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Schnabelkanne

die Original-Schnabelkanne nach ihrer Rückkehr in das Keltenmuseum Hallein im Frühjahr 2012: LH-Stv. Dr. Wilfried Haslauer, Bgm. Dr. Christian Stöckl im Keltenmuseum Hallein
Original Schnabelkanne
eine Nachbildung der keltischen Schnabelkanne vom Dürrnberg in einem Kreisverkehr in Hallein

Die Schnabelkanne vom Dürrnberg ist eines der wertvollsten Fundstücke der Ostalpen aus keltischer Zeit.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Um Gäste zu bewirten, übernahm die keltische Oberschicht im 5. Jahrhundert v. Chr. zunehmend mediterrane Trinksitten. Dies äußerte sich in Form von Schnabel- oder Röhrenkannen, die meist mit flachen Bronzebecken etc. kombiniert wurden. In einem Wagengrab, das bereits in der Antike ausgeraubt wurde, fand man im Jahr 1932 eine nahezu unversehrte Bronzeschnabelkanne. Der Körper der etwa 46 cm hohen Kanne wurde aus einem einzigen Stück Bronzeblech gearbeitet.

Entdeckung

Gefunden wurde die Schnabelkanne am 30. September 1932 vom Salzburger Archäologen Olivier Klose und seiner Mitarbeiterin Nora Watteck bei einer Grabung des Salzburger Museums am Dürrnberg am Nordhang des Mosersteins unterhalb der Hexenwand.

Die Schnabelkanne

Das Alter wird mit der zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts vor Christus angegeben. Das Geheimnis der Schnabelkanne allerdings wird wohl nie ganz gelüftet werden.

Den Boden und den Ausguss hatte man in einem zweiten Arbeitsschritt eingesetzt. Der Mündungsrand und der Henkel wurden gegossen und angenietet bzw. im Verbundguss angefügt. Die plastische Verzierung wird neunfach wiederholt. Den Henkel der Kanne bildet Taranis, der höchste Gott der Keltischen Mythologie. Er hält in Gestalt eines gefräßigen Ungeheuers einen menschlichen Kopf im Maul.

Die am Kannenrand befindlichen Tiere sind dem Radius der Mündung angepasst. Beide Tiere sind eine verkleinerte Darstellung des Henkeltieres und stimmen mit diesem in vielen Details überein. Der Schwanz einer gerade verschlungenen Beute ragt aus ihren Mäulern. Am Ende des Griffes ist ein kleiner menschlicher Kopf mit mandelförmigen Wustaugen. Darüber ist ein stark stilisierter nach oben gerichteter Tierkopf erkennbar. Beide Köpfe werden von ineinander greifenden S-Ranken eingerahmt, die unten in einer Palmette enden.

Das Vorbild der Kanne ist ohne Zweifel etruskisch. Sie gehört zu den bedeutendsten Vertretern des keltischen Kunsthandwerkes. Nur wenige Vergleichsstücke sind in Mitteleuropa bekannt.

Aufbewahrungsort

Das Original war bis 24. April 2012 im Salzburg Museum zu sehen, im Keltenmuseum Hallein befand sich bis dahin eine sehr gute Kopie. Ab 25. April 2012 war dann die Schnabelkanne im Keltenmuseum zu sehen. Dies wurde möglich, weil seit 1. Jänner 2012 das Keltenmuseum zum Salzburg Museum gehört. Der verstorbene Keltenmuseumsdirektor Kurt Zeller hatte schon früher immer wieder den Anspruch auf das Original erhoben, stieß aber bei Salzburg-Museum-Direktor Erich Marx auf taube Ohren.

Im Keltenmuseum Hallein ist die Kanne auf eine Million Euro versichert.

Literatur

Zur Bronze-Schnabelkanne vom Halleiner Dürrnberg existiert eine Roman-Tetralogie:

  • Kauer, Wolfgang: Der Code der Schnabelkanne. Verlag Edition Innsalz, Ranshofen, 2012
  • Kauer, Wolfgang: Frau Perchta und die Schnabelkanne. Verlag Edition Innsalz, Ranshofen, 2013
  • Kauer, Wolfgang: Frau Venus auf Wanderschaft. Verlag Edition Innsalz, Ranshofen, 2015
  • Kauer, Wolfgang: Felsbilder der Ostalpen - Das Erbe der Mondfrau. Verlag Anton Pustet, Salzburg, 2017

Quellen