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Thomas Bernhard

Thomas Bernhard, Bildnis des Künstlers im Foyer des Wiener Burgtheaters
Die von Adolf Haslinger angeregte Gedenktafel erinnert daran, dass das "Salzburger Landestheater" wichtige Thomas Bernhard-Stücke uraufgeführt hat.

Thomas Bernhard (* 9. Februar 1931 in Heerlen, Niederlande; † 12. Februar 1989 in Gmunden, Oberösterreich) war einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

Bernhard und Salzburg

Thomas Bernhards Mutter Herta Bernhard (später verheiratete Fabjan) war die unehelich geborene Tochter des Henndorfer Schriftstellers Johannes Freumbichler und der Anna Bernhard. Sein Vater Alois Zuckerstätter war ein Tischlermeistersohn aus derselben Flachgauer Gemeinde am Wallersee.

Das uneheliche Kind Thomas verbringt seine Kindheit zuerst bei den Großeltern in Wien, ab 1937 mit Freumbichler in Seekirchen. Mit seinem Großvater ist Thomas auch Gast bei Carl Zuckmayer in der Wiesmühl in Henndorf.

Seine Schulausbildung während des Krieges erfolgt in einem nationalsozialistischen Internat in Salzburg, nach Kriegsende kehrt er 1945 ins katholische Johanneum in der Schrannengasse zurück. Die Erlebnisse dieser Zeit verarbeitet er später in seiner Jugendautobiografie Die Ursache. Eine Andeutung (1975).

1947 verlässt er die Schule, um in Lehen im Lebensmittelgeschäft Podlaha in die Kaufmannslehre zu gehen. Wie es dazu gekommen ist, beschreibt er in der 1976 erschienenen autobiografischen Schrift Der Keller. Eine Entziehung. Im 2004 von der Salzburger Germanistin Johanna Pühringer wieder entdeckten Keller holt sich Bernhard 1949 eine schwere Lungenentzündung. Sein Großvater stirbt zu jener Zeit. In seiner dritten Autobiografie Der Atem. Eine Entscheidung (1977) schreibt er über diese Grenzerfahrungen.

1950 stirbt seine Mutter. Bernhard selbst verbringt lange Zeit im Sanatorium Grafenhof (Die Kälte. Eine Isolation, 1981).

Nach seiner Rückkehr aus der Lungenheilstätte beginnt er 1952 ein Studium am Mozarteum, das er 1957 abschließt. Nebenbei arbeitet er auf Vermittlung Zuckmayers als freier Mitarbeiter für die SPÖ-Tageszeitung Demokratisches Volksblatt, dessen Chefredakteur Josef Kaut später auch Präsident der Salzburger Festspiele und ein Förderer Bernhards wird. Sein Lehrmeister in der Redaktion ist der spätere Bildungsminister Herbert Moritz.

Ab 1957 lebt Thomas Bernhard als freier Schriftsteller zum Teil im Ausland und übersiedelt 1965 auf einen Bauernhof in Ohlsdorf bei Gmunden.

Thomas Bernhards Beziehung zu Salzburg und den Salzburgern hat sich im Laufe seines Lebens stark gewandelt. Während er von seiner Zeit im Flachgau gemeinsam mit Großvater Johannes Freumbichler schreibt, es sei das Paradies seiner Kindheit gewesen, kommt das Salzburg nach dem Zweiten Weltkrieg wegen seiner engen Kleinbürgermentalität als Todesmuseum schlecht weg. Was sich mit Abstand als "Hassliebe" deuten lässt, führte zu Bernhards Lebzeiten zu Betroffenheit und Ablehnung in seiner Heimatstadt.

Nach Bernhard ist die Thomas-Bernhard-Straße in der ehemaligen Scherzhauserfeld-Siedlung in Lehen benannt, wo er zwischen 1947 und 1949 in die Lehre ging. Eine Gedenktafel am Salzburger Landestheater erinnert an seine fünf Uraufführungen.

Bernhard und die Salzburger Festspiele

  • Der Ignorant und der Wahnsinnige (1972) - Uraufführung 29. Juli 1972 - Claus Peymann
  • Die Macht der Gewohnheit (1974) - Uraufführung 27. Juli 1974 - Dieter Dorn
  • Am Ziel (1981) - Uraufführung 18. August 1981 - Claus Peymann
  • Der Theatermacher (1985) - Uraufführung 17. August 1985 - Claus Peymann
  • Ritter, Dene, Voss (1986) - Uraufführung 18. August 1986 - Claus Peymann
  • Ein Fest für Boris (2007) - Neuinszenierung 27. Juli 2007 - Christiane Pohle

1965 vergaben die Festspiele an Bernhard, der schon damals Büchner-Preisträger war, einen Stückauftrag. Sie lehnten aber seinen Theatertext für Ein Fest für Boris ab. Sie hatten Angst, ihr Publikum könnte der Anblick einer Tischgesellschaft von Beinamputierten schockieren.

1972 wurde die Uraufführung von Thomas Bernhards Der Ignorant und der Wahnsinnige nach der Premiere am 29. Juli abgesetzt, weil die Feuerpolizei nicht erlaubte, das Publikum zwei Minuten ohne Notlicht zu lassen. Weil Notlicht brannte, kam es hinter der Bühne zu Handgreiflichkeiten: Angeblich wurde Bühnenbildner Karl-Ernst Herrmann von einem Bühnenarbeiter am Zopf gezogen und fiel zu Boden. Und weil Regisseur, Autor und Künstler nicht auf komplette Finsternis verzichten wollten, mussten die weiteren Aufführungen abgesagt werden. Thomas Bernhard telegrafierte am 2. August an den damaligen Festspielpräsidenten Josef Kaut: "EINE GESELLSCHAFT DIE ZWEI MINUTEN FINSTERNIS NICHT VERTRAEGT, KOMMT OHNE MEIN SCHAUSPIEL AUS STOP."

1974 hatten sich Bernhard und Kaut versöhnt, doch abermals äußerte sich Thomas Bernhard in einem Zeitungsinterview abfällig über die Festspiele und es dauerte bis 1981, dass ein neues Stück von ihm aufgeführt wurde. Der Theatermacher verarbeitete 1985 dann im Stück unter anderem die Geschehnisse von 1972.

Weiterführend

Für Informationen zu Thomas Bernhard, die über den Bezug zu Salzburg hinausgehen, siehe zum Beispiel den Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum selben Thema

Weblink

Quellen

  • Salzburger Nachrichten
  • Harald Waitzbauer: Thomas Bernhard in Salzburg. Alltagsgeschichte einer Provinzstadt 1943-1955. Böhlau, Wien 1995. ISBN 978-3-205-98424-5