser und Papst.

Diese Erfordernisse realisierte Fürsterzbischof Paris Reichsgraf von Lodron (1621–1653), der die Aufbringung eines erheblichen Stiftungskapitals zusagte und sich um die Erlangung zunächst der kaiserlichen und dann der päpstlichen Privilegien bemühte. Die mit 9. März 1620 datierten kaiserlichen Privilegien langten am 4. Juni 1621 in Salzburg ein und beinhalteten nur das Recht der Verleihung von akademischen Graden bis zum Magisterium und dies auch nur in den „freien Künsten und philosophischen Studien“. Paris Lodron lehnte diese Einschränkungen jedoch entschieden ab und forderte die Gewährung der Privilegien „in amplissima forma“ und für alle Fakultäten. Tatsächlich trafen am 4. Oktober 1622 verbesserte kaiserliche Privilegien in Salzburg ein, die auf das ursprüngliche Ausstellungsdatum 9. März 1620 rückdatiert waren. Die päpstlichen Privilegien wurden erst einige Jahre später – am 17. Dezember 1625 – ausgestellt. Somit kommen als Gründungsjahre der Salzburger Universität sowohl 1620 als auch 1622 als auch 1625 in Betracht.

Das Kernstück der neuen Universität bildeten die Philosophische und die Theologische Fakultät, deren Professuren ausschließlich mit Angehörigen des Benediktinerordens besetzt wurden. Die Juridische Fakultät hatte insofern eine Sonderstellung inne, als deren Professoren dem weltlichen Stand angehörten. Nur der Vertreter des Kanonischen Rechts war ein Benediktiner. Vom Bestehen einer Medizinischen Fakultät kann eigentlich nicht gesprochen werden, da – wenn überhaupt – meist nur eine Professur besetzt war. Bei der alten Salzburger Universität handelt es sich um eine bedeutende und eigenständige Erscheinung der damaligen Zeit, die sich in der katholischen Bildungslandschaft dadurch als Unikat erwies, dass sie im 17. und 18. Jahrhundert die einzige unter den deutschen Universitäten war, an der auf weite Strecken eine streng thomistische Philosophie und Theologie in Reinkultur gelehrt wurde.

Vor allem an der Philosophischen und Theologischen Fakultät wirkten bedeutende Lehrer- und Forscherpersönlichkeiten, deren klingende Namen bis heute eine Vorstellung von der einstigen Bedeutung der Alma Mater Paridiana vermitteln. Genannt seien hier nur Ludwig Babenstuber, Placidus Böcken, Rupert Gutrath, Franz sowie Joseph und Paul Mezger, Augustin Reding, Beda Schallhammer, Augustin Schelle, Benedikt Schmier, Sympert Schwarzhuber, Beda Seeauer und Gregorius Wimperger.

Aber auch unter den Salzburger Juristen gab es zahlreiche bekannte Vertreter, wie Josef Adam Aiblinger, Ludwig Engel, Corbinian Gärtner, Hermann Hermes, Johann Anton von Schallhammer, Franz Schmier, Johann Philipp Stainhauser und Judas Thaddäus Zauner, die sich nicht nur durch ihre Kompetenz in Lehre und Forschung, sondern auch durch ihre gutachterliche Tätigkeit auszeichneten. So wurde die Salzburger Juristenfakultät vor allem im südwestdeutschen Raum (bis nach Münster, Paderborn und Osnabrück) als Spruchkollegium außerordentlich geschätzt, große und schwierige Rechtsfälle wurden mithilfe von Gutachten der Salzburger Juristenfakultät entschieden. So erstellte zum Beispiel Franz Christoph von Herz ein Gutachten bezüglich der Wählbarkeit von Bürgern in Ämter in einer Stadt gemischter Konfessionen. Auch die Entscheidungen des erzbischöflichen Konsistoriums wurden durch Gutachten unterstützt.

In der Zeit der Aufklärung verblasste allmählich der Glanz der Salzburger Benediktineruniversität. Die österreichischen Benediktinerklöster durften – seit einem Verbot des Studiums im Ausland durch Kaiser Joseph II. – ihre Konventualen nicht mehr nach Salzburg schicken, was für die Salzburger Universität natürlich einen merklichen Aderlass bezüglich der Zahl der Studierenden bedeutete. In den Matrikelbüchern sind seit dem Jahr 1800 – also im letzten Jahrzehnt der alten Salzburger Universität – nur 509 Immatrikulationen verzeichnet.

In der Zeit der Koalitionskriege wurde Salzburg zudem Kriegsschauplatz, erlitt mehrfache Besetzungen durch ausländische Mächte, verlor seine Eigenstaatlichkeit und wurde nach einer ersten Zugehörigkeit zu Österreich (1806 bis 1809) ab 1810 war Salzburg Teil des Königreichs Bayern. In Bayern sah man sich aufgrund des Zugewinns neuer Gebiete nunmehr mit dem Luxusproblem konfrontiert, über zu viele Universitäten im Land (Ingolstadt, Dillingen, Bamberg, Altdorf, Innsbruck, Erlangen und Salzburg) zu verfügen. Aus diesem Grund wurde mit königlichem Dekret vom 25. November 1810 die Salzburger Universität für aufgehoben erklärt. Am 24. Dezember wurden die Universitätsbediensteten und Studenten von dieser Entscheidung, die mit sofortiger Wirkung in Kraft trat, mündlich informiert. Nur die Juristen durften ihr Studium noch bis Ende des Wintersemesters in Salzburg fortsetzen.

Rektoren

Hauptartikel: Rektoren der Benediktineruniversität Salzburg

Die Reihe der Rektoren der Benediktineruniversität beginnt 1622 mit Albert Keuslin aus dem Kloster Ottobeuren, später als Albert III. Abt von St. Peter. Sie umfasst bis 1811 zwanzig Namen, darunter Roman Müller aus dem Kloster Seeon, Gregor Wibmperger aus dem Benediktinerstift Kremsmünster oder Cölestin Romoser|Cölestin Romoser]] aus Admont, unter dem es zum größten Studentenstreik der Geschichte der Benediktineruniversität kam. Sie endet 1811 mit Corbinian Gärtner, der gegen den Willen des Hofes als erster Professor das Kanonische Recht in deutscher und nicht mehr in lateinischer Sprache vortrug.

Weitere Übersichten

Gebäude

Hauptartikel: Alte Universität

Das Universitätsgelände entstand in den Jahren 1617 bis 1650 auf dem Gelände des alten Frauengartens zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Es umfasst die Aula Academica, Bibliotheksaula und das Saecellum.

Weblink

Quellen

Fußnote

  1. Die Universität wurde von 33 konföderierten süddeutschen Benediktinerklöstern gegründet und betrieben. In: Peter Putzer: Die Alma Mater Benedictina als Barockphänomen. Zur Geschichte der Salzburger Benediktineruniversität. In: Barocker Geist und Raum. Die Salzburger Benediktineruniversität, hrsg. von Christian Rohr, Salzburg 2003, S. 34.