Bewerbung von Salzburg um die Olympischen Winterspiele 2014

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Logo der Olympia-Bewerbung 2014

Das Land Salzburg bewarb sich 2007 erfolglos um die Ausrichtung der Paralympischen Winterspiele und der Olympischen Winterspiele 2014.

Die Bewerbung

Dies war bereits der zweite Versuch Salzburgs, sich für Olympischen Winterspiele zu bewerben. Bereits für die Winterspiele 2010 hatte sich Salzburg beworben, jedoch unterlag man hier der kanadischen Stadt Vancouver.

Für die Austragung der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2014 hatten sich offiziell beim Internationalen Olympischen Comité (IOC) sieben Städte beworben: Almaty, Kasachstan; Borjomi, Georgien; Jaca, Spanien; Pyeongchang, Südkorea; Stadt Salzburg, Österreich; Sotschi, Russland und Sofia, Bulgarien. Die Wahl der Host City, nach Auswahl der Candidate Cities durch das IOC, schloss folgende Schritte mit ein: Nach Abgabe des Bewerbungsdokuments 2 im Jänner 2007 und dem Besuch der IOC-Evaluierungskommission im Februar und März 2007 in den Candidate Cities veröffentlichte das IOC den Report der Evaluierungskommission[1] über die Candidate Cities im Juni 2007.

Daraufhin wurde im 4. Juli 2007 die Host City 2014 durch die IOC Vollversammlung in Guatemala City in Mittelamerika gewählt. Die drei verbliebenen Kandidaten für diese Wahl waren: Salzburg, Pyeongchang und Sotchi. Salzburg fiel hier bereits in der ersten Runde durch. In der zweiten Runde schließlich wurde das russische Sotschi gewählt, welches damit die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2014 austragen konnte.

Olympia-Skandal

Olympia-Untersuchungs-Ausschuss

Ein Nachspiel zur gescheiterten Bewerbung gab es 20082009 durch den Vorwurf, es habe unklare Geldflüsse im Zusammenhang mit der Bewerbung gegeben. So soll Walter Mayer durch die Zahlung eines hohen Betrags dazu bewogen worden sein, eine Klage gegen die hohen Sportfunktionäre Jacques Rogge und Richard Pound vor der entscheidenden Abstimmung zurückzuziehen. Die Salzburger Staatsanwaltschaft nahm im Sommer 2009 Ermittlungen auf. Die Salzburger Staatsanwältin Eva Danninger-Soriat begann mit der Untersuchung einer der größten Kriminalaffären in Österreichs Sport. Dabei ging es um etwa vier Millionen Euro, die im Österreichischen Olympischen Comité verschwunden waren, und um die in den Sand gesetzte Olympia-Bewerbung der Stadt Salzburg. Die Ermittlungen erstreckten sich dabei gegen ein gutes Dutzend Beschuldigte wegen des Verdachts der Untreue und der grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen.

Untersucht wurden auch die Honorare beteiligter Personen wie von Fedor Radmann, der 141.163 Euro netto (monatlich 12.833 Euro laut Gutachten) für elf Monate als Geschäftsführer der Olympiabewerbungs GmbH erhalten hatte. Wie überhaupt die Ausgaben für die Geschäftsführer (es gab 167.486 Euro brutto im Jahr, 11.936 Euro 14-mal) untersucht wurden, weiters die Gehälter für den „Leiter Operations“ (105.000 Euro, 7.500 Euro monatlich), für den „Leiter Games“ (91.000 Euro, 6.500 Euro monatlich). Bereits in der Anfangsphase der Bewerbung, 20042005 entstanden Gesamtkosten von 873.120 Euro. So erhielt Sportstätten-Architekt Gernot Leitner als Projektleiter 79.000 Euro Honorar (vom damaligen Othmar Raus beauftragt), 15.000 Euro brutto für die PR-Agentur „Wörter & Partner KEG“ des früheren Burgstaller-Sekretärs Wolfgang Wörter, der im Auftrag von Leitners Salzburg 2014 Vorbereitungskommission GmbH die Pressearbeit verrichtete und 30.000 Euro für die (nicht mehr existente) Agentur „Platzl 2“. Bei der Eishockey-WM in Wien wurde eine VIP-Loge um 30.000 Euro angemietet, weil sie direkt neben der Loge des IOC lag. 90.000 Euro monatlich erhielt Berater Erwin Roth, der aber vor Bürgermeister Heinz Schaden verheimlicht worden war.

Im Laufe des Sommers 2010 wurde dann begonnen, gegen neun Personen zu ermitteln. Richter Anton Meinhart kündigte im Oktober an, dass er ein Ex-Mitglied des Österreichischen Olympischen Comités wegen Falschaussage anzeigen werde. Auch Flugrechnungen, bei denen der Verdacht besteht, dass dafür keine Leistung erbracht wurde, sollen genauer untersucht werden.

Während der Untersuchungen des Untersuchungsausschusses musste Wolfgang Gmachl (ehemaliger Direktor der Wirtschaftskammer Salzburg) keine Namen von Sponsoren nennen, hingegen Bürgermeister Heinz Schaden sehr wohl. Wie Richter Meinhart in seiner Schrift festhielt, wäre die Konstruktion von zwei Rechnungskreisen und einem Förderverein den Eingeweihten rund um Heinz Schaden entgegen deren Aussagen sehr wohl bekannt gewesen. Dies schloss er vor allem aus dem Hinweis, dass am 26. Juni 2006 der Geschäftsführer der Olympiabewerbungs-Gesellschaft vor dem Aufsichtsrat (Schaden und Burgstaller (beide SPÖ)) darüber referierte, dass die GmbH und der Olympiaverein gefüttert werden müssen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte also Schaden gewusst haben müssen, dass Geld von Salzburg in den Förderverein floss (was er in seinen Aussagen so nicht mehr wusste). Dabei ging es um 300.000 Euro von der "Salzburg Winterspiele 2014 GmbH" an den "Olympia-Förderverein"[2]. Weitere Beweise ließen bei der Grünen Ausschussvorsitzenden Astrid Rössler die Vermutung aufkommen, dass es wohl kaum vorstellbar sei, dass drei Geschäftsführer nacheinander die Politiker im Aufsichtsrat bewusst hinters Licht geführt hätten. Sie geht davon aus, dass neben Schaden und Burgstaller auch Landeshauptmann-Stellvertreter Wilfried Haslauer junior, der damalige Wirtschaftskammer-Direktor Wolfgang Gmachl und Ex-LH-Stv. Othmar Raus davon gewusst hatten. Rössler meinte dazu weiter, dass es die Idee der Bewerbung war, unvertretbare Kosten ganz bewusst auszulagern. Sie sah darin einen unehrlichen Akt gegenüber der Öffentlichkeit und stellte die Frage, ob nicht auch nach Auffliegen des Skandals die Bevölkerung weiterhin bewusst angelogen wird.[3]

Geschäftsführer gehen in die Offensive

Am 8. März 2011 meldeten sich auch noch zwei zentrale Figuren der Bewerbung zu Wort, die bis dahin in der Öffentlichkeit eisern geschwiegen haben: Die Ex-Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft Gernot Leitner und Rudolf Höller. Gegen sie ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Krida. Vor dem Olympia-U-Ausschuss entschlugen sich Höller und Leitner der Aussage.

Im Gespräch mit den Salzburger Nachrichten machten die beiden der Salzburger Politik schwere Vorwürfe. Konkret soll es laut Leitner ein "Supervisory Board" gegeben haben, welches über der Bewerbungsgesellschaft und dem Förderverein angesiedelt gewesen sei. Darin sollen gesessen sein: Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ), Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ), LH-Stv. Wilfried Haslauer (ÖVP), Ex-ÖOC-Chef Leo Wallner, Ex-ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth, die Lobbyisten rund um Erwin Roth sowie die jeweiligen Geschäftsführer der Bewerbungs-GmbH – kurzum alle, die in der Sache Verantwortung trugen.

In diesem Übergremium seien "alle strategischen Entscheidungen getroffen worden", sagte Leitner. Er und Höller als Geschäftsführer hätten diese Anweisungen nur noch ausgeführt – und darüber hinaus keine Ahnung gehabt, was im Förderverein passiert sei.

Salzburgs Politiker bestritten dies freilich vehement. Bürgermeister Schaden sagte: "Einen solchen Überaufsichtsrat hat es nie gegeben. Falls sich die Herrschaften untereinander getroffen haben, hatte ich nichts damit zu tun." Auch in den Büros von Burgstaller und Haslauer hieß es, ein solches Gremium sei unbekannt.

Doch warum gingen Leitner und Höller erst jetzt an die Öffentlichkeit? Weil ihnen durch die Negativschlagzeilen der Olympiaberichterstattung geschäftlicher Schaden entstehe, sagten beide. "Es ist ein persönlich kritischer Punkt erreicht", sagte Leitner. Er sei in einem Geschäft tätig, in dem es auf Vertrauen ankomme – und es gehe nicht an, ständig mit Millionenunterschlagungen in Verbindung gebracht zu werden. "Ich habe auch zwei Kinder. Für uns alle ist das psychisch sehr belastend." Höller sagte, er sei es leid, von Freunden gefragt zu werden, "ob ich etwa ein Verbrecher bin". Leitner gab zu, er und Höller seien im Nachhinein betrachtet vielleicht naiv gewesen – die Politik aber zweifellos noch mehr.

Konkret stellten beide fest, dass gegen sie nicht wegen Betrugs, sondern wegen eines Kridadelikts ermittelt werde. Beide rechnten nicht mit einer Verurteilung. Kernaussage: Man müsse unterscheiden zwischen der Bewerbungsgesellschaft und dem Förderverein, "wo die Geschäftsgebarung nicht in Ordnung" gewesen sein soll. Offiziell tat sich in der Causa Olympiabewerbung gar nichts: Die Staatsanwaltschaft war mit ihren Ermittlungen gegen neun Personen im Grunde fertig – Sachbearbeiterin Eva Danninger-Soriat musste ihren Vorhabensbericht allerdings zur Beurteilung an das Oberlandesgericht Linz schicken, welches das Werk wiederum an das Justizministerium weiterreichte. Dort lag der Akt monatelang. "Und liegt und liegt und liegt", wie Eva Chalupsky, Leiterin der Staatsanwaltschaft Salzburg, es ausdrückte. Ob es politische Interventionen gegeben habe, könne sie nicht sagen. "Bei mir jedenfalls nicht."[4]

Die wegen Untreue und Betruges geführten Verfahren wurden im Oktober 2013 von der Staatsanwaltschaft eingestellt, nachdem sich Geldflüsse nach eingehender Prüfung als in der Branche nicht unüblich herausgestellt hatten.[5]

Weblinks

  • Olympia 2014 Schwerpunkt auf salzburg.com, 2015 nicht mehr vorhanden

Quellen

Einzelnachweise

  1. Evaluierung siehe Wikipedia Evaluierung
  2. Quelle www.ots.at/presseaussendung
  3. Salzburger Nachrichten, 23. Oktober 2010
  4. Salzburger Nachrichten, 9. März 2011
  5. Salzburger Nachrichten, 4. Juli 2014, Salzburgs Ex-Olympia-Strategieberater vor Gericht