Peking - Paris im Automobil

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Übersichtskarte der Strecke.
Das Fahrzeug des Siegers, ein Itala, 1907.
Der Citroën Rosalie 8A, Baujahr 1934, der beiden Seekirchner Thomas Weichenberger und Gernot Woerle, die mit diesem Fahrzeug 2010 bei einer nostalgischer Fahrt "Peking - Paris im Automobil" teilnahmen (in der Dauerausstellung 125 Jahre Automobilismus an der Großglockner Hochalpenstraße auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe im Besucherzentrum).
Das Fahrzeug der Seekirchner 2019 bei der Sonderausstellung 100 Jahre Citroën.

1907 fand die wohl abenteuerlichste Rallye der Frühgeschichte des Automobils, die Rallye Peking - Paris im Automobil statt.

Geschichte

16 000 Kilometer durch teils unbekanntes Terrain, davon 12 000 Kilometer nicht befestigter Straßen, der Raid Peking Paris war eine Herausforderung an Mensch und Material und diente als Verkaufshilfe: einzig das Durchkommen (und Gewinnen) versprach den damaligen Automobilherstellern höchste Anerkennung und Verkaufszahlen.

Ausgeschrieben war die Rallye von der Pariser Zeitung Le Matin[1]. Schon alleine die kurze Vorbereitungszeit schien unmöglich: die Ausschreibung von Le Matin erschien am 15. Februar 1907, die Annahme der Herausforderung musste bis spätestens 10. Juni des gleichen Jahres erfolgen. Das war aber auch schon gleichzeitig der Start in Peking! Die einzige Teilnahmebedingungen war die Bezahlung von 2.000 Franken (französische Francs), die jedoch jeder Startende in Peking wieder zurück erhalten sollte (also eine Art Kaution für die Teilnahme, siehe weiter unten).

Das für die Fahrt der Teilnehmer notwendige Öl und Benzin für Peking bis in die Mongolei wurde von Shanghai geliefert. Sibirien und Russland sollte von der Petersburger Firma Robel aus beliefert werden. Benötigt wurden pro Fahrzeug und Tag rund 300 Kilo Benzin und 100 Kilo Öl - damit konnte ein Fahrzeug rund 1000 Kilometer zurück legen.

Robel war Eigentümer fast aller sibirischen Ölquellen und war sehr an diesem Versuch der Durchquerung Sibiriens mittels Automobil interessiert. Auch die Russisch-Chinesische Bank hatte großes Interesse an jeder Verbesserung der Verkehrsmittel und des Warenaustausches im Fernen Osten. Sie unterstützte beispielsweise den späteren Sieger, Fürst Borghese, mit wertvollen Informationen über die Straßenverhältnisse, da sie in diesem Teil Russlands überall eigenen Niederlassungen hatte.

Der spätere Sieger, Fürst Scipione Borghese aus Italien, trat mit einem Fahrzeug der Marke Itala an. Als Beifahrer fungierte Ettore Guizzardi, der Reisebegleiter des Fürsten und Sohn eines Eisenbahnmechanikers. Von den 25 für die Wettfahrt gemeldeten Fahrzeugen fanden sich schließlich in Peking nur fünf ein: ein Contal-Dreirad mit sechs Pferdestärken (PS), zwei De-Dion-Bouton mit je zehn PS, ein Spyker mit 15 PS und eben der spätere Siegerwagen Itala mit 50 PS. Die ersten drei stammten aus französischen Werken, der Spyker aus den Niederlanden und der Itala mit 1.400 Kilogramm Gewicht aus Italien.

Am Tag des Starts genügte eine Polizeiverordnung, um den "gewaltigen, vielgestalteten Verkehr Pekings auf unserem Wege von acht Kilometern [Anmerkung: bis zur Chinesischen Mauer] zum Stillstand zu bringen"[2]. Was nun folgte und erst zwei Monate später für den Gewinner zu Ende sein sollte, war eine waghalsige, abenteuerliche Fahrt auf Karawanenstraßen durch Wüsten, auf Gleisanlagen der Transsibirischen Eisenbahn, durch Sumpflandschaften und anderen mehr oder weniger unbefestigten Straßen.

Am 10. August 1907 erschien dem Fürsten um 16 Uhr Paris, um bald darauf vor dem Büro von Le Matin unter Begleitung der Mannschaften der Garde Républicaine und dem Jubel der Pariser sein Ziel zu erreichen. Zweiter wurde der Spyker, die anderen Automobile kamen nicht mehr ins Ziel.

Route 1907 des Siegers

Peking (10. Juni) - Kalgan (15. Juni) - Wüste Gobi - Baikalsee - Irkutsk (1. Juli) - Krassnojarks (6. Juli) - Tomsk (11. Juli) - Jektaterinburg (19. Juli) - Perm (20. Juli) - Kasan (23. Juli) - Moskau (27. Juli) - St. Petersburg (1. August) - Kowno (3. August) - Preuß-Stargard (Deutsches Reich, 4. August) - Berlin (5. August) - Lüttich (7. August) - Paris (10. August)

Salzburgbezug

Zwei Seekirchner, Thomas Weichenberger und Gernot Woerle, starteten mit ihrem Citroën Rosalie 8A, Baujahr 1934, 2010 an einer nostalgischen Erinnerungsrallye an diese 1907 stattgefundenen Veranstaltung, dessen Hauptpreis jetzt wie damals eine Flasche Champagner sein wird.

Diese Rallye fand vom 10. September bis 16. Oktober 2010 statt und führte über 14 360 Kilometer. Der Citroën Vierzylinder-Motor mit 1 450 cm³ leistet 32 PS und verbraucht auf 100 Kilometer bis zu 40 Liter Treibstoff.

Dieses Fahrzeug war zur der Eröffnung der Dauerausstellung 125 Jahre Automobilismus - die Erfolgsgeschichte des Automobils, Ausstellung auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe an der Großglockner Hochalpenstraße gekommen und dann in der Sonderausstellung 2019 100 Jahre Citroën auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe zu sehen gewesen.

Weblinks

Quellen

  • Salzburger Nachrichten, 14. August 2010
  • Original "Rennbericht", Buch Peking - Paris im Automobil, Ausgabe Weihnachten 1907, Autor Luigi Barzini mit einem Vorwort des damaligen Gewinners, Fürst Scipione Borghese, erschienen in F. A. Brockhaus, Leipzig

Einzelnachweise

  1. wie überhaupt um 1900 viele Zeitungen treibende Kraft von Ereignissen waren, wie auch zum Beispiel der Überquerung des Ärmelkanals im Flugzeug
  2. Original "Rennbericht", Buch Peking - Paris im Automobil, Ausgabe Weihnachten 1907, Autor Luigi Barzini mit einem Vorwort des damaligen Gewinners, Fürst Scipione Borghese, erschienen in F. A. Brockhaus, Leipzig