Lamprechtshausner Weihespiel

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Titelblatt des Lamprechtshausner Weihespiels.png

Das Lamprechtshausner Weihespiel ist ein Theaterstück, das der nationalsozialistische Schriftstellers und Politikers Karl Springenschmid zur Erinnerung an den Lamprechtshausener NS-Putsch von 1934 verfasste.

Das Weihespiel

Es sollte als Thingspiel[1] die alljährliche Aufführung des „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal auf dem Salzburger Domplatz ersetzen. Allerdings wurde es nur 1938 und 1939 auf einer Naturbühne und einer für über 1 000 Gäste gebauten Tribüne Gemeindegebiet von Lamprechtshausen im Gebiet der heutigen Reitlwaldsiedlung aufgeführt. Danach verhinderte der Zweite Weltkrieg weitere Inszenierungen.

Inhalt

Das Spiel stellt keine historischen Abläufe dar, sondern ist eine mythische Überhöhung der damaligen Ereignisse. Es war die Absicht des Autors, Zuseher und Mitspieler auf einen Opfertod für Adolf Hitler vorzubereiten.

Der Autor bedient sich einer vorgeblich bäuerlichen Sprache, die mit dem Flachgauer Dialekt nichts zu tun hat. Das Stück wird eine Rechtfertigungsideologie, die Niederlage beim Lamprechtshausener NS-Putsch 1934 wird auf die militärische Überlegenheit und Brutalität der Exekutivkräfte zurückgeführt. Der Heldenmut der Putschisten wird als Gegenteil dargestellt. Rufe der Namen der getöteten Nationalsozialisten werden eingesetzt, wenn Zweifel am Sinn der politischen Vorgänge aufkommen. Zuletzt erschallt der Name des Anführers Franz Natschläger, dessen Tod von seiner Mutter angenommen wird. Im letzten Bild des Weihespieles wird Adolf Hitler beschworen, für den alles freudig geopfert werden soll. Das Stück endet mit dem Aufziehen der Hakenkreuzfahne und dem Absingen des Deutschlandliedes.

Folgen

Nicht nur das Weihespiel sollte den Mythos der Putschisten fördern. Zusätzlich wurde ein monumentales Fresko an der Kirche zum Gedenken an die sechs getöteten Nationalsozialisten angebracht. Der Künstler Switbert Lobisser malte zu ihrer Erinnerung am heutigen Ort des Kriegerdenkmals das Fresko an die hintere Wand der Kirche. Dieses SA-Ehrenmal wurde am 5. August 1938 durch den Salzburger Gauleiter Friedrich Rainer eingeweiht. Auch wurde zu diesem Zweck die Volksschule Michaelbeuern in „Sepp Maislinger Schule“ umbenannt. Dieser war einer der Putschisten, der im Gasthaus Stadler zu Tode gekommen war und am 31. Juli 1934 in Michaelbeuern begraben wurde. Diese Widmung wurde nach dem Krieg wieder entfernt.

Aufarbeitung nach dem Kriegsende

Karl Springenschmid, der es in der NS-Zeit zum SS-Hauptsturmführer gebracht hatte und nach dem Krieg wegen Kriegsverbrechen gesucht wurde, tauchte nach dem Krieg unter. Die gerichtlichen Ermittlungen gegen ihn wurden im Jahr 1951 eingestellt. Das Berufsverbot wurde durch Bundespräsident Theodor Körner durch Entschließung vom 17. Juli 1953 aufgehoben. Er kehrte nach Salzburg zurück und starb 1981.

Quelle

Einzelnachweis

  1. Die Thingspiele des Dritten Reiches sollten ein völkisches Theater begründen. Sie wollten das Publikum formal und emotional in das dramatische Geschehen einbeziehen. Thingspiele hatten eine kurze Blütezeit von etwa 1930 bis 1935. Bis zu 400 Thingplätze waren in Planung. Quelle Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Lamprechtshausner Weihespiel"